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Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen

Kurz gesagt

Wem ein Missgeschick passiert, der wird obendrein auch noch ausgelacht.

Auf Englisch
To add insult to injury
Auch gesagt
Wer den Schaden hat, braucht für Spott nicht zu sorgen
Wer den Schaden hat, darf für den Spott nicht sorgen

Was bedeutet „Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen“?

„Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen“ beschreibt die Erfahrung, dass zum Pech oft noch der Hohn kommt. Wer vor versammelter Mannschaft über den eigenen Schnürsenkel stolpert, das Handy in den See fallen lässt oder sich als Einziger im Kostüm zur Party traut, hat den Schaden und bekommt die Witze gratis dazu. Gesagt wird das Sprichwort oft von den Lachenden selbst, halb entschuldigend, oder vom Betroffenen, der sein Missgeschick mit Galgenhumor nimmt.

Das Verb „sorgen“ ist hier im Sinn von „für etwas sorgen“, also „etwas besorgen“, gemeint: Um den Spott muss sich der Geschädigte nicht kümmern, den liefern die anderen frei Haus. Darin steckt eine bittere Ironie, denn eigentlich verdient, wer Pech hat, Mitgefühl. Der Satz beschönigt das nicht, er stellt es nüchtern fest. Böse gemeint ist er im Alltag selten. Bei echtem Unglück, etwa einem Unfall oder einer Kündigung, wirkt er allerdings taktlos.

Woher kommt „Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen“?

Das Sprichwort ist sehr alt. Schon in der mittelhochdeutschen Dichtung „Martina“ des Hugo von Langenstein aus dem 13. Jahrhundert heißt es, ein „altes sprichwort“ besage: „schade der het gerne spot“, der Schaden hat gern den Spott bei sich.

In der heutigen Form ist es seit dem 16. Jahrhundert belegt. Wander verzeichnet unter dem Stichwort „Schade“ die Fassung „Wer den Schaden hat, darf für den Spott nicht sorgen“ mit Belegen unter anderem bei Petri, Henisch und in Luthers Sprichwortsammlung und Tischreden. Der Fabeldichter Burkard Waldis reimte: „Wer schaden vnd den Vnfall hat, der darff nit sorgen für den Spot.“ „Darf“ hatte damals noch die alte Bedeutung „braucht“, so wie in Luthers Bibelübersetzung von 1545: „Die Starcken dürffen des Artztes nicht“ (Matthäus 9,12). Heute sagt man deshalb „braucht … nicht zu sorgen“. Wander erwähnt sogar eine komische Oper mit diesem Titel, die 1798 in Wien von Karl Friedrich Hensler herauskam.

Quellen

  • Wander: Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Stichwörter ‚Schade‘ und ‚Spott‘
  • DWDS: Spott

Stand:

Beispiele aus dem Alltag

  • Leonie rutscht beim Firmen-Bowling aus und landet auf dem Hosenboden. Noch bevor sie aufstehen kann, hat jemand ein Video in die Teamgruppe gestellt. „Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen“, seufzt sie.

  • Opa hat sich beim Angeln selbst den Haken in die Mütze geworfen. Seine Enkel kriegen sich vor Lachen kaum ein. „Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen“, brummt er.

  • Weil Marco den Schlüssel im Auto eingeschlossen hat, muss der Pannendienst kommen, und die Nachbarn schauen vom Balkon zu. „Na ja, wer den Schaden hat …“, sagt seine Frau.

Häufige Fragen

Wie ist „sorgen“ in diesem Sprichwort gemeint?

„Sorgen“ steht hier für „für etwas sorgen“, also sich um etwas kümmern. Der Geschädigte muss sich um den Spott nicht selbst bemühen, die anderen liefern ihn ungefragt dazu.

Wie sagt man „Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen“ auf Englisch?

Eine wörtliche Entsprechung gibt es nicht. Am nächsten kommt die Wendung „to add insult to injury“, also zur Verletzung noch die Kränkung hinzufügen.

Wie alt ist das Sprichwort?

Der Gedanke ist schon im 13. Jahrhundert als „altes sprichwort“ belegt. Die Form mit „Schaden“ und „Spott“ steht im 16. Jahrhundert unter anderem bei Burkard Waldis und in Luthers Sammlungen.

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