Die Sau rauslassen
Kurz gesagt
Sich hemmungslos austoben und ausgelassen feiern, ohne auf Benehmen und Zurückhaltung zu achten.
- Auf Englisch
- to let one’s hair down
- to go wild
- Auch gesagt
- Die Sau herauslassen
- Gegenteil
- Den Ball flach halten
Was bedeutet „Die Sau rauslassen“?
Wer die Sau rauslässt, wirft für eine Weile alle Disziplin über Bord: Er feiert laut, trinkt, tanzt und benimmt sich, wie es ihm gerade passt. Typisch sind Junggesellenabschiede, Urlaubsorte mit Partyruf oder das Wochenende nach einer harten Arbeitswoche. Die Wendung ist umgangssprachlich und im Bild derb, im Alltag aber weit verbreitet. Oft klingt Verständnis mit: Einmal im Jahr muss man auch die Sau rauslassen dürfen.
Die Wendung hat eine dunklere Seite. Sie kann auch heißen, Aggressionen auszuleben, zu provozieren oder sich unflätig zu benehmen, etwa wenn jemand im Netz unter falschem Namen pöbelt oder im Straßenverkehr ausrastet. Lutz Röhrich gibt in seinem Lexikon der Redensarten sogar diese Bedeutung an: unanständig werden, sich schlecht benehmen, unflätige Reden führen. Über andere gesagt, ist die Wendung deshalb nicht immer freundlich gemeint. Wer nur gute Laune beschreiben will, greift zu „die Kuh fliegen lassen“.
Woher kommt „Die Sau rauslassen“?
Woher die Wendung kommt, ist ungeklärt. Röhrichs „Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten“ nennt sie „besonders in Bundeswehrkreisen beliebt“, gibt aber keine Herkunft an. Abgebildet ist dort eine politische Karikatur von Murschetz aus dem „Spiegel“ von 1984, die Wendung war also spätestens damals geläufig. Auch DWDS und Duden sagen nichts zur Herkunft.
Im Netz kursieren mehrere Geschichten: Betrunkene Studenten hätten nachts Schweineställe geöffnet, im Mittelalter habe man Schweine als Müllabfuhr auf die Straße gelassen, oder mit „Sau“ sei eine Spielkarte gemeint. Belegt ist keine davon. Sicher ist nur, dass das Schwein im Deutschen lange für das Unsaubere und Hemmungslose steht. Röhrich erklärt damit verstärkende Wörter wie „Sauarbeit“ oder „saugrob“, die von demselben Bild leben.
Quellen
- DWDS: die Sau rauslassen
- Lutz Röhrich: Das große Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten, Stichwort ‚Sau‘
- Christoph Gutknecht: Unter aller Sau, Jüdische Allgemeine, 2020
Stand:
Beispiele aus dem Alltag
Auf dem Junggesellenabschied wollte Tobias noch einmal richtig die Sau rauslassen. Am Sonntag erinnert er sich an wenig.
„Die ganze Woche Homeoffice und Kinderbetreuung“, stöhnt Carla. „Am Samstag lass ich auf dem Konzert die Sau raus.“
Unter dem Video lassen anonyme Nutzer die Sau raus, und die Moderatorin muss Dutzende Kommentare löschen.
Häufige Fragen
Ist „die Sau rauslassen“ vulgär?
Die Wörterbücher bewerten „die Sau rauslassen“ unterschiedlich: Das DWDS nennt die Wendung umgangssprachlich, Hans Schemanns „Deutsche Idiomatik“ zählt sie zu den Vulgarismen. Unter Freunden ist sie üblich, in förmlichen Texten wirkt sie unpassend.
Hat „die Sau rauslassen“ etwas mit „unter aller Sau“ zu tun?
Nein. In „unter aller Sau“ steckt nach einer verbreiteten Deutung gar kein Tier, sondern ein jiddisches Wort für Maßstab. In „die Sau rauslassen“ ist das Schwein gemeint, auch wenn die genaue Herkunft unklar ist.
Wie sagt man „die Sau rauslassen“ auf Englisch?
Fürs Feiern passt „to let one’s hair down“ oder „to go wild“. Die aggressive Bedeutung trifft eher „to lash out“.
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