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Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu

Kurz gesagt

Behandle andere nicht so, wie du selbst nicht behandelt werden möchtest.

Auf Englisch
Do unto others as you would have them do unto you
Treat others the way you want to be treated
Auch gesagt
Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem anderen zu
Was du nicht willst, dass dir geschicht, das tu auch keinem andern nicht

Was bedeutet „Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu“?

Das Sprichwort ist die gereimte Fassung der sogenannten Goldenen Regel. Der Maßstab ist einfach: Bevor du jemanden auslachst, belügst oder übergehst, stell dir vor, es träfe dich. Was du dann nicht erleben willst, sollst du auch anderen nicht antun. Eltern und Lehrkräfte benutzen den Reim gern, weil Kinder ihn sofort verstehen.

Die Regel ist bewusst verneint formuliert: Sie sagt, was man lassen soll, nicht, was man tun muss. Ihr Haken liegt im Geschmack. Was mich nicht stört, kann einen anderen sehr wohl verletzen. Kritiker schlagen deshalb vor, lieber zu fragen, wie der andere behandelt werden möchte.

Woher kommt „Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu“?

Die Goldene Regel gibt es in vielen Kulturen. Konfuzius formuliert sie in den „Gesprächen“, der jüdische Gelehrte Hillel fasst nach dem Talmud die ganze Tora in diesem Satz zusammen. In der Bibel steht die verneinte Form im Buch Tobit (4,15), die positive in der Bergpredigt: „Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch!“ (Matthäus 7,12).

Der deutsche Reim ist älter als Luthers Bibel. Schon das mittelhochdeutsche „Buch der Rügen“ aus dem 13. Jahrhundert reimt „swaz du niht wil daz dir geschiht, des entuo dem andern niht“. Luther übersetzte die Tobit-Stelle 1545 noch positiv, die revidierte Lutherbibel (1984 und 2017) gibt sie mit dem bekannten Sprichwort wieder.

Beispiele aus dem Alltag

  • Leon hat heimlich die Hälfte vom Geburtstagskuchen seiner Schwester gegessen und beschwert sich jetzt, weil sie seine Chips geplündert hat. Die Mutter zuckt mit den Schultern: „Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu.“

  • Im Klassenchat wird über die Neue gelästert. Emil schreibt: „Stellt euch vor, das wärt ihr. Was du nicht willst, dass man dir tu …“ Danach ist es still im Chat.

  • Frau Öztürk stellt ihr Auto nie vor fremde Garagen, auch wenn sie nur kurz zum Bäcker will. „Ich ärgere mich auch, wenn man mich zuparkt“, sagt sie. „Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu.“

Häufige Fragen

Heißt es „das man dir tu“ oder „dass man dir tu“?

Richtig ist „dass“, denn das Wort leitet einen Nebensatz ein: Was du nicht willst, dass man es dir tut. Die Schreibung mit einem s ist ein häufiger Fehler, in alter Rechtschreibung stand „daß“.

Steht „Was du nicht willst, dass man dir tu“ in der Bibel?

Sinngemäß ja, im Buch Tobit 4,15, das in katholischen Bibeln zum Alten Testament gehört und bei Luther zu den Apokryphen. Die Lutherbibel 2017 übersetzt den Vers sogar wörtlich mit dem bekannten Reim.

Was ist die Goldene Regel?

So heißt der Grundsatz, andere so zu behandeln, wie man selbst behandelt werden möchte. Es gibt ihn in einer verneinten Form wie in diesem Sprichwort und in einer positiven Form wie in Matthäus 7,12.

Ist das dasselbe wie Kants kategorischer Imperativ?

Nein. Kant grenzte seinen kategorischen Imperativ ausdrücklich von der Goldenen Regel ab und nannte sie trivial. Sie hänge zu sehr davon ab, was der Einzelne für sich selbst will.

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