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Den Kopf in den Sand stecken

Kurz gesagt

Eine unangenehme Wahrheit oder drohende Gefahr nicht wahrhaben wollen und so tun, als gäbe es sie nicht.

Auf Englisch
to bury one’s head in the sand
to stick one’s head in the sand

Was bedeutet „Den Kopf in den Sand stecken“?

Wer den Kopf in den Sand steckt, verschließt die Augen vor einem Problem, statt sich ihm zu stellen. Die ungeöffneten Mahnungen auf dem Küchentisch, der Arzttermin, den man immer wieder verschiebt, die sinkenden Umsätze, über die in der Firma niemand spricht: Das sind typische Fälle. Die Wendung ist umgangssprachlich und fast immer kritisch gemeint. Häufig steht sie als Aufforderung in verneinter Form: „Jetzt bloß nicht den Kopf in den Sand stecken.“

Sie unterstellt keine Feigheit vor einem Gegner, sondern Verdrängung. Wer den Kopf in den Sand steckt, hofft, dass sich die Sache von selbst erledigt, wenn er nur nicht hinsieht. Aus dem Bild sind die Wörter „Vogel-Strauß-Politik“ und „Straußenpolitik“ entstanden, die vor allem in politischen Kommentaren für das Wegsehen vor offensichtlichen Problemen stehen. Nach einer Niederlage hat die Wendung oft eine mildere Färbung: Wer den Kopf nicht in den Sand stecken soll, soll nicht verzagen und weitermachen.

Woher kommt „Den Kopf in den Sand stecken“?

Die Wendung beruht auf einem alten Irrtum über den Vogel Strauß. Schon in der Antike erzählte man, der Strauß verstecke sich bei Gefahr, indem er den Kopf verberge, und glaube, damit unsichtbar zu sein. Plinius der Ältere schreibt im zehnten Buch seiner „Naturgeschichte“, die Strauße hielten sich für versteckt, sobald sie Kopf und Hals in einem Gebüsch verborgen hätten. Vom Sand ist bei ihm noch keine Rede.

Tatsächlich tun Strauße das nicht. Der Eindruck entsteht, wenn sie mit gesenktem Kopf am Boden picken, ihre Eier in der Bodenmulde wenden oder sich bei Gefahr flach auf das Nest drücken. Aus der Ferne scheint der Kopf dann zu verschwinden. Im Deutschen ist die Redensart nach Küppers Wörterbuch der deutschen Umgangssprache seit dem 19. Jahrhundert verbreitet. Der Zeichner Adolf Oberländer karikierte 1877 die „Vogel-Strauß-Politik“.

Beispiele aus dem Alltag

  • Seit Wochen liegt der Brief vom Finanzamt ungeöffnet im Flur. „Den Kopf in den Sand zu stecken, hilft dir nicht“, sagt Mareike und reicht Jonas den Brieföffner.

  • Der Kassenwart des Kleingartenvereins legt die Zahlen vor: Die Rücklagen sind fast aufgebraucht. „Wir dürfen jetzt nicht den Kopf in den Sand stecken“, sagt die Vorsitzende.

  • Nach dem 0:4 sitzt Emil geknickt in der Kabine. Sein Trainer setzt sich neben ihn: „Steck jetzt nicht den Kopf in den Sand. Samstag ist das nächste Spiel.“

Lustige Abwandlungen

  • Wer heute den Kopf in den Sand steckt, knirscht morgen mit den Zähnen

    Verbreiteter Spruch unbekannter Herkunft.

  • Wir dürfen jetzt nur nicht den Sand in den Kopf stecken!

    Lothar Matthäus zugeschriebener Versprecher, auch im Film „(T)Raumschiff Surprise“ (2004).

Mehr verdrehte Sprichwörter

Häufige Fragen

Stecken Strauße wirklich den Kopf in den Sand?

Strauße stecken ihren Kopf nicht in den Sand, um sich zu verstecken. Der Eindruck entsteht, wenn sie am Boden picken, ihre Eier wenden oder sich flach auf das Nest drücken.

Was ist Vogel-Strauß-Politik?

Vogel-Strauß-Politik nennt man ein Verhalten, bei dem Verantwortliche ein offensichtliches Problem übergehen und hoffen, dass es von selbst verschwindet. Das Wort ist aus der Redewendung „den Kopf in den Sand stecken“ abgeleitet.

Wie sagt man „den Kopf in den Sand stecken“ auf Englisch?

Auf Englisch heißt es „to bury one’s head in the sand“. Auch dort steht der Strauß hinter dem Bild.

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