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Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben

Kurz gesagt

Freu dich nicht zu früh: Erst wenn etwas wirklich vorbei ist, weißt du, ob es gut ausgeht.

Auf Englisch
Don’t count your chickens before they’re hatched
It ain’t over till it’s over
Auch gesagt
Lobe den Tag nicht vor dem Abend

Was bedeutet „Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben“?

Wer zu früh jubelt, kann sich blamieren. Ein Spiel ist erst nach dem Abpfiff gewonnen, ein Projekt erst nach der Abgabe fertig, ein Urlaub erst nach der Heimreise gelungen. Bis dahin kann noch einiges schiefgehen.

Meist ist der Satz eine Bremse für Übermütige, manchmal auch ein abergläubisches Klopfen auf Holz: bloß nichts beschreien. Im Sport ist er fast ein Pflichtsatz für Trainer, die nach einer Führung zur Halbzeit vor Leichtsinn warnen. Ironisch wird er, wenn jemand ihn vorsichtshalber sagt und danach alles glattläuft.

Woher kommt „Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben“?

Der Gedanke ist sehr alt. In der altnordischen Spruchdichtung „Hávamál“, überliefert in der Lieder-Edda des 13. Jahrhunderts, heißt es sinngemäß: Den Tag lobe am Abend, die Frau erst auf dem Scheiterhaufen, das Schwert, wenn es erprobt ist, das Eis, wenn man darüber gekommen ist, und das Bier, wenn es getrunken ist. Auch das Mittelhochdeutsche kennt die Fassung „Guoten tac man ze âbent loben sol“.

Die heutige Form hat Friedrich Schiller berühmt gemacht. In „Wallensteins Tod“ (1799, 5. Akt, 4. Auftritt) warnt Oberst Gordon den siegesgewissen Wallenstein: „Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben.“ Schiller nennt den Satz dabei selbst einen „alten Spruch“. Die bittere Pointe: Wallenstein wird noch in derselben Nacht ermordet.

Quellen

Stand:

Beispiele aus dem Alltag

  • Zur Halbzeit führt der TSV 3:0. In der Kabine sagt der Trainer nur: „Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben. Noch 45 Minuten.“

  • „Die Wohnung ist so gut wie unsere“, freut sich Jana nach der Besichtigung. Ihr Freund bleibt vorsichtig: „Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben. Erst wenn der Vertrag unterschrieben ist.“

  • Die Wetter-App versprach Sonne für die Gartenparty. Um fünf kam der Platzregen. Man soll den Tag eben nicht vor dem Abend loben.

Häufige Fragen

Von wem stammt „Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben“?

Das Sprichwort ist älter als jeder bekannte Autor. Berühmt wurde die heutige Form durch Schillers „Wallensteins Tod“ (1799), wo Gordon sie ausdrücklich als ‚alten Spruch‘ zitiert.

Steht der Spruch in der Edda?

Sinngemäß ja. In den „Hávamál“ heißt es, man solle den Tag am Abend loben, zusammen mit einer Reihe anderer Dinge, die man erst am Ende beurteilen kann.

Wie sagt man das auf Englisch?

Am gebräuchlichsten ist „Don’t count your chickens before they’re hatched“. Lockerer passt auch „It ain’t over till it’s over“.

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