Der Mensch lebt nicht vom Brot allein
Kurz gesagt
Zum Leben braucht der Mensch mehr als Essen und Geld: auch Sinn, Zuwendung, Kultur oder Glauben.
- Ursprung
- Aus der Bibel
- Auf Englisch
- Man shall not live by bread alone
- Man does not live by bread alone
- Auch gesagt
- Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht
- Gegenteil
- Der Mensch ist, was er isst
Was bedeutet „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“?
„Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“ besagt, dass Sattsein allein noch kein erfülltes Leben ausmacht. Gemeint sind Bedürfnisse jenseits des Materiellen: Musik, Bücher, Freundschaft, Glaube, Anerkennung, eine Arbeit, die einem etwas bedeutet. Man hört den Satz in Debatten über Kulturförderung, wenn jemand für Theater und Bibliotheken eintritt, oder im Beruf, wenn es um mehr geht als das Gehalt. Der Ton ist meist ernst, manchmal ein wenig feierlich.
Ebenso oft wird das Wort augenzwinkernd umgedeutet. Wer nach dem Hauptgang noch Käse, Wein und Nachtisch auftischt, zitiert es gern scherzhaft, als wäre nur gemeint, dass Brot allein zu wenig auf dem Tisch ist. Im biblischen Original hat der Satz einen religiösen Sinn: Das Leben hängt am Wort Gottes. Die weltliche Lesart, nach der Kunst, Liebe oder Bildung das fehlende Stück sind, ist eine spätere Verallgemeinerung. Dass Brot unwichtig sei, sagt der Satz nicht. Das „allein“ setzt voraus, dass man es braucht.
Woher kommt „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“?
Der Satz stammt aus der Bibel. In 5. Mose 8,3 erinnert Mose das Volk Israel an das Manna in der Wüste: Gott habe es hungern lassen und gespeist, um ihm kundzutun, „dass der Mensch nicht lebt vom Brot allein, sondern von allem, was aus dem Mund des HERRN geht“ (Lutherbibel 2017).
Bekannt wurde das Wort durch das Neue Testament. In der Versuchungsgeschichte fordert der Teufel den fastenden Jesus auf, Steine in Brot zu verwandeln. Jesus antwortet mit dem Mose-Wort: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht“ (Matthäus 4,4). Lukas 4,4 bringt nur die erste Hälfte, „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“, und genau diese Kurzform ist im Deutschen zum Sprichwort geworden.
Beispiele aus dem Alltag
Im Gemeinderat soll die Stadtbücherei gestrichen werden. Frau Okafor hält dagegen: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Wenn wir hier sparen, verliert das Viertel seinen einzigen Treffpunkt.“
Jonas hat das besser bezahlte Angebot abgelehnt und bleibt beim kleinen Verlag. „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“, erklärt er seinem Vater. „Ich will eine Arbeit, die mir etwas bedeutet.“
Nach dem Raclette stellt Tante Bea noch eine Schüssel Tiramisu auf den Tisch. „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“, sagt sie, und keiner widerspricht.
Lustige Abwandlungen
Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Es kann auch etwas Butter sein
Dem Aphoristiker Ulrich Erckenbrecht zugeschrieben.
Häufige Fragen
Wo steht „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“ in der Bibel?
Der Satz steht im Alten Testament in 5. Mose 8,3. Im Neuen Testament zitiert Jesus ihn in Matthäus 4,4 und Lukas 4,4, bei Matthäus mit der Fortsetzung „sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht“.
Wer hat „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“ gesagt?
In den Evangelien sagt Jesus den Satz zum Teufel, der ihn in der Wüste in Versuchung führt. Er zitiert damit ein Wort, das im 5. Buch Mose dem Mose in den Mund gelegt ist.
Wie heißt „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“ auf Englisch?
„Man shall not live by bread alone“ ist die Fassung der King-James-Bibel und bis heute die bekannteste. Im Alltag hört man auch „Man does not live by bread alone“.
Was ist das Gegenteil von „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“?
Als Gegenposition gilt Ludwig Feuerbachs „Der Mensch ist, was er isst“, das den Menschen von seiner Nahrung her denkt. Noch drastischer heißt es in Brechts „Dreigroschenoper“: „Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral.“
Kurzer Test
Ganzes QuizWie geht das Sprichwort weiter?
Gegessen wird, …