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Ein Wort gibt das andere

Kurz gesagt

Rede und Gegenrede schaukeln sich gegenseitig hoch, bis aus einem harmlosen Wortwechsel ein Streit geworden ist.

Auf Englisch
One word led to another
Auch gesagt
Ein Wort gab das andere

Was bedeutet „Ein Wort gibt das andere“?

„Ein Wort gibt das andere“ heißt: Rede und Gegenrede werden immer heftiger, bis aus einem Gespräch ein Streit entsteht. So erklärt es auch der Duden. Meist steht der Satz in der Vergangenheit und erzählt, wie es zum Krach kam: „Ein Wort gab das andere, und am Ende knallte die Tür.“ Typisch ist er in Polizeimeldungen über Streit vor einer Kneipe, in Schilderungen von Nachbarschaftsärger um Hecke und Mülltonnen oder nach einem Familienessen, bei dem eine spitze Bemerkung zur nächsten führte.

Der Satz hat etwas Entlastendes: Niemand scheint angefangen zu haben, die Worte haben sich gleichsam selbst vermehrt. Deshalb benutzen ihn gern Beteiligte, die ihren Anteil kleinreden wollen, und Berichterstatter, die keine Schuld zuweisen möchten. Oft folgt eine Steigerung, bis hin zu Handgreiflichkeiten. In älterer Sprache konnte die Wendung auch ganz friedlich ein Gespräch meinen, das sich lebhaft von selbst fortspinnt. Diese Bedeutung ist heute selten, man versteht den Satz fast immer als Auftakt zu einem Streit.

Woher kommt „Ein Wort gibt das andere“?

Die Wendung ist alt. Grimms „Deutsches Wörterbuch“ verzeichnet sie unter „Wort“ und nennt als ältere Formen „ein wort bringt das andere“ und „ein wort reizt das andere“. In der frühen deutschen Übersetzung von Boccaccios „Decameron“, die unter dem Namen Arigo überliefert ist, kommt ein junger Mönch mit einem Mädchen ins Gespräch, „ein wort daz ander pracht“, und am Ende werden die beiden einig. Das Wörterbuch des Johannes Frisius (1556) übersetzt das lateinische „vox elicit vocem“ mit „ein wort reitzt das ander“. Wander führt „Ein Wort gibt (holet) das andre“ mit Belegen seit dem frühen 16. Jahrhundert an.

Ursprünglich konnte die Wendung also einfach ein Gespräch beschreiben, in dem eins zum anderen führt. Ein plattdeutsches Wörterbuch von 1781 erklärt „een woord gav dat ander“ mit: Die Unterredung währte lange. Die heute vorherrschende Bedeutung belegt Joachim Heinrich Campe 1811: „ein Streitwort gab oder veranlasste das andere“. Wander verzeichnet dazu die Fortsetzung „Ein Wort gibt das andere, bis es kommt zum Keilen“, also bis zur Prügelei. In den Mundarten, etwa im Schwäbischen und Elsässischen, heißt die Wendung ebenfalls: Dadurch entstand Streit.

Beispiele aus dem Alltag

  • Herr Nowak wollte nur wegen der überhängenden Hecke klingeln. „Ein Wort gab das andere“, erzählt er später, „und jetzt grüßen wir uns nicht mal mehr.“

  • Die Polizeisprecherin berichtet über die Nacht in der Altstadt: „Es ging um einen Parkplatz. Ein Wort gab das andere, dann kam es zu Handgreiflichkeiten.“

  • Beim Sonntagsessen fragt Tante Ilse, wann Leonie endlich einen ‚richtigen‘ Beruf lernt. Ihre Mutter seufzt hinterher: „Du kennst das ja. Ein Wort gibt das andere, und schon ist der Nachtisch vergessen.“

Lustige Abwandlungen

  • Ein Wort gibt das andere, sagte der Mann; sag’ ich mein Engel, so sagt sie mein Schatz, sag’ ich dumme Gans, so sagt sie du Flegel und grober Hans

    Sagwort, von Wander verzeichnet.

Mehr verdrehte Sprichwörter

Häufige Fragen

Heißt es „Ein Wort gibt das andere“ oder „Ein Wort gab das andere“?

Beides ist richtig, der Duden führt „ein Wort gibt/gab das andere“. Weil man meist im Nachhinein erzählt, wie ein Streit entstanden ist, hört man die Vergangenheitsform „Ein Wort gab das andere“ besonders oft.

Woher kommt „Ein Wort gibt das andere“?

„Ein Wort gibt das andere“ ist seit dem 15. und 16. Jahrhundert belegt, auch in den Formen „ein wort bringt das ander“ und „ein wort reizt das ander“. Anfangs konnte es ein lebhaftes Gespräch meinen, die heute übliche Bedeutung „es kam zum Streit“ belegt Campe 1811.

Wie sagt man „Ein Wort gibt das andere“ auf Englisch?

Im Englischen sagt man „One word led to another“, ebenfalls meist im Rückblick auf einen Streit. Die Bedeutung deckt sich mit der deutschen Wendung.

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