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Die Rechnung ohne den Wirt machen

Kurz gesagt

Fest mit einem Ergebnis planen, aber jemanden übersehen, der mitentscheidet, und sich dadurch gründlich verschätzen.

Auf Englisch
to reckon without one’s host
Auch gesagt
Ohne den Wirt rechnen

Was bedeutet „Die Rechnung ohne den Wirt machen“?

Wer die Rechnung ohne den Wirt macht, plant so, als stünde das Ergebnis schon fest, und vergisst dabei eine Person oder einen Umstand, der ein Wort mitzureden hat. Ein Paar bucht die Hochzeitslocation, bevor es mit den Eltern über die Gästeliste gesprochen hat. Ein Verein verlegt sein Heimspiel und merkt dann, dass der Verband die Termine bestimmt. Meist fällt der Satz im Rückblick, wenn der Plan schon geplatzt ist: „Da hat er die Rechnung ohne den Wirt gemacht.“ Der Ton ist umgangssprachlich bis neutral, oft mit leiser Schadenfreude.

Der „Wirt“ steht heute für alle, die am Ende entscheiden: Vermieterin, Behörde, Chef, Gegner, manchmal auch das Wetter. Wiktionary nennt neben dem Verschätzen eine zweite Verwendung, nämlich etwas über den Kopf wichtiger Beteiligter hinweg zu beschließen. Beides hängt zusammen, denn wer niemanden fragt, wird später überrascht. Mit Geld muss die Sache trotz des Bildes nichts zu tun haben. Verwechseln sollte man die Wendung nicht mit „jemandem einen Strich durch die Rechnung machen“: Dort durchkreuzt ein anderer den Plan, hier liegt der Fehler beim Planenden selbst.

Woher kommt „Die Rechnung ohne den Wirt machen“?

Das Bild stammt aus dem Gasthaus. Ein Gast kann im Kopf überschlagen, was er für Essen und Wein schuldet, doch was er tatsächlich zahlt, legt der Wirt fest, wenn er die Zeche macht. Wer vorher ohne ihn rechnet, erlebt beim Bezahlen eine Überraschung.

Die Wendung ist seit dem 16. Jahrhundert belegt. Röhrich verweist auf Sebastian Franck, der „on den wirt rechnen“ kennt, und auf Johann Fischart, der spottet, wie der Papst „on seinen Wirt gerechnet“ habe. In Christoph Lehmanns Sammlung von 1639 heißt es nach Röhrich: „Wer die Zech ohn den Wirth macht, muß zweymahl rechnen.“ Wander verzeichnet im 19. Jahrhundert „Er hat die Rechnung ohne den Wirth gemacht“ und die Langform „Wer die Rechnung ohne den Wirth macht, der muss sie zweimal machen“. Dasselbe Bild kennen das Niederländische, das Französische („compter sans son hôte“), das Italienische und das Englische.

Quellen

Stand:

Beispiele aus dem Alltag

  • Jannik hatte die Grillparty im Innenhof schon in die Hausgruppe gestellt, als die Hausverwaltung sie verbot. „Tja, da hast du die Rechnung ohne den Wirt gemacht“, schreibt seine Nachbarin.

  • „Wir legen das Pokalspiel einfach auf Samstag“, verkündet der Trainer. Der Kassenwart seufzt: „Da machst du die Rechnung ohne den Wirt. Die Termine setzt der Verband fest, nicht wir.“

  • Lena und ihr Freund verplanen schon das Zimmer ihres Bruders, sobald der auszieht. „Ihr habt die Rechnung ohne den Wirt gemacht“, sagt ihre Mutter. „Da kommt mein Nähzimmer hin.“

Häufige Fragen

Wer ist mit dem Wirt in der Redewendung gemeint?

Ursprünglich der Gastwirt, der am Ende die Zeche festsetzt. Im übertragenen Sinn ist es jede Person oder Stelle, die bei einer Sache das letzte Wort hat und die man nicht gefragt hat.

Ist „die Rechnung ohne den Wirt machen“ dasselbe wie „jemandem einen Strich durch die Rechnung machen“?

Nein. Wer die Rechnung ohne den Wirt macht, hat selbst falsch geplant. Wer jemandem einen Strich durch die Rechnung macht, vereitelt den Plan eines anderen.

Wie sagt man „die Rechnung ohne den Wirt machen“ auf Englisch?

Die genaue Entsprechung lautet „to reckon without one’s host“. Sie klingt heute etwas altmodisch, ist aber in englischen Wörterbüchern verzeichnet.

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