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Ich weiß, dass ich nichts weiß

Kurz gesagt

Wahre Klugheit beginnt mit der Einsicht, wie begrenzt das eigene Wissen ist.

Auf Englisch
I know that I know nothing

Was bedeutet „Ich weiß, dass ich nichts weiß“?

„Ich weiß, dass ich nichts weiß“ heißt: Wer klug ist, kennt die Grenzen seines Wissens und gibt sie offen zu. Der Satz gilt als Inbegriff der Bescheidenheit des Denkers und als Spitze gegen Besserwisser, die alles zu wissen glauben. Man zitiert ihn, wenn man in einer Prüfung oder Diskussion an seine Grenzen stößt, wenn Fachleute sich vorschnell festlegen oder wenn jemand augenzwinkernd seine Ahnungslosigkeit zugibt.

Oft wird er als Paradox verstanden: Wer weiß, dass er nichts weiß, weiß ja doch etwas. Das ist eine Folge der zugespitzten Form. Sokrates behauptet bei Platon kein solches Wissen, er sagt nur, dass er nicht zu wissen glaubt, was er nicht weiß. Im Alltag reicht die Wendung von ernster Selbstprüfung bis zur scherzhaften Ausrede vor der Matheklausur. Gemeint ist nie völlige Ahnungslosigkeit, sondern das Bewusstsein, dass Wissen vorläufig ist und man jederzeit falschliegen kann.

Woher kommt „Ich weiß, dass ich nichts weiß“?

Der Satz wird Sokrates zugeschrieben, steht so aber nicht in Platons „Apologie“, der Verteidigungsrede des Sokrates vor Gericht im Jahr 399 v. Chr. Dort erzählt Sokrates, das Orakel von Delphi habe seinem Freund Chairephon geantwortet, niemand sei weiser als Sokrates. Um das zu prüfen, befragt er einen Staatsmann, der als weise gilt, und stellt fest: Keiner von beiden weiß etwas Rechtes, aber jener glaubt zu wissen. Seine eigene Überlegenheit bestehe darin, „daß ich, was ich nicht weiß, auch nicht glaube zu wissen“ (Apologie 21d, in der Übersetzung Friedrich Schleiermachers).

Die knappe Formel stammt aus der lateinischen Überlieferung. Cicero lässt in den „Academica“ (45 v. Chr.) Varro über Sokrates sagen, er überrage die anderen, weil jene zu wissen glaubten, was sie nicht wissen, er selbst aber nur dies eine wisse, dass er nichts wisse: „ipse se nihil scire id unum sciat“ (Academica 1,16). Diese Zuspitzung geht über Platon hinaus, denn bei ihm ist das Nichtwissen eine Einsicht, kein sicheres Wissen.

Beispiele aus dem Alltag

  • Nach der Vorlesung über Quantenphysik schreibt Malte in die Lerngruppe: „Ich weiß, dass ich nichts weiß. Wer erklärt mir das bis Freitag?“

  • In der Talkshow wird eine Virologin gefragt, wann die nächste Pandemie kommt. „Ich weiß, dass ich nichts weiß“, sagt sie. „Wer Ihnen ein Datum nennt, rät.“

  • Opa Werner soll beim Familienquiz den aktuellen Tabellenführer der Bundesliga nennen. Er hebt die Hände: „Ich weiß, dass ich nichts weiß, hat schon Sokrates gesagt.“

Häufige Fragen

Hat Sokrates „Ich weiß, dass ich nichts weiß“ gesagt?

Nicht in diesem Wortlaut. In Platons „Apologie“ (21d) sagt Sokrates, er sei weiser als ein angeblich Weiser, weil er nicht zu wissen glaube, was er nicht weiß. Die zugespitzte Formel „Ich weiß, dass ich nichts weiß“ geht auf Ciceros „Academica“ zurück.

Ist „Ich weiß, dass ich nichts weiß“ ein Widerspruch?

Als Formel ja: Wer weiß, dass er nichts weiß, weiß schon etwas. Platons Sokrates behauptet dieses Wissen aber nicht. Er sagt nur, dass er sich kein Wissen einbildet, das er nicht hat.

Was hat das Orakel von Delphi damit zu tun?

Das Orakel hatte Sokrates’ Freund Chairephon geantwortet, niemand sei weiser als Sokrates. Sokrates verstand das als Rätsel und prüfte angeblich weise Männer. Am Ende deutet er den Spruch so: Er sei nur insofern weiser, als er sein Nichtwissen kennt.

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