Zum Inhalt springen

Morgen, morgen, nur nicht heute, sagen alle faulen Leute

Kurz gesagt

Spott über Menschen, die Unangenehmes ständig auf morgen verschieben, statt es gleich zu erledigen.

Auf Englisch
Procrastination is the thief of time
Auch gesagt
Morgen, morgen, nur nicht heute, sprechen alle trägen Leute
Morgen, morgen, nur nicht heute

Was bedeutet „Morgen, morgen, nur nicht heute, sagen alle faulen Leute“?

„Morgen, morgen, nur nicht heute, sagen alle faulen Leute“ spottet über das ewige Aufschieben. Wer immer „morgen“ sagt, wenn es ums Aufräumen, Lernen oder einen unangenehmen Anruf geht, bekommt diesen Reim zu hören, meist von Eltern, Großeltern oder Lehrkräften, aber auch unter Freunden und Kollegen. Der Ton ist neckend und ein wenig altväterlich, der Singsang nimmt dem Vorwurf die Schärfe. Oft wird nur die erste Hälfte zitiert, „Morgen, morgen, nur nicht heute“, den Rest ergänzt jeder im Kopf.

Der Reim richtet sich gegen eine Haltung, nicht gegen jede einzelne Verschiebung. Wer etwas aus gutem Grund vertagt, ist nicht faul. Gemeint ist das Muster, bei dem das versprochene Morgen nie kommt. Heute spricht man dafür eher von Prokrastination und sieht dahinter nicht immer Faulheit, sondern oft Überforderung oder Angst vor der Aufgabe. Das Sprichwort kennt solche Feinheiten nicht, es setzt auf schnellen Spott. Es ist gewissermaßen der Kommentar zu „Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen“, wenn dieser Rat nicht befolgt wird.

Woher kommt „Morgen, morgen, nur nicht heute, sagen alle faulen Leute“?

Der Reim geht auf ein Gedicht zurück. Wander verzeichnet die Form „Morgen, morgen, nur nicht heute, sprechen alle trägen Leute“ und gibt als Quelle das Gedicht „Der Aufschub“ von Christian Felix Weiße (1726–1804) an, einem Leipziger Dichter, der unter anderem Lieder für Kinder schrieb. Die Zeile stehe dort am Anfang der ersten und der dritten Strophe. Im Volksmund wurden aus den „trägen“ später die „faulen“ Leute.

Der Gedanke selbst ist viel älter. Wander zitiert zum Vergleich Sebastian Brants „Narrenschiff“ (1494), in dem viele Narren verloren gehen, die allzeit „morn, morn, morn“ singen, also „morgen, morgen, morgen“.

Quellen

  • Wander: Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Stichwort ‚Morgen‘

Stand:

Beispiele aus dem Alltag

  • Seit Tagen liegt der Wäscheberg vor Finns Bett. Als er wieder „Mach ich morgen“ ruft, singt seine Schwester: „Morgen, morgen, nur nicht heute, sagen alle faulen Leute.“

  • Die Hausarbeit ist in einer Woche fällig, Selin hat noch keine Zeile geschrieben. Ihre Mitbewohnerin klebt einen Zettel an den Kühlschrank: „Morgen, morgen, nur nicht heute …“

  • „Den Zaun streiche ich nächstes Wochenende“, verspricht Herr Krause zum vierten Mal. Seine Nachbarin lächelt: „Morgen, morgen, nur nicht heute, sagen alle faulen Leute.“

Häufige Fragen

Von wem stammt „Morgen, morgen, nur nicht heute“?

Der Reim geht auf das Gedicht „Der Aufschub“ von Christian Felix Weiße zurück, einem Dichter des 18. Jahrhunderts. Dort hieß es noch „sprechen alle trägen Leute“.

Wie geht „Morgen, morgen, nur nicht heute“ weiter?

Vollständig lautet der Spruch „Morgen, morgen, nur nicht heute, sagen alle faulen Leute“. Ältere Fassungen haben „sprechen“ statt „sagen“ und „trägen“ statt „faulen“.

Was ist der Unterschied zu „Was du heute kannst besorgen“?

„Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen“ ist ein Rat. „Morgen, morgen, nur nicht heute“ ist der spöttische Kommentar, wenn jemand diesen Rat nicht befolgt.

Wie sagt man das auf Englisch?

Einen gleichartigen Reim gibt es nicht. Sinngemäß passt „Procrastination is the thief of time“, also: Aufschieben stiehlt einem die Zeit.

Kurzer Test

Ganzes Quiz

Wie geht das Sprichwort weiter?

Morgenstund hat …

Ähnliche Sprichwörter

Alle zu Arbeit und Fleiß
↑↓auswählen↵öffnen