Net gschimpft isch globt gnug
Kurz gesagt
Schwäbisch für „Nicht geschimpft ist genug gelobt“: Wenn niemand etwas auszusetzen hat, gilt das schon als Lob.
- Auch gesagt
- Net gschimpft isch gnug globt
- Nit gschimpft isch globt gnug
- Ned gschimpft isch globt gnua
- Nicht geschimpft ist genug gelobt
- Gegenteil
- Ehre, wem Ehre gebührt
Was bedeutet „Net gschimpft isch globt gnug“?
„Net gschimpft isch globt gnug“ heißt auf Hochdeutsch „Nicht geschimpft ist genug gelobt“: Wer keinen Tadel hört, darf das als Anerkennung verstehen, mehr Lob ist nicht zu erwarten. „Schimpfen“ meint hier tadeln, „globt“ ist gelobt, „gnug“ genug, „isch“ ist. Der Satz beschreibt eine Haltung, die man den Schwaben nachsagt: Zurückhaltung beim Loben, Sparsamkeit auch mit Worten. Man zitiert ihn in der Familie, wenn Kinder auf ein Lob warten, im Betrieb, wenn der Chef die fertige Arbeit wortlos abnimmt, und unter Freunden, wenn jemand nach dem Essen fragt, ob es geschmeckt hat.
Meist klingt der Satz selbstironisch: Man weiß, dass ein ausdrückliches Lob netter wäre, und lacht über die eigene Knausrigkeit. Ernst gemeint wird er zur Kritik, etwa in Ratgebern über Führung und Feedback, die ihn als Beispiel für fehlende Anerkennung am Arbeitsplatz anführen. Bekannt ist er auch im Badischen, und in Bayern und Franken gibt es ihn in der eigenen Mundart. Wolfgang Schäuble kommentierte 2016 die Einigung über die Bund-Länder-Finanzen mit den Worten: „Bei uns in Baden-Württemberg sagt man: Nit gschimpft, isch globt gnug.“
Woher kommt „Net gschimpft isch globt gnug“?
Wann und wo der Spruch entstanden ist, ist nicht belegt. Ein Urheber ist nicht bekannt, und in Wanders Deutschem Sprichwörter-Lexikon (1867–1880) steht er weder unter „Loben“ noch unter „Schimpfen“ oder „Schelten“. Er lebt vor allem mündlich und in der Mundart, entsprechend schwankt die Form: „net“, „ned“ oder „nit“, „gnug“ oder „gnua“, und auch die Reihenfolge wechselt zwischen „globt gnug“ und „gnug globt“.
Als Ausdruck schwäbischer Lebensart wird der Satz heute in Zeitungen, Kolumnen und Interviews zitiert. Die „Schwäbische Zeitung“ stellte ihn 2015 in einem Interview mit Natalia Wörner dem überschwänglichen Lob des britischen Schriftstellers Ken Follett gegenüber. Eine Leserin aus Villingen-Schwenningen schrieb 2020 an die „taz“, der Spruch sei schwäbisch, im Badischen aber genauso geläufig.
Beispiele aus dem Alltag
Felix hat zum ersten Mal den ganzen Garten allein umgegraben. Sein Opa geht einmal die Beete ab und nickt. Später erklärt die Oma: „Net gschimpft isch globt gnug, mehr kriegst du von ihm nicht.“
Nach der Präsentation sagt der Abteilungsleiter in Sindelfingen kein Wort. „Keine Sorge“, flüstert Jana ihrer neuen Kollegin zu, „net gschimpft isch globt gnug.“
Aylin hat Maultaschen für die ganze WG gemacht. Simon isst drei Portionen und schweigt. „Ich nehm das mal als ‚nicht geschimpft ist genug gelobt‘“, sagt sie lachend.
Häufige Fragen
Was heißt „Net gschimpft isch globt gnug“ auf Hochdeutsch?
„Net gschimpft isch globt gnug“ bedeutet „Nicht geschimpft ist genug gelobt“. Gemeint ist: Wenn niemand etwas zu beanstanden hat, ist das schon Anerkennung genug.
Heißt es „globt gnug“ oder „gnug globt“?
Beides kommt vor, weil der schwäbische Spruch vor allem mündlich weitergegeben wird. In Zeitungen und Zitaten liest man häufiger „Net gschimpft isch globt gnug“, auf Tassen und T-Shirts auch „gnug globt“.
Ist „Net gschimpft isch globt gnug“ nur schwäbisch?
Als typisch schwäbisch gilt der Spruch, er ist aber auch im Badischen bekannt. In Bayern und Franken gibt es ihn in der jeweiligen Mundart, etwa als „Ned gschimpft is globt gnua“.
Kurzer Test
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