Vorfreude ist die schönste Freude
Kurz gesagt
Sich auf etwas zu freuen, ist oft genauso schön oder schöner als das Ereignis selbst.
Was bedeutet „Vorfreude ist die schönste Freude“?
„Vorfreude ist die schönste Freude“ sagt, dass schon das Warten auf etwas Schönes ein Genuss ist, manchmal ein größerer als das Ereignis selbst. Die Wochen vor dem Sommerurlaub, das Abhaken der Tage bis zum Konzert, der Adventskalender vor Weihnachten: In dieser Zeit malt man sich alles in den schönsten Farben aus, und nichts kann schiefgehen. Man sagt das Sprichwort meist fröhlich, um die Wartezeit aufzuwerten, oder tröstend, wenn jemand ungeduldig wird.
Oft schwingt eine zweite, leicht ironische Bedeutung mit. Wenn der Urlaub verregnet ist oder das lang ersehnte Treffen enttäuscht, heißt es hinterher gern: „Na ja, Vorfreude ist die schönste Freude.“ Dann gesteht der Satz ein, dass die Vorstellung schöner war als die Wirklichkeit. Er ist umgangssprachlich und in allen Altersgruppen geläufig. Nach demselben Muster gebaut ist das boshaftere „Schadenfreude ist die schönste Freude“, das eine ganz andere Art von Freude meint.
Woher kommt „Vorfreude ist die schönste Freude“?
Woher das Sprichwort stammt, ist nicht belegt. In Wanders „Deutschem Sprichwörter-Lexikon“ (1867–1880) fehlt die heutige Form. In den Nachträgen zum Stichwort „Freude“ steht dort aber „Eine Freude erwarten, ist auch eine Freude“. Das DWDS nennt die heutige Fassung unter dem Stichwort „Vorfreude“ als sprichwörtlich, in der Bedeutungsangabe des Wörterbuchs der deutschen Gegenwartssprache von 1977, und auch der Duden führt es.
Der Gedanke selbst ist älter als die heutige Formulierung. In Lessings Lustspiel „Minna von Barnhelm“ (1767) sagt Minna zu Tellheim, der sich für sein Zuspätkommen entschuldigt: „Sie sind ja da! Und ein Vergnügen erwarten, ist auch ein Vergnügen“ (4. Akt, 6. Szene). Wanders Eintrag klingt fast wie ein Echo dieses Satzes. Lessing ist damit nicht der Urheber des Sprichworts, sein Satz zeigt aber, dass die Freude an der Erwartung schon im 18. Jahrhundert ein vertrauter Gedanke war. Ob „Vorfreude“ oder „Schadenfreude“ zuerst in die Formel „… ist die schönste Freude“ eingesetzt wurde, lässt sich nicht sagen.
Quellen
- Wander: Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Stichwort ‚Freude‘
- DWDS: Vorfreude
- Duden: Vorfreude
- Lessing: Minna von Barnhelm, 4. Akt, 6. Szene (Projekt Gutenberg)
Stand:
Beispiele aus dem Alltag
Noch 23 Tage bis Mallorca, und Selin hat schon die Badesachen gepackt. Ihr Kollege lacht: „Vorfreude ist die schönste Freude, was?“
Die Kinder fragen jeden Tag, wann endlich Weihnachten ist. Papa zeigt auf den Adventskalender: „Vorfreude ist die schönste Freude. Ein Türchen pro Tag.“
Monatelang hat sich Ben auf das Konzert gefreut, dann fällt die Hälfte der Songs dem Regen zum Opfer. Auf dem Heimweg sagt er seufzend: „Vorfreude ist halt die schönste Freude.“
Lustige Abwandlungen
Schadenfreude ist die schönste Freude
Spöttisches Gegenstück, oft mit dem Zusatz „denn sie kommt von Herzen“.
Häufige Fragen
Wer hat „Vorfreude ist die schönste Freude“ gesagt?
Ein Urheber ist nicht bekannt, das Sprichwort ist volkstümlich. Einen ähnlichen Gedanken formuliert Lessing 1767 in „Minna von Barnhelm“: „Und ein Vergnügen erwarten, ist auch ein Vergnügen.“
Wie sagt man „Vorfreude ist die schönste Freude“ auf Englisch?
Ein festes englisches Sprichwort gibt es nicht, und auch für das Wort „Vorfreude“ fehlt ein genaues Gegenstück. Man umschreibt es meist mit „anticipation“, etwa „The anticipation is half the fun“.
Ist Vorfreude wirklich die schönste Freude?
Das hängt von Mensch und Anlass ab. Das Sprichwort beschreibt eine verbreitete Erfahrung, kein Gesetz: Manchmal ist die Vorstellung schöner als das Erlebnis, manchmal übertrifft das Erlebnis alle Erwartungen.
Kurzer Test
Ganzes QuizWie geht das Sprichwort weiter?
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