Blau sein
Kurz gesagt
Umgangssprachlich für betrunken sein, meist mit einem gutmütigen, wenig dramatischen Unterton.
- Auf Englisch
- To be plastered
- To be hammered
- To be wasted
- Auch gesagt
- Blau wie ein Veilchen sein
- Blau wie eine Strandhaubitze sein
- Sternhagelblau sein
Was bedeutet „Blau sein“?
Wer blau ist, ist betrunken. Die Wendung ist umgangssprachlich und eher gutmütig als abwertend: „Auf der Hochzeit war Onkel Herbert ganz schön blau“ klingt nach Feier und Kater, nicht nach Krankheit oder Skandal. Steigern lässt sie sich mit Vergleichen wie „blau wie ein Veilchen“ oder „blau wie eine Strandhaubitze“, beides für völlig betrunken, oder mit „sternhagelblau“.
Gemeint ist ein vorübergehender Zustand nach einem bestimmten Abend, keine Alkoholkrankheit. Über Menschen mit einem echten Alkoholproblem wirkt das Wort deshalb verharmlosend. Grammatisch steht „blau“ in dieser Bedeutung fast nur nach „sein“ oder „werden“ („er ist blau“, „sie wurden schnell blau“), einen „blauen Gast“ würde kaum jemand als betrunken verstehen. Mit „blaumachen“ hat die Wendung trotz der Nähe nichts zu tun: Dort geht es um einen freien Tag, und die Wörterbücher erklären beide Ausdrücke ganz unterschiedlich.
Woher kommt „Blau sein“?
Die Wörterbücher erklären „blau“ für betrunken mit dem Schwindel des Rausches. Pfeifers Etymologisches Wörterbuch führt die Wendung „es wird mir blau vor den Augen“ an, die seit dem 16. Jahrhundert das Einsetzen von Schwindel oder Ohnmacht beschreibt, und sieht „blau sein“ als jüngeren Ableger davon. Der Duden sagt ähnlich, gemeint sei vielleicht das Schwindelgefühl des Betrunkenen, dem es blau oder „blümerant“ vor den Augen wird. Lutz Röhrich nennt dieselbe Erklärung und erwägt zusätzlich die blaue Nase des Trinkers.
Wie alt die Wendung genau ist, lässt sich nicht sagen, Pfeifer und Röhrich behandeln sie als neuere Redensart. Die verstärkenden Vergleiche spielen bewusst mit der Farbe: Das Veilchen ist wirklich blau, der Betrunkene nur im übertragenen Sinn. Röhrich nennt das eine scherzhaft-wortspielerische Gleichsetzung der eigentlichen und der übertragenen Bedeutung.
Beispiele aus dem Alltag
Nach der Abifeier ruft Lena ihren Vater an: „Kannst du uns abholen? Jannik ist so blau, der findet die Haltestelle nicht.“
Beim Firmenjubiläum hält der Vertriebsleiter eine Rede, die keiner versteht. „Der ist doch blau“, flüstert jemand am Nachbartisch.
Opa erzählt vom Schützenfest 1975: „Wir waren alle blau wie die Veilchen, aber den Pokal haben wir trotzdem geholt.“
Lustige Abwandlungen
Blau ist keine Farbe, blau ist ein Zustand.
Scherzspruch, den Röhrich als neuere Wendung verzeichnet.
Häufige Fragen
Hat „blau sein“ etwas mit „blaumachen“ zu tun?
Nein. „Blaumachen“ heißt, nicht zur Arbeit zu gehen, und kommt vom „blauen Montag“. „Blau sein“ für betrunken wird dagegen mit dem Schwindel erklärt, bei dem es einem blau vor den Augen wird.
Was heißt „blau wie eine Strandhaubitze“?
Der Vergleich bedeutet völlig betrunken. Lutz Röhrich erklärt solche Vergleiche als Wortspiel, das die wörtliche und die übertragene Bedeutung von „blau“ gleichsetzt.
Ist „blau sein“ beleidigend?
Die Wendung ist umgangssprachlich und eher gutmütig. Über jemanden mit einem Alkoholproblem gesagt, wirkt sie aber verharmlosend oder spöttisch.
Wie sagt man „blau sein“ auf Englisch?
„Blue“ bedeutet im Englischen nicht betrunken, sondern traurig. Für betrunken sagt man umgangssprachlich „plastered“, „hammered“ oder „wasted“.
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