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Wie du mir, so ich dir

Kurz gesagt

Ich behandle dich so, wie du mich behandelt hast: Gutes wird mit Gutem, Schlechtes mit Schlechtem vergolten.

Auf Englisch
Tit for tat
One good turn deserves another

Was bedeutet „Wie du mir, so ich dir“?

„Wie du mir, so ich dir“ beschreibt den Grundsatz der Gegenseitigkeit: Ich verhalte mich dir gegenüber so, wie du dich mir gegenüber verhalten hast. Meist ist das als Revanche für etwas Unangenehmes gemeint. Die Schwester, die nie beim Abwasch hilft, bekommt auch keine Hilfe beim Umzug; der Kollege, der Informationen zurückhält, wird beim nächsten Projekt ebenso übergangen. Der Ton reicht von trotzig über kühl bis scherzhaft, je nachdem, ob es um eine echte Kränkung oder um eine stibitzte Pommes geht.

Der Satz kann aber auch freundlich gemeint sein: Wer mir hilft, dem helfe ich. In diesem Sinn beschreibt die Spieltheorie mit der Strategie „Tit for Tat“ eine erfolgreiche Form der Zusammenarbeit, bei der man freundlich beginnt und danach das Verhalten des anderen spiegelt. Im Alltag überwiegt trotzdem der Klang der Vergeltung. Wer „Wie du mir, so ich dir“ sagt, rechtfertigt damit oft eine kleine Gemeinheit, bevor er sie begeht.

Woher kommt „Wie du mir, so ich dir“?

Das Sprichwort fasst einen uralten Gedanken in fünf Wörter. Wann genau diese knappe Form entstand, ist nicht sicher belegt. Grimms Wörterbuch verzeichnet unter „vergelten“ zahlreiche ältere Wendungen für dieselbe Idee, etwa bei Burkard Waldis im 16. Jahrhundert: „das man das gut mit gut / vergelten und bezalen thut“.

Die Bibel kennt die Haltung, warnt aber davor. In den Sprüchen heißt es: „Sprich nicht: »Wie einer mir tut, so will ich ihm auch tun und einem jeglichen sein Tun vergelten.«“ (Sprüche 24,29, Lutherbibel 2017). Paulus mahnt im Römerbrief: „Vergeltet niemandem Böses mit Bösem“ (Römer 12,17). Das DWDS verweist bei „Wie du mir, so ich dir“ auf „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ und auf „jemandem etwas mit gleicher Münze heimzahlen“, die denselben Grundsatz ausdrücken.

Beispiele aus dem Alltag

  • Ella hat ihrer Mitbewohnerin dreimal den Joghurt weggegessen. Am Freitag fehlt ihr eigenes Stück Kuchen im Kühlschrank, daneben klebt ein Zettel: „Wie du mir, so ich dir.“

  • Weil das Nachbardorf nicht zum Feuerwehrfest gekommen ist, will der Vorstand die Einladung zum Maibaumaufstellen absagen. Der Kommandant schüttelt den Kopf: „Wie du mir, so ich dir? Damit schaukeln wir uns nur hoch.“

  • Im Doppel lobt Svenja jeden guten Schlag ihrer Partnerin, und die macht es genauso. „Wie du mir, so ich dir“, lacht der Trainer, „so funktioniert ein Team.“

Häufige Fragen

Steht „Wie du mir, so ich dir“ in der Bibel?

Nicht in diesem Wortlaut. Die Haltung wird in Sprüche 24,29 sogar ausdrücklich abgelehnt: „Sprich nicht: ‚Wie einer mir tut, so will ich ihm auch tun.‘“

Kann „Wie du mir, so ich dir“ auch positiv gemeint sein?

Ja. Der Satz beschreibt Gegenseitigkeit in beide Richtungen, also auch: Wer mir hilft, dem helfe ich. Im Alltag wird er aber häufiger für eine Revanche benutzt.

Wie sagt man „Wie du mir, so ich dir“ auf Englisch?

Die gängige Entsprechung ist „tit for tat“. Für die freundliche Seite der Gegenseitigkeit sagt man „One good turn deserves another“.

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