In einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist
Kurz gesagt
Körperliche Gesundheit und Bewegung gelten als Grundlage für einen wachen Verstand und seelisches Wohlbefinden.
- Ursprung
- Aus der Antike
- Auf Englisch
- A healthy mind in a healthy body
- A sound mind in a sound body
- Auch gesagt
- Gesunder Geist in gesundem Körper
- Mens sana in corpore sano
Was bedeutet „In einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist“?
„In einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist“ heißt: Wer sich bewegt und auf seine Gesundheit achtet, ist auch geistig wacher und seelisch ausgeglichener. Man hört den Satz im Sportunterricht, in der Werbung von Fitnessstudios oder wenn jemand nach einem Tag am Schreibtisch noch joggen geht. Auch Eltern bemühen ihn, wenn sie ihre Kinder vom Bildschirm weg auf den Fußballplatz schicken. Oft fällt er halb im Ernst, halb augenzwinkernd.
Wörtlich genommen ist der Satz heikel. Er legt nahe, ein gesunder Geist könne nur in einem gesunden Körper wohnen, und spricht damit kranken oder behinderten Menschen geistige Gesundheit ab. Das Wiktionary nennt diese Wiedergabe ausdrücklich verzerrend und diskriminierend. Außerdem verdreht sie die Quelle: Der römische Dichter, auf den der Satz zurückgeht, behauptete keinen solchen Zusammenhang. Ältere deutsche Fassungen formulieren noch vorsichtiger, etwa „In einem gesunden Leib soll auch eine gesunde Seele wohnen“.
Woher kommt „In einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist“?
Der Satz geht auf den römischen Satiriker Juvenal (1./2. Jahrhundert n. Chr.) zurück. In seiner zehnten Satire spottet er über die Wünsche, mit denen die Menschen die Götter bestürmen: Reichtum, Macht, Ruhm, ein langes Leben, Schönheit. Alles das führe ins Unglück. Wenn man schon um etwas bitten wolle, dann so: „orandum est ut sit mens sana in corpore sano“ (Satiren 10,356), auf Deutsch etwa: Beten soll man darum, dass ein gesunder Geist in einem gesunden Körper sei. Juvenal rät also, um beides zu bitten. Dass das eine aus dem anderen folge, steht dort nicht.
Im Deutschen wurde aus dem Gebetswunsch eine Regel. Büchmann führt die verkürzte Form „Mens sana in corpore sano“ mit der Übersetzung „Gesunde Seele in gesundem Körper“. Wander verzeichnet „Eine gesunde Seele in einem gesunden Leibe“ und vermerkt dazu, das sei „ein Wahlspruch der Turner geworden“. Als Leitspruch der Leibesübungen wird der Satz bis heute verstanden.
Beispiele aus dem Alltag
Sportlehrer Herr Albers schickt die 9b auf den Dauerlauf. Als Ben schon nach der ersten Runde stöhnt, ruft er: „In einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist!“
Nach acht Stunden Videokonferenzen schnürt Leonie die Laufschuhe. „In einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist“, schreibt sie in den Familienchat und schickt ein Foto vom Park.
Über dem Eingang des Fitnessstudios steht in großen Lettern „Mens sana in corpore sano“. Murat, der seit seinem Unfall im Rollstuhl sitzt, findet den Spruch reichlich gedankenlos.
Häufige Fragen
Von wem stammt „In einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist“?
Der Satz geht auf den römischen Dichter Juvenal zurück, Satiren 10,356: „orandum est ut sit mens sana in corpore sano“. Juvenal empfahl damit, um körperliche und geistige Gesundheit zu beten, und behauptete nicht, die eine folge aus der anderen.
Was heißt „Mens sana in corpore sano“?
„Mens sana in corpore sano“ heißt wörtlich „ein gesunder Geist in einem gesunden Körper“. Die Wendung ist ein verkürztes Zitat: Bei Juvenal steht davor „orandum est ut sit“, also „man soll darum beten, dass … sei“.
Ist „In einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist“ diskriminierend?
Wörtlich genommen spricht „In einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist“ kranken und behinderten Menschen einen gesunden Geist ab. Das Wiktionary nennt diese Wiedergabe deshalb verzerrend und diskriminierend, mit Juvenals Original hat sie wenig zu tun.
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