Müßiggang ist aller Laster Anfang
Kurz gesagt
Wer nichts zu tun hat, kommt leicht auf dumme Gedanken und gerät auf Abwege.
- Auf Englisch
- Idle hands are the devil’s workshop
- Idleness is the root of all evil
Was bedeutet „Müßiggang ist aller Laster Anfang“?
„Müßiggang ist aller Laster Anfang“ besagt, dass Untätigkeit zu schlechten Gewohnheiten und Fehltritten führt. Wer lange nichts zu tun hat, so der Gedanke, langweilt sich und kommt auf dumme Ideen: zu viel trinken, zu viel ausgeben, Streit suchen, Unfug anstellen. Der Satz klingt gehoben und etwas altmodisch, „Müßiggang“ und „Laster“ sind Wörter, die man sonst kaum noch benutzt. Gerade deshalb wird er heute oft halb ironisch zitiert, etwa wenn Kinder in den Sommerferien auf seltsame Einfälle kommen oder sich jemand im Urlaub aus Langeweile durch die Minibar arbeitet.
Ernst gemeint steht dahinter eine Arbeitsethik, die der Ruhe misstraut. Dagegen gibt es längst Widerspruch: Muße, also freie, selbstbestimmte Zeit, gilt vielen als Voraussetzung für Erholung und gute Einfälle. Müßiggang im Sinne des Sprichworts meint aber nicht die Pause nach getaner Arbeit, sondern das dauerhafte Nichtstun. Wander verzeichnet eine bissige Erweiterung, die den Abstand zwischen Predigt und Praxis aufspießt: „Müssiggang ist aller Laster Anfang, sagte der Mönch, und ritt spazieren.“
Woher kommt „Müßiggang ist aller Laster Anfang“?
Der Gedanke findet sich schon in der Bibel. Im Buch Jesus Sirach heißt es über den Umgang mit einem Knecht: „Treibe ihn zur Arbeit an, dass er nicht müßig gehe; denn Müßiggang lehrt viel Bosheit“ (Sirach 33,28, Lutherbibel 2017). Wander stellt dem Sprichwort außerdem Verse römischer Dichter wie Ovid und Lukan an die Seite und nennt Entsprechungen in vielen europäischen Sprachen.
Die heutige deutsche Form ist seit dem frühen 17. Jahrhundert belegt. Sie steht in den Sammlungen von Friedrich Petri („Der Teutschen Weißheit“, 1604/05) und Christoph Lehmann (1630), teils mit dem Zusatz „vnd dess Teuffels ruhbanck“, also: und des Teufels Ruhebank. Französisch heißt es entsprechend „L’oisiveté est la mère de tous les vices“, der Müßiggang ist die Mutter aller Laster.
Quellen
- Lutherbibel 2017: Sirach 33,28
- Wander: Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Stichwort ‚Müssiggang‘
Stand:
Beispiele aus dem Alltag
Nach zwei Wochen Sommerferien haben Jonas und sein Kumpel aus Langeweile den Gartenschlauch zur Wasserkanone umgebaut. Oma seufzt: „Müßiggang ist aller Laster Anfang.“
Kaum im Ruhestand, meldet sich Herr Yilmaz in drei Vereinen an. „Müßiggang ist aller Laster Anfang“, sagt er grinsend. „Da gehe ich lieber zum Chor.“
Seit die Uni-Bibliothek wegen Umbaus geschlossen ist, liegt Leonie nur noch auf dem Sofa und bestellt Essen. „Müßiggang ist aller Laster Anfang“, schreibt sie ihrer Freundin und schickt ein Foto vom Pizzakarton.
Häufige Fragen
Was bedeutet „Müßiggang“?
Müßiggang ist ein altes Wort für Untätigkeit, also das Nichtstun aus Bequemlichkeit. Es ist verwandt mit „Muße“, das heute aber positiv für freie, ruhige Zeit steht.
Steht „Müßiggang ist aller Laster Anfang“ in der Bibel?
Wörtlich nicht. Der Gedanke steht aber im Buch Jesus Sirach 33,28: „denn Müßiggang lehrt viel Bosheit“. Die sprichwörtliche Form ist seit dem 17. Jahrhundert belegt.
Wie sagt man „Müßiggang ist aller Laster Anfang“ auf Englisch?
Üblich ist „Idle hands are the devil’s workshop“, also: Untätige Hände sind die Werkstatt des Teufels. Daneben gibt es „Idleness is the root of all evil“.
Kurzer Test
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