Da steh ich nun, ich armer Tor
Kurz gesagt
Trotz aller Mühe ist man kein bisschen klüger geworden und steht ratlos da.
- Auf Englisch
- None the wiser
- Auch gesagt
- Da steh ich nun, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor
Was bedeutet „Da steh ich nun, ich armer Tor“?
„Da steh ich nun, ich armer Tor“ sagt, wer sich nach großer Anstrengung eingestehen muss, dass er nichts gewonnen hat, und nun ratlos dasteht. Meist denkt man die nächste Zeile mit: „und bin so klug als wie zuvor“. Typische Anlässe sind ein Abend mit Forenbeiträgen und Handbüchern, nach dem man das Problem immer noch nicht versteht, ein Schrank, der nach Anleitung aufgebaut ist und bei dem drei Schrauben übrig bleiben, oder ein Fachgespräch, das mehr Fragen aufwirft, als es beantwortet.
Der Ton ist selbstironisch. Man macht sich über die eigene Ratlosigkeit lustig und zeigt nebenbei, dass man seinen Goethe kennt. Auf andere gemünzt klingt das Zitat spöttisch. Ein „Tor“ ist ein gehobenes, älteres Wort für einen törichten Menschen, einen Narren; mit dem Stadttor oder dem Fußballtor hat es nichts zu tun. Bei Goethe ist die Klage bitterer Ernst, im Alltag bleibt davon nur die freundliche Pointe des Scheiterns. Wer sie über sich selbst sagt, gesteht Hilflosigkeit, ohne das Gesicht zu verlieren.
Woher kommt „Da steh ich nun, ich armer Tor“?
Die Verse eröffnen Fausts Monolog in der Szene „Nacht“ aus Goethes „Faust. Der Tragödie erster Teil“ (1808), Vers 358 und 359. Faust sitzt nachts in seinem „hochgewölbten, engen gotischen Zimmer“ und zieht Bilanz: „Habe nun, ach! Philosophie, / Juristerei und Medizin, / Und leider auch Theologie / Durchaus studiert, mit heißem Bemühn. / Da steh’ ich nun, ich armer Tor, / Und bin so klug als wie zuvor!“ Er hat alle vier Fakultäten der alten Universität durchlaufen, nennt sich Magister und Doktor und sieht doch, „daß wir nichts wissen können“.
Aus dieser Verzweiflung wendet sich Faust der Magie zu, beschwört den Erdgeist und greift in derselben Nacht zur Giftphiole, bis ihn die Osterglocken zurückhalten. Büchmann führt die Verse in seinen „Geflügelten Worten“ unter den bekannten Faust-Zitaten. Das Wort „Tor“ ist verwandt mit „töricht“ und „Torheit“; das mittelhochdeutsche „tōr“ bedeutete laut DWDS ‚Irrsinniger‘.
Beispiele aus dem Alltag
Leonie hat drei Videos zur Steuererklärung geschaut und weiß immer noch nicht, wohin die Fahrtkosten gehören. „Da steh ich nun, ich armer Tor“, stöhnt sie.
Nach zwei Stunden in der Warteschleife der Hotline legt Herr Nowak ohne Antwort auf. „Da steh ich nun, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor.“
Im Philosophiekurs fragt Frau Yilmaz nach dem Sinn des Lebens. Nach einer Doppelstunde Diskussion meldet sich Ben: „Da steh ich nun, ich armer Tor.“
Häufige Fragen
Wie geht „Da steh ich nun, ich armer Tor“ weiter?
Die nächste Zeile lautet „Und bin so klug als wie zuvor!“. Beide Verse stammen aus Fausts Eingangsmonolog in Goethes „Faust I“, Szene „Nacht“, Vers 358 und 359.
Was bedeutet „Tor“ in „Da steh ich nun, ich armer Tor“?
Ein Tor ist ein törichter, einfältiger Mensch, also ein Narr. Das Wort ist heute gehoben und lebt vor allem in „Torheit“ und „töricht“ weiter.
Was hat Faust alles studiert?
Philosophie, Juristerei, Medizin und „leider auch Theologie“, also alle vier Fakultäten einer Universität seiner Zeit. Gerade deshalb wiegt seine Klage, er sei „so klug als wie zuvor“, so schwer.
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