Der Appetit kommt beim Essen
Kurz gesagt
Die Lust auf eine Sache stellt sich oft erst ein, wenn man mit ihr angefangen hat. Und wer etwas bekommt, will häufig mehr davon.
- Auf Englisch
- Appetite comes with eating
- Auch gesagt
- Der Appetit kommt mit dem Essen
Was bedeutet „Der Appetit kommt beim Essen“?
„Der Appetit kommt beim Essen“ heißt: Die Lust auf eine Sache stellt sich oft erst ein, wenn man mit ihr begonnen hat. Wer sich ohne rechten Hunger an den Tisch setzt, merkt nach den ersten Bissen, dass er doch zugreifen mag. Übertragen gilt das für alles, was man vor sich herschiebt: die Steuererklärung, den Kellerputz, das erste Training nach langer Pause. Man sagt den Satz aufmunternd, zu sich selbst oder zu jemandem, der noch zögert.
Der zweite, weniger freundliche Sinn betrifft Ansprüche, die mit dem Erreichten wachsen. Wer eine Gehaltserhöhung bekommen hat, denkt bald an die nächste, und wer in einer Verhandlung ein Zugeständnis erhält, fordert gleich mehr. In diesem Gebrauch klingt das Sprichwort spöttisch oder warnend. Welche Lesart gemeint ist, ergibt sich aus der Lage. Am Esstisch ist es meist eine schlichte Feststellung, etwa wenn jemand, der „eigentlich keinen Hunger“ hatte, zur dritten Portion greift.
Woher kommt „Der Appetit kommt beim Essen“?
Das Sprichwort ist aus dem Französischen übernommen: „L’appétit vient en mangeant“. Berühmt machte es François Rabelais, der es in „Gargantua“ (1534, Kapitel 5) einem „Angest“ in den Mund legt. Die Rabelais-Forschung deutet den Namen als Jérôme de Hangest, Bischof von Le Mans. Abel Lefranc merkt in seiner Rabelais-Ausgabe von 1912 an, dass der Spruch schon im 15. Jahrhundert in den „Proverbes communs“ steht. Rabelais setzt fort: „la soif s’en va en buvant“, der Durst vergeht beim Trinken.
Wander verzeichnet 1867 die Form „Der Appetit kommt im Essen“ und hält sie für französischen Ursprungs. Die Anekdote, mit der er ihn erklärt, hält nicht stand: Danach soll Jacques Amyot den Satz zu König Heinrich III. gesagt haben, als er nach einer Abtei auch noch das Bistum Auxerre haben wollte. Amyot wurde 1570 Bischof von Auxerre, Rabelais hatte den Spruch da schon Jahrzehnte zuvor gedruckt. Der Gedanke war auch im Deutschen bekannt. Christoph Lehmann notiert im 17. Jahrhundert: „Mancher kompt ohne appetit zu Tisch vnd wird erst begierig, wenn er das Essen vor sich hat.“
Quellen
- DWDS: Appetit
- Wander: Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Stichwort ‚Appetit‘
- RENOM, Université de Tours: Angest (Rabelais, Gargantua, Kapitel 5)
- Wiktionary (englisch): l’appétit vient en mangeant
Stand:
Beispiele aus dem Alltag
Eigentlich wollte Lena heute nur eine Seite ihrer Hausarbeit schreiben, jetzt sind es fünf. „Der Appetit kommt beim Essen“, sagt sie zu ihrer Mitbewohnerin und kocht noch einen Tee.
Erst wollte der Vermieter nur die Nebenkosten anpassen, jetzt verlangt er auch eine höhere Miete. „Der Appetit kommt beim Essen“, schreibt Murat in die WhatsApp-Gruppe der Hausgemeinschaft.
Opa Heinz hatte angeblich keinen Hunger, greift beim Sonntagsbraten aber zum dritten Mal zu. Seine Enkelin grinst: „Na, der Appetit kommt wohl beim Essen.“
Häufige Fragen
Wer hat „Der Appetit kommt beim Essen“ gesagt?
Berühmt gemacht hat den Satz François Rabelais 1534 in seinem Roman „Gargantua“, auf Französisch „L’appétit vient en mangeant“. Erfunden hat er ihn nicht: Im Französischen ist der Spruch schon im 15. Jahrhundert belegt.
Heißt es „beim Essen“ oder „mit dem Essen“?
Beide Formen sind üblich. Das DWDS führt „Der Appetit kommt beim Essen“ und „Der Appetit kommt mit dem Essen“ nebeneinander als sprichwörtlich.
Ist „Der Appetit kommt beim Essen“ positiv oder negativ gemeint?
Beides kommt vor. Als Ermunterung heißt der Satz, dass die Lust mit dem Tun kommt. Über Forderungen gesagt, beschreibt er spöttisch, dass jemand nach einem Erfolg gleich mehr will.
Wie sagt man das auf Englisch?
Im Englischen gibt es die Lehnübersetzung „Appetite comes with eating“. Das französische Original „L’appétit vient en mangeant“ ist auch dort bekannt.
Kurzer Test
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