Von der Hand in den Mund leben
Kurz gesagt
Alles Geld sofort für das Nötigste ausgeben müssen und keine Rücklagen bilden können.
- Auf Englisch
- to live from hand to mouth
- Auch gesagt
- Aus der Hand in den Mund leben
Was bedeutet „Von der Hand in den Mund leben“?
Wer von der Hand in den Mund lebt, hat gerade genug, um über den Tag oder den Monat zu kommen. Was hereinkommt, geht sofort für Miete, Essen und Rechnungen wieder hinaus; Ersparnisse gibt es nicht. Man sagt es über Tagelöhner, Geringverdiener, Studierende oder kleine Selbstständige, meist sachlich oder mitfühlend. DWDS nennt daneben eine weitere Bedeutung: knapp kalkulieren müssen, etwa bei Vereinen, Theatern oder Behörden, deren Geld nur von Jahr zu Jahr reicht.
Abwertend ist die Wendung nicht, solange sie Not beschreibt. Ein leiser Vorwurf klingt aber mit, wenn sie jemanden trifft, der trotz ordentlichen Einkommens nichts zurücklegt. Mit „in den Tag hinein leben“ wird sie gelegentlich verwechselt; das meint jedoch sorglose Planlosigkeit, nicht Geldmangel. In Wirtschaftsberichten beschreibt sie auch Firmen, die ohne Reserven von Auftrag zu Auftrag wirtschaften.
Woher kommt „Von der Hand in den Mund leben“?
Das Bild ist wörtlich zu nehmen: Was die Hand bekommt, wandert sofort in den Mund, ohne Umweg über Vorratskammer oder Sparstrumpf. Wander verzeichnet „Aus der Hand in den Mund leben“ nach Wilhelm Körtes Sprichwörtersammlung und stellt die englische Parallele „They have but from hand to mouth“ daneben. Aus Holstein notiert er eine plattdeutsche Fassung mit der Erklärung „Er hat nur eben sein Auskommen“, dazu das Sprichwort „Aus der Hand in den Mund gibt schlechte Haushaltung kund“.
Als lateinisches Gegenstück nennt Wander „in diem vivere“, in den Tag hinein leben, aus der Sammlung des Eberhard Tappius aus dem 16. Jahrhundert. Ein datierter Erstbeleg für die deutsche Wendung ist nicht bekannt. Heute ist die Form mit „von der Hand“ üblich, unter der auch DWDS die Wendung führt.
Quellen
- DWDS: von der Hand in den Mund leben
- Wander: Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Stichwort ‚Hand‘
Stand:
Beispiele aus dem Alltag
Seit der Kündigung jobbt Daniel in zwei Minijobs. „Wir leben im Moment von der Hand in den Mund“, gesteht er seiner Mutter am Telefon.
Die Kassenwartin des Theatervereins seufzt bei der Jahresversammlung: „Ohne die Spende vom Autohaus hätten wir wieder von der Hand in den Mund gelebt.“
In der WG-Küche rechnet Sophie vor, dass ihr BAföG schon am 20. aufgebraucht ist. „Von der Hand in den Mund leben ist kein Klischee, das ist mein Kontostand.“
Häufige Fragen
Wie sagt man „von der Hand in den Mund leben“ auf Englisch?
Fast wörtlich gleich: „to live from hand to mouth“. Das Adjektiv „hand-to-mouth“ beschreibt im Englischen auch allgemein eine Existenz ohne Reserven.
Ist „von der Hand in den Mund leben“ dasselbe wie „in den Tag hinein leben“?
Nein. Wer von der Hand in den Mund lebt, hat zu wenig Geld für Rücklagen. Wer in den Tag hinein lebt, plant nicht voraus, auch wenn er genug hätte.
Was ist das Gegenteil von „von der Hand in den Mund leben“?
Wer aus dem Vollen schöpft, lebt „wie die Made im Speck“ oder „wie Gott in Frankreich“. Sachlicher sagt man, jemand habe ein finanzielles Polster.
Kurzer Test
Ganzes QuizWie geht das Sprichwort weiter?
Spare in der Zeit, …