Morgen ist auch noch ein Tag
Kurz gesagt
Was heute nicht mehr klappt oder nicht mehr zu schaffen ist, kann bis morgen warten; oft als Trost, manchmal als bequeme Ausrede gesagt.
- Auf Englisch
- Tomorrow is another day
- Auch gesagt
- Morgen ist auch ein Tag
- Morgen ist auch wieder ein Tag
Was bedeutet „Morgen ist auch noch ein Tag“?
„Morgen ist auch noch ein Tag“ heißt: Was heute nicht fertig wird, lässt sich auf morgen verschieben, ohne dass die Welt untergeht. Man sagt den Satz am späten Abend vor dem halb aufgeräumten Keller, nach einem langen Arbeitstag mit vollem Postfach oder wenn ein Plan gründlich schiefgegangen ist und man es morgen noch einmal versuchen will. DWDS beschreibt den Gebrauch treffend: als Ausrede, zur Beruhigung, zur Beschwichtigung oder um etwas kleinzureden.
Der Ton hängt ganz von der Lage ab. Tröstend klingt der Satz, wenn jemand erschöpft oder enttäuscht ist und Abstand braucht, und so steht er für Gelassenheit und Zuversicht. Bequem klingt er, wenn jemand Lästiges schon zum dritten Mal vertagt. Dann widersprechen ihm Sprichwörter wie „Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen“ oder spöttisch „Morgen, morgen, nur nicht heute, sagen alle faulen Leute“. Vielen ist der Satz außerdem als Schlusswort aus „Vom Winde verweht“ vertraut.
Woher kommt „Morgen ist auch noch ein Tag“?
Oft wird der Satz Scarlett O’Hara zugeschrieben, die in Margaret Mitchells Roman „Vom Winde verweht“ (1936) am Ende trotzig sagt: „Tomorrow is another day.“ Roman und Film (1939) haben den Satz berühmt gemacht, erfunden haben sie ihn im Deutschen aber nicht. Das Grimmsche Wörterbuch belegt die Formel unter „morgen“ schon für das 16. bis 18. Jahrhundert.
In Kaspar Scheidts „Grobianus“ von 1551, einer Satire, die zum Spaß schlechte Manieren empfiehlt, empfiehlt das Buch, abends das Geschirr einfach stehen zu lassen: „lasz alle ding auf der tafel stehn … es kompt doch morgen auch ein tag.“ Der Liederdichter Paul Gerhardt tröstet im 17. Jahrhundert mit „ist doch morgen auch ein tag, da die wohlfahrt kommen mag“, Wieland und Gottfried August Bürger verwenden die Formel im 18. Jahrhundert, Bürger schon im heutigen Wortlaut. Simrock nimmt „Morgen ist auch noch ein Tag“ 1846 in seine Sprichwörtersammlung auf, Wander verzeichnet „Morgen ist auch wieder ein Tag“ und erklärt, damit rechtfertige man das Verschieben einer Arbeit vor dem, der sie sofort erledigt haben will. Die beiden Seiten des Satzes, Trost und Bequemlichkeit, zeigen sich also schon in den frühen Belegen.
Beispiele aus dem Alltag
Um elf Uhr abends sitzt Aylin noch über der Steuererklärung. Ihr Freund klappt den Laptop zu: „Morgen ist auch noch ein Tag.“
Das Team hat das Pokalspiel im Elfmeterschießen verloren. In der Kabine sagt Trainerin Kowalski: „Kopf hoch. Morgen ist auch noch ein Tag, und Samstag ist das nächste Spiel.“
„Hast du die Garage schon ausgemistet?“, fragt Frau Lehmann. Ihr Mann lehnt sich im Liegestuhl zurück: „Morgen ist auch noch ein Tag.“
Lustige Abwandlungen
Morgen ist auch wieder ein Tag, an dem nichts geschafft ist
Scherzhafte Erweiterung aus Oberschwaben, von Wander verzeichnet.
Es wird morgen wieder Tag, sagt der Faulenzer
Sagwort aus der Schweiz, von Wander verzeichnet.
Häufige Fragen
Stammt „Morgen ist auch noch ein Tag“ aus „Vom Winde verweht“?
Nein. Scarlett O’Haras „Tomorrow is another day“ aus Margaret Mitchells Roman von 1936 hat den Satz zwar bekannter gemacht, im Deutschen ist „Morgen ist auch noch ein Tag“ aber Jahrhunderte älter. Das Grimmsche Wörterbuch belegt Vorformen schon im 16. Jahrhundert.
Ist „Morgen ist auch noch ein Tag“ eine Ausrede?
Das kommt auf die Lage an. Wer erschöpft ist, tut gut daran, Dinge auf morgen zu verschieben. Wer „Morgen ist auch noch ein Tag“ dagegen bei jeder lästigen Aufgabe sagt, schiebt nur auf.
Wie sagt man „Morgen ist auch noch ein Tag“ auf Englisch?
Die Entsprechung ist „Tomorrow is another day“, berühmt als letzter Satz von Scarlett O’Hara in „Gone with the Wind“.
Kurzer Test
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