Kohldampf haben
Kurz gesagt
Salopp für: sehr großen Hunger haben.
- Auf Englisch
- to be starving
- to be ravenous
- I could eat a horse
- Auch gesagt
- Kohldampf schieben
Was bedeutet „Kohldampf haben“?
Wer Kohldampf hat, hat richtig großen Hunger. Die Wendung ist salopp und klingt eher heiter als dramatisch: Man sagt sie nach dem Fußballtraining, nach einer langen Wanderung, nach der Spätschicht oder wenn das Mittagessen ausgefallen ist, etwa „Ich hab einen Kohldampf, ich könnte ein ganzes Blech Pizza essen“. Verstärkt wird gern mit „mächtig“ oder „einen Riesen-“. In Familie und Freundeskreis ist der Ausdruck ganz normal, in förmlichen Situationen sagt man lieber schlicht „Ich habe großen Hunger“.
Daneben gibt es die Fügung „Kohldampf schieben“, die nach Pfeifer seit dem 19. Jahrhundert die übliche ist. Sie meint eher hungern, also über längere Zeit zu wenig zu essen haben, etwa in Notzeiten, im Krieg oder in einer knappen Studentenzeit. Auch Erich Maria Remarque in „Im Westen nichts Neues“ und Hans Fallada in „Wolf unter Wölfen“ benutzen das Wort für echten, tagelangen Hunger. Im heutigen Alltag beschreibt „Kohldampf haben“ dagegen meist einen kräftigen Appetit, der mit dem nächsten vollen Teller vorbei ist. Mit Kohlgemüse hat das Wort nichts zu tun.
Woher kommt „Kohldampf haben“?
„Kohldampf“ stammt aus dem Rotwelschen, der Sondersprache der Gauner und Fahrenden. Dort ist es 1835 erstmals als „Kolldampf“ belegt. Die genaue Herkunft gilt als nicht ganz gesichert. Das Etymologische Wörterbuch von Pfeifer erwägt eine Zusammensetzung aus rotwelsch „Kohler“ (auch „Koler“, „Koller“) für Hunger und „Dampf“, das im Rotwelschen ebenfalls Hunger bedeutete. Dann wäre „Kohldampf“ eine verstärkende Doppelung, sozusagen ein Hunger-Hunger. „Kohler“ geht nach Pfeifer wohl auf das Romani-Wort „kālo“ zurück, „schwarz, arm, ohne Geld“, woraus sich die Bedeutung „hungrig“ entwickelt habe.
Erklärungen, die das Wort mit russisch „golod“ (Hunger) oder mit der Cholera verbinden, beruhen nur auf ähnlichem Klang und gelten als falsch. Ebenso wenig steckt der Dampf aus dem Kochtopf darin.
Beispiele aus dem Alltag
Nach dem Handballturnier stürmen die Jungs die Vereinsgaststätte. „Zwölf Schnitzel bitte, wir haben Kohldampf!“
Um halb drei schreibt Yasmin ihrem Freund: „Das Meeting hat die Mittagspause gefressen. Ich hab so einen Kohldampf, bring bitte was vom Bäcker mit.“
Opa erzählt von der Nachkriegszeit: „Wir haben damals monatelang Kohldampf geschoben, ein Ei war ein Fest.“
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen „Kohldampf haben“ und „Kohldampf schieben“?
„Kohldampf haben“ heißt meist einfach, gerade großen Hunger zu haben. „Kohldampf schieben“ bedeutet eher hungern, also über längere Zeit zu wenig zu essen haben.
Hat „Kohldampf“ etwas mit Kohl zu tun?
Nein. „Kohldampf“ stammt aus dem Rotwelschen, wo „Kohler“ und „Dampf“ beide Hunger bedeuteten. Mit Kohlgemüse oder Kochdampf hat das Wort nichts zu tun.
Ist „Kohldampf“ unhöflich?
„Kohldampf“ ist salopp, aber nicht unhöflich. Unter Freunden und in der Familie ist es ganz normal, in förmlichen Situationen sagt man eher „großen Hunger haben“.
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