Wer nichts wird, wird Wirt
Kurz gesagt
Scherzhaft abfälliger Spruch: Wer sonst nichts erreicht, wird eben Gastwirt, weil man dafür angeblich keine Ausbildung braucht.
- Auch gesagt
- Wer nix wird, wird Wirt
Was bedeutet „Wer nichts wird, wird Wirt“?
„Wer nichts wird, wird Wirt“ heißt: Wer in Schule und Beruf nichts erreicht, kann immer noch eine Kneipe aufmachen, denn dafür muss man angeblich nichts können. Der Spruch ist scherzhaft und leicht abfällig. Man hört ihn, wenn jemand nach abgebrochenem Studium eine Bar eröffnet, als Stichelei unter Bekannten oder als Stoßseufzer von Eltern, deren Kind keinen Plan hat. Wirtinnen und Wirte zitieren ihn auch selbstironisch, meist mit dem Hinweis, wie viel Arbeit tatsächlich hinter einem Lokal steckt.
Sein Witz beruht auf dem Gleichklang: „wird“ und „Wirt“ werden im Standarddeutschen gleich ausgesprochen, weil ein d am Wortende stimmlos gesprochen wird. Deshalb dient der Satz auch als Ausspracheübung im Deutschunterricht. In der Sache gilt er als überholt, denn wer heute einen Gastbetrieb führt, muss kalkulieren, Personal führen und Hygienevorschriften kennen. In Glossen und auf Branchenseiten wird der Spruch denn auch gern zitiert, um ihm zu widersprechen. Er wird oft um weitere Berufe verlängert, denen man dasselbe nachsagt.
Woher kommt „Wer nichts wird, wird Wirt“?
Woher der Spruch stammt, ist nicht geklärt. In Wanders „Deutschem Sprichwörter-Lexikon“ (1867–1880) steht er unter dem Stichwort ‚Wirth‘ nicht, und auch das DWDS verzeichnet ihn nicht. Eine Erklärung führt in die Schweiz des 19. Jahrhunderts: Mit der Reform der Kantonsverfassungen ab 1830 fiel das Privileg der konzessionierten Gasthäuser, jeder konnte nun ein Patent erwerben und eine Wirtschaft eröffnen. „Bald hiess es: ‚Wer nichts wird, wird Wirt.‘“, schreibt die Journalistin Christina Neuhaus in „NZZ Folio“. Einen datierten Beleg aus dieser Zeit nennt sie nicht.
Der schlechte Ruf der Wirte im 19. Jahrhundert ist dagegen belegt. Jeremias Gotthelf veröffentlichte 1840 im „Neuen Berner-Kalender“ elf Regeln für Wirte, die Ehrenmänner sein sollten, und wetterte als Pfarrer gegen Männer, die den Sonntag im Wirtshaus statt in der Kirche begannen. Ob der Spruch aus dieser Zeit stammt oder jünger ist, lässt sich mit den bekannten Quellen nicht entscheiden.
Quellen
- Christina Neuhaus: Wer nichts wird, wird Wirt (NZZ Folio, März 2020)
- Wander: Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Stichwort ‚Wirth‘
- Wiktionary (englisch): wer nichts wird, wird Wirt
- Peter Schramm: Warum der „Versicherungsvertreter“ Eingang in das Beruferanking gefunden hat (VersicherungsJournal, Leserbrief, 1. Juli 2024)
Stand:
Beispiele aus dem Alltag
Nach zwei abgebrochenen Studiengängen eröffnet Dennis eine Cocktailbar in Leipzig. Sein Onkel kann sich den Spruch nicht verkneifen: „Wer nichts wird, wird Wirt.“
Gül Aydın steht seit fünf Uhr in der Küche ihres Bistros und macht abends noch die Buchhaltung. „Wer nichts wird, wird Wirt?“, sagt sie lachend. „Dann möchte ich nicht wissen, was die anderen machen.“
Im Deutschkurs schreibt die Lehrerin an die Tafel: „Wer nichts wird, wird Wirt.“ Die Klasse soll herausfinden, warum „wird“ und „Wirt“ gleich klingen.
Lustige Abwandlungen
Wer nichts wird, wird Wirt, und wem auch dieses nicht gelungen, der reist in Versicherungen
Scherzhafte Fortsetzung, 2024 in einem Leserbrief im „VersicherungsJournal“ zitiert. Daneben kursiert „der macht in Versicherungen“.
Häufige Fragen
Woher kommt „Wer nichts wird, wird Wirt“?
Die Herkunft von „Wer nichts wird, wird Wirt“ ist nicht geklärt, in Wanders Sprichwörter-Lexikon steht der Satz nicht. Eine Erklärung verweist auf die Schweiz nach 1830, als jeder ein Wirtshaus eröffnen durfte, einen datierten Beleg dafür gibt es aber nicht.
Warum klingen „wird“ und „Wirt“ gleich?
Im Deutschen werden b, d und g am Wortende stimmlos gesprochen, man nennt das Auslautverhärtung. „Wird“ klingt deshalb wie „Wirt“, und auf diesem Gleichklang beruht der Witz von „Wer nichts wird, wird Wirt“.
Gibt es eine Fortsetzung von „Wer nichts wird, wird Wirt“?
Ja, mehrere sind im Umlauf. Bekannt ist „Wer nichts wird, wird Wirt, und wem auch dieses nicht gelungen, der reist in Versicherungen“, daneben die Form „der macht in Versicherungen“. Solche Anhängsel verspotten jeweils einen weiteren Beruf.
Kurzer Test
Ganzes QuizWie geht das Sprichwort weiter?
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