Zum Inhalt springen

Gelegenheit macht Diebe

Kurz gesagt

Günstige Umstände verführen Menschen zu Unrecht, das sie sonst nie begehen würden, etwa wenn Wertsachen unbeaufsichtigt herumliegen.

Auf Englisch
Opportunity makes a thief
Opportunity makes the thief
Auch gesagt
Die Gelegenheit macht den Dieb

Was bedeutet „Gelegenheit macht Diebe“?

„Gelegenheit macht Diebe“ heißt: Oft entsteht eine Tat erst aus der günstigen Lage, nicht aus einem lange gehegten Plan. Das unabgeschlossene Fahrrad, die offene Kasse, das Passwort auf dem Klebezettel: Solche Situationen bringen auch Menschen in Versuchung, die sich selbst für ehrlich halten. Das Sprichwort dient oft als Warnung, wenn jemand leichtsinnig mit seinen Sachen umgeht, und ebenso oft halb entschuldigend, wenn jemand etwas eingesteckt hat, das gerade herumlag.

Dahinter steckt eine nüchterne Einsicht in menschliche Schwäche: Wer Gelegenheiten verringert, verhindert Taten. Darauf beruhen Schließfächer, Kassensysteme und das Vier-Augen-Prinzip. Als Ausrede taugt der Satz allerdings nur begrenzt. Dass das Fahrrad nicht abgeschlossen war, macht den Diebstahl nicht rechtens, die Verantwortung bleibt beim Dieb. Im Alltag reicht das Sprichwort weit über Diebstahl hinaus und wird scherzhaft auch für die letzte Praline oder den Schluck aus fremdem Glas gebraucht.

Woher kommt „Gelegenheit macht Diebe“?

Der Gedanke ist im Deutschen sehr alt. Schon Freidank schreibt um 1230 in seiner Spruchsammlung „Bescheidenheit“: „State machet manegen diep“, wobei „state“ so viel wie Gelegenheit oder günstige Lage bedeutet. Ähnliche Verse finden sich im 14. und 15. Jahrhundert bei Ulrich Boner und Hans Vintler. In der Form „Gelegenheit macht Dieb“ ist das Sprichwort 1559 in einer deutschen Petrarca-Übersetzung belegt.

Wander nimmt es 1867 auf und bemerkt, ältere Strafrechtslehren hätten eine bloß bei Gelegenheit begangene Tat milder beurteilt als eine geplante. Diesen Schluss hält er für zu pauschal. Entsprechungen gibt es in vielen Sprachen, etwa „Opportunity makes a thief“ im Englischen und „L’occasion fait le larron“ im Französischen. Goethe dreht das Sprichwort im „West-östlichen Divan“ zu einer Liebeserklärung um: „Nicht Gelegenheit macht Diebe, / Sie ist selbst der größte Dieb.“

Quellen

Stand:

Beispiele aus dem Alltag

  • Im Großraumbüro verschwinden ständig Kopfhörer von den Schreibtischen. Die Office-Managerin seufzt: „Gelegenheit macht Diebe. Ab Montag gibt es abschließbare Fächer.“

  • Paul lässt sein Rad unabgeschlossen vor der Bäckerei stehen. „Gelegenheit macht Diebe“, warnt seine Schwester, „das dauert keine fünf Minuten.“

  • „Ich wollte die Kekse gar nicht alle essen“, sagt Lena, „aber die Dose stand offen auf dem Tisch.“ Ihr Vater lacht: „Gelegenheit macht Diebe.“

Lustige Abwandlungen

  • Gelegenheit macht Liebe

    Vor allem als Titel von Filmen und Theaterstücken gebräuchlich.

  • Nicht Gelegenheit macht Diebe, sie ist selbst der größte Dieb

    Goethe im „West-östlichen Divan“, als Liebeserklärung.

Mehr verdrehte Sprichwörter

Häufige Fragen

Ist „Gelegenheit macht Diebe“ eine Entschuldigung für Diebstahl?

Nein. Das Sprichwort erklärt, warum Menschen in Versuchung geraten, rechtfertigt die Tat aber nicht. Meist dient es als Mahnung, Wertsachen nicht unbeaufsichtigt zu lassen.

Wie sagt man „Gelegenheit macht Diebe“ auf Englisch?

Im Englischen sagt man „Opportunity makes a thief“ oder „Opportunity makes the thief“. Auch das Französische kennt eine wörtliche Entsprechung: „L’occasion fait le larron“.

Was hat Goethe aus „Gelegenheit macht Diebe“ gemacht?

In einem Gedicht des „West-östlichen Divans“ widerspricht Goethe dem Sprichwort: „Nicht Gelegenheit macht Diebe, / Sie ist selbst der größte Dieb“. Die Gelegenheit habe ihm den Rest der Liebe gestohlen, der ihm noch im Herzen blieb.

Kurzer Test

Ganzes Quiz

Wie geht das Sprichwort weiter?

Eine Hand wäscht …

Ähnliche Sprichwörter

Alle zu Charakter und Moral
↑↓auswählen↵öffnen