Schadenfreude ist die schönste Freude
Kurz gesagt
Augenzwinkerndes Eingeständnis, dass es Spaß macht, wenn anderen ein harmloses Missgeschick passiert, besonders Angebern.
- Auch gesagt
- Schadenfreude ist die schönste Freude, denn sie kommt von Herzen
- Gegenteil
- Geteiltes Leid ist halbes Leid
Was bedeutet „Schadenfreude ist die schönste Freude“?
„Schadenfreude ist die schönste Freude“ gibt halb im Scherz zu, dass man sich manchmal über das Pech anderer freut. Man sagt es grinsend, wenn der Angeber beim Einparken die Mülltonne umfährt, der Kollege nach seiner Lästerei selbst ins Fettnäpfchen tritt oder der ungeliebte Rivale des eigenen Fußballvereins absteigt. Oft folgt der Zusatz „denn sie kommt von Herzen“, der die Pointe noch zuspitzt.
Ernst gemeint ist der Satz selten. Er gesteht eine kleine Bosheit ein, die fast jeder kennt, und entschärft sie zugleich durch die übertriebene Form. Bei echtem Unglück, Krankheit oder Verletzungen ist er fehl am Platz und wirkt herzlos. Am besten passt er auf harmlose Pannen und auf Leute, die vorher großgetan haben. Das Wort „Schadenfreude“ ist übrigens so bekannt geworden, dass das Englische es als Lehnwort übernommen hat.
Woher kommt „Schadenfreude ist die schönste Freude“?
Woher das Sprichwort stammt, ist nicht belegt. In Wanders großem Sprichwörter-Lexikon des 19. Jahrhunderts kommt es nicht vor, es gehört offenbar zur jüngeren Umgangssprache. Eng verwandt ist „Vorfreude ist die schönste Freude“. Welches der beiden zuerst da war, lässt sich nicht sagen. Das Wort selbst ist viel älter: Das DWDS datiert „Schadenfreude“ und „schadenfroh“ ins 16. Jahrhundert.
Über die Sache haben Philosophen gestritten. Arthur Schopenhauer urteilte streng: „Neid zu fühlen ist menschlich, Schadenfreude zu genießen teuflisch.“ Wander zitiert den Satz unter dem Stichwort „Neid“. Friedrich Nietzsche widersprach 1878 in „Menschliches, Allzumenschliches“ in einem Abschnitt mit dem Titel „Das Harmlose an der Bosheit“ und fragte: „Ist Schadenfreude teuflisch, wie Schopenhauer sagt?“ Das Sprichwort hält es mit dem Volksmund: Es gibt die Bosheit zu und lacht darüber.
Quellen
- DWDS: Schadenfreude
- Wander: Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Stichwort ‚Neid‘
- Friedrich Nietzsche: Menschliches, Allzumenschliches I, Nr. 103
Stand:
Beispiele aus dem Alltag
Max hat den ganzen Abend mit seinen Bowlingkünsten geprahlt und schiebt dann drei Kugeln hintereinander in die Rinne. Seine Freundin flüstert: „Schadenfreude ist die schönste Freude.“
Der Nachbar, der jeden Falschparker meldet, bekommt selbst ein Knöllchen. Oma Hilde schaut aus dem Fenster: „Schadenfreude ist die schönste Freude, denn sie kommt von Herzen.“
Im Familienchat landet ein Video, in dem Leas großer Bruder beim Wasserski sofort baden geht. Lea schreibt nur darunter: „Schadenfreude ist die schönste Freude.“
Häufige Fragen
Ist „Schadenfreude ist die schönste Freude“ ernst gemeint?
Meist nicht. Man sagt es augenzwinkernd über harmlose Pannen, besonders wenn es Leute trifft, die vorher angegeben haben. Bei echtem Unglück wirkt der Satz herzlos.
Wie geht „Schadenfreude ist die schönste Freude“ weiter?
Häufig hört man den Zusatz „denn sie kommt von Herzen“. Er ist nicht nötig, verstärkt aber die ironische Pointe.
Gibt es das Wort Schadenfreude auch im Englischen?
Das Englische hat „schadenfreude“ als Lehnwort übernommen. Ein englisches Sprichwort mit derselben Aussage ist dagegen nicht verbreitet.
Wer hat gesagt, Schadenfreude sei teuflisch?
Arthur Schopenhauer: „Neid zu fühlen ist menschlich, Schadenfreude zu genießen teuflisch.“ Nietzsche griff den Satz in „Menschliches, Allzumenschliches“ auf und widersprach ihm.
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