Geld stinkt nicht
Kurz gesagt
Woher Geld stammt, sieht und riecht man ihm nicht an. Auch Einnahmen aus anrüchigen Quellen sind so viel wert wie andere.
- Ursprung
- Aus der Antike
- Auch gesagt
- Pecunia non olet
- Gegenteil
- Ehrlich währt am längsten
Was bedeutet „Geld stinkt nicht“?
Geld riecht nicht nach seiner Herkunft, das ist die Aussage von „Geld stinkt nicht“: Ein Euro aus einem zweifelhaften Geschäft ist so viel wert wie einer aus ehrlicher Arbeit. Zynisch oder nüchtern pragmatisch fällt der Satz, wenn ein Verein Sponsorengeld aus umstrittener Quelle annimmt, wenn eine Stadt an der Spielhallensteuer gut verdient oder wenn jemand einen unangenehmen, aber gut bezahlten Job übernimmt.
Je nach Sprecher ist der Satz eine Rechtfertigung oder ein Vorwurf. Wer ihn über sich selbst sagt, wischt moralische Bedenken beiseite. Wer ihn über andere sagt, kritisiert meist, dass sie für Geld ihre Grundsätze aufgeben. Bei schmutziger, aber ehrlicher Arbeit, etwa in der Kanalreinigung oder der Müllabfuhr, ist er dagegen fast wörtlich und ohne Vorwurf gemeint: Auch dort verdient man sein Geld, und niemand sieht es ihm an.
Woher kommt „Geld stinkt nicht“?
Das Sprichwort geht auf eine Anekdote über den römischen Kaiser Vespasian zurück, der von 69 bis 79 n. Chr. regierte. Sueton erzählt in seiner Kaiserbiografie (Vespasian 23), der Kaiser habe eine Abgabe auf Urin eingeführt, der damals etwa von Tuchwalkern als Rohstoff gebraucht wurde. Als sein Sohn Titus ihm das vorhielt, hielt ihm Vespasian Geld aus den ersten Einnahmen unter die Nase und fragte, ob ihn der Geruch störe. Titus verneinte, und der Kaiser sagte: „Atqui e lotio est“, und doch stammt es aus Urin.
Die knappe lateinische Formel „Pecunia non olet“ steht so nicht bei Sueton, sie ist eine spätere Zuspitzung der Geschichte. Wander nimmt „Geld stinkt nicht“ 1867 in sein Sprichwörter-Lexikon auf und erzählt die Vespasian-Anekdote nach. Im Französischen heißen öffentliche Pissoirs nach dem Kaiser bis heute „vespasiennes“.
Quellen
- Sueton: De vita Caesarum, Vespasian 23
- Wander: Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Stichwort ‚Geld‘
Stand:
Beispiele aus dem Alltag
Der Sportverein nimmt das Sponsoring eines Wettanbieters an, obwohl viele Mitglieder dagegen sind. „Geld stinkt nicht“, sagt der Kassierer achselzuckend.
Leonie jobbt in den Semesterferien bei einer Firma für Rohrreinigung. „Ist eklig, zahlt aber super. Geld stinkt nicht“, schreibt sie in die WhatsApp-Gruppe.
In der Talkshow geht es darum, warum die Stadt die Spielhallen nicht schließt. Ein Zuschauer schreibt in den Livechat: „Steuereinnahmen. Geld stinkt nicht.“
Häufige Fragen
Wer hat „Geld stinkt nicht“ gesagt?
Der Satz geht auf den römischen Kaiser Vespasian zurück. Laut Sueton antwortete er seinem Sohn Titus, der eine Abgabe auf Urin kritisierte, das Geld rieche nicht, obwohl es aus Urin stamme.
Was heißt „Pecunia non olet“?
„Pecunia non olet“ ist Latein und heißt „Geld stinkt nicht“. Die Formel ist eine spätere Zuspitzung der Vespasian-Anekdote, bei Sueton steht sie so nicht.
Was ist eine Vespasienne?
So heißt im Französischen ein öffentliches Pissoir. Der Name erinnert an Kaiser Vespasian und seine Abgabe auf Urin.
Wie sagt man „Geld stinkt nicht“ auf Englisch?
Im Englischen zitiert man meist die lateinische Formel „pecunia non olet“. Ein ebenso festes englisches Sprichwort ist nicht verbreitet.
Kurzer Test
Ganzes QuizWie geht das Sprichwort weiter?
Wes Brot ich ess, …