Handwerk hat goldenen Boden
Kurz gesagt
Ein gelerntes Handwerk sichert ein verlässliches Auskommen, weil gute Handwerker immer gebraucht werden.
- Auf Englisch
- He that hath a trade hath an estate
- Auch gesagt
- Handwerk hat einen goldenen Boden
Was bedeutet „Handwerk hat goldenen Boden“?
„Handwerk hat goldenen Boden“ heißt: Wer ein Handwerk gelernt hat und es ordentlich betreibt, hat eine sichere Lebensgrundlage, denn Bäckerinnen, Elektriker, Dachdecker und Installateurinnen werden immer gebraucht. Das Sprichwort wird gern Jugendlichen gesagt, die zwischen Ausbildung und Studium schwanken, und es taucht in Debatten über Fachkräftemangel und volle Auftragsbücher auf. Der Ton ist anerkennend, oft mit einem Seitenblick auf Berufe, die mehr Ansehen, aber weniger Sicherheit versprechen. Wer lange auf einen Handwerkertermin wartet, zitiert es auch mal mit einem Seufzer.
Ganz so golden war der Boden nicht immer. Wander verzeichnet im 19. Jahrhundert bissige Fortsetzungen wie „Handwerk hat einen goldenen Boden, sagte der Weber, als die Sonne in den leeren Brotschrank schien“. Sie spotten über Handwerke, die ihre Leute kaum ernährten. Das Sprichwort beschreibt also eher einen Grundsatz als eine Garantie. In seiner Grundform verspricht es keinen Reichtum, sondern Beständigkeit: Ein gutes Handwerk ernährt den, der es versteht.
Woher kommt „Handwerk hat goldenen Boden“?
Das Sprichwort ist seit dem 16. Jahrhundert belegt. Johannes Agricola nimmt „Ein handtwerck hat einen guldin boden“ in seine Sammlung deutscher Sprichwörter auf, kurz darauf folgen Sebastian Franck und viele spätere Sammler. Wander führt in seinem Lexikon eine lange Liste solcher Fundstellen an, dazu Entsprechungen im Niederländischen, Dänischen und Ungarischen.
Mit „Boden“ ist der Grund gemeint, auf dem etwas ruht. Grimms Wörterbuch ordnet das Sprichwort unter die Belege ein, in denen Boden „weniger die oberfläche und mehr das innere“ bezeichnet, also den Untergrund. Das Handwerk steht demnach auf goldenem Grund, es trägt seinen Mann oder seine Frau. Eine lateinische Fassung bei Wander ergänzt nüchtern, man müsse diesen goldenen Grund allerdings mit nächtlichem Lernen und täglicher Arbeit suchen.
Quellen
- Wander: Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Stichwort ‚Handwerk‘
- Grimm: Deutsches Wörterbuch, Stichwort ‚Boden‘
- Grimm: Deutsches Wörterbuch, Stichwort ‚Handwerk‘
- Deutsche Handwerks Zeitung: 7 Sprichwörter aus dem Handwerk und ihre Bedeutung
Stand:
Beispiele aus dem Alltag
Ben hat keine Lust auf ein Studium und will Zimmermann werden. Sein Onkel klopft ihm auf die Schulter: „Handwerk hat goldenen Boden. Gute Leute werden überall gesucht.“
Bei der Berufsorientierung in der neunten Klasse sagt die Lehrerin: „Schaut euch auch die Ausbildungsberufe an. Handwerk hat goldenen Boden.“
Mia wartet seit drei Wochen auf den Heizungsmonteur. „Handwerk hat wirklich goldenen Boden“, seufzt sie am Telefon. „Die können sich die Kunden aussuchen.“
Lustige Abwandlungen
Handwerk hat goldenen Boden, sprach der Weber, da schien ihm die Sonne in den leeren Brotbeutel
Spöttisches Sagwort über die Armut kleiner Handwerker.
Häufige Fragen
Was bedeutet „goldener Boden“?
Mit Boden ist der Grund gemeint, auf dem etwas steht. Ein goldener Boden ist eine sichere, kostbare Grundlage: Wer ein Handwerk kann, steht auf einem Grund, der ihn ernährt.
Heißt es „Handwerk hat goldenen Boden“ oder „einen goldenen Boden“?
Beides kommt vor. Die ältere Form hat den Artikel, etwa „Ein handtwerck hat einen guldin boden“ bei Agricola, heute ist die kürzere Fassung ohne „einen“ sehr verbreitet.
Wie alt ist „Handwerk hat goldenen Boden“?
Das Sprichwort ist seit dem 16. Jahrhundert belegt, unter anderem in der Sprichwortsammlung von Johannes Agricola.
Wie sagt man das auf Englisch?
Eine ältere englische Entsprechung lautet „He that hath a trade hath an estate“, also: Wer ein Handwerk hat, hat ein Vermögen.
Kurzer Test
Ganzes QuizWie geht das Sprichwort weiter?
Schaffe, schaffe, …