Zum Inhalt springen

Auge um Auge, Zahn um Zahn

Kurz gesagt

Wer anderen schadet, soll Gleiches zurückbekommen: der Grundsatz der genau abgemessenen Vergeltung.

Auf Englisch
An eye for an eye, a tooth for a tooth
Auch gesagt
Auge für Auge, Zahn für Zahn

Was bedeutet „Auge um Auge, Zahn um Zahn“?

„Auge um Auge, Zahn um Zahn“ steht für das Prinzip, Unrecht mit gleichem Unrecht zu vergelten. Man zitiert den Satz in Debatten über Strafe, Rache und Selbstjustiz, über Kriege und Sanktionen, aber auch im Kleinen, wenn Geschwister oder Nachbarn sich gegenseitig eins auswischen. Meist ist er kritisch gemeint, als Kennzeichen einer Haltung, die Konflikte endlos weiterdreht. Gelegentlich wird er trotzig zustimmend gebraucht, wenn jemand findet, ein Täter solle genau das erleiden, was er angerichtet hat. Der Ton ist ernst und hat einen biblischen Klang.

Im heutigen Gebrauch versteht man den Satz fast immer als Aufruf zur Rache. Ursprünglich war er eher das Gegenteil, eine Begrenzung: Wer ein Auge verloren hat, darf nicht das Leben des Täters fordern, sondern höchstens den gleichwertigen Ausgleich. Die jüdische Auslegung versteht die Formel zudem als Pflicht zum Schadensersatz, nicht als Körperstrafe. Wer sie als Beweis für einen „rachsüchtigen Gott des Alten Testaments“ zitiert, wiederholt ein altes, antijüdisch gefärbtes Missverständnis.

Woher kommt „Auge um Auge, Zahn um Zahn“?

Die Formel steht dreimal in den Gesetzen des Alten Testaments. In 2. Mose 21,23–24 heißt es: „Entsteht ein dauernder Schaden, so sollst du geben Leben um Leben, Auge um Auge, Zahn um Zahn, Hand um Hand, Fuß um Fuß“ (Lutherbibel 2017), ähnlich in 3. Mose 24,20 und 5. Mose 19,21. Juristen nennen den Grundsatz Talion, nach lateinisch „talis“, so beschaffen. Vergleichbare Regeln kennt schon der babylonische Codex Hammurapi aus dem 18. Jahrhundert vor Christus.

Das hebräische Wort, das Luther mit „um“ wiedergibt, bedeutet eigentlich „anstelle von“. Die rabbinische Auslegung in Mischna und Talmud verstand die Formel deshalb als Geldersatz. Sprichwörtlich wurde der Satz im Deutschen vor allem durch die Bergpredigt: „Ihr habt gehört, dass gesagt ist: »Auge um Auge, Zahn um Zahn.«“ (Matthäus 5,38). Jesus setzt dem den Verzicht auf Vergeltung entgegen und rät, auch die andere Wange hinzuhalten.

Beispiele aus dem Alltag

  • Ben hat das Fahrrad seines Bruders zerkratzt, am nächsten Tag ist sein Ladekabel verschwunden. Die Mutter stöhnt: „Auge um Auge, Zahn um Zahn? So kommen wir hier nie zur Ruhe.“

  • Im Ethikunterricht diskutiert die Klasse über Strafen. „Auge um Auge, Zahn um Zahn“, sagt Tim. Die Lehrerin fragt zurück: „Weißt du, was der Satz in der Bibel eigentlich begrenzen sollte?“

  • Nach dem Foul an seinem Mitspieler will Deniz sofort zurücktreten. Der Kapitän hält ihn fest: „Lass das. Auge um Auge, Zahn um Zahn, und am Ende stehen wir mit neun Mann da.“

Häufige Fragen

Wo steht „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ in der Bibel?

Im Alten Testament in 2. Mose 21,24, 3. Mose 24,20 und 5. Mose 19,21. Im Neuen Testament zitiert Jesus den Satz in der Bergpredigt (Matthäus 5,38) und stellt ihm den Verzicht auf Vergeltung gegenüber.

Ist „Auge um Auge“ ein Aufruf zur Rache?

Ursprünglich nicht. Die Regel sollte Rache begrenzen: Kein Schaden darf mit mehr als dem Gleichwertigen vergolten werden. Die jüdische Auslegung verstand sie zudem als Pflicht zum Schadensersatz.

Was ist das Gegenteil von „Auge um Auge, Zahn um Zahn“?

Als Gegenbild gilt der Rat aus der Bergpredigt, auch die andere Wange hinzuhalten, also auf Vergeltung zu verzichten. Im Alltag sagt man auch „Der Klügere gibt nach“.

Wie heißt „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ auf Englisch?

Auf Englisch heißt es „An eye for an eye, a tooth for a tooth“. Oft wird nur die erste Hälfte zitiert: „an eye for an eye“.

Kurzer Test

Ganzes Quiz

Wie geht das Sprichwort weiter?

Angriff ist …

Ähnliche Sprichwörter

Alle zu Streit und Konflikt
↑↓auswählen↵öffnen