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Nach jemandes Pfeife tanzen

Kurz gesagt

Sich ganz dem Willen eines anderen fügen und tun, was er verlangt, ohne eigenen Spielraum.

Auf Englisch
To dance to someone’s tune
Auch gesagt
Jemanden nach seiner Pfeife tanzen lassen

Was bedeutet „Nach jemandes Pfeife tanzen“?

Wer nach jemandes Pfeife tanzt, tut, was ein anderer will, oft gegen den eigenen Willen und ohne Widerspruch. Das DWDS erklärt die Wendung mit „sich jmds. Willen fügen, ihm unbedingt gehorchen“. Typische Fälle: die Belegschaft, die nach der Pfeife eines launischen Chefs tanzt, die Eltern, die nach der Pfeife ihres trotzenden Kindes tanzen, die Regierung, der man vorwirft, nach der Pfeife einer Lobby zu tanzen.

Die Wendung ist kritisch gemeint, entweder gegenüber dem, der den Ton angibt, oder gegenüber dem, der sich fügt. Sehr oft hört man sie verneint, als Ausdruck von Trotz: „Ich tanze doch nicht nach seiner Pfeife!“ Aus Sicht des Mächtigen heißt es „jemanden nach seiner Pfeife tanzen lassen“, also andere dazu bringen, sich zu fügen. Mit der Tabakpfeife hat das Bild nichts zu tun. Gemeint ist die Pfeife als Flöte, zu der früher getanzt wurde.

Woher kommt „Nach jemandes Pfeife tanzen“?

Das Bild stammt aus der Tanzmusik: Wer tanzt, richtet sich nach dem Spielmann, und die Pfeife, eine einfache Flöte, war lange ein typisches Tanzinstrument. Das DWDS nennt einen Frühbeleg aus dem 15. Jahrhundert, „wol tanzen nach mannes pfeifen“, der wohl zweideutig gemeint war. Im 16. Jahrhundert ist die Wendung gut belegt, etwa bei Burkard Waldis: „Vnd macht zum Narrn den armen Frantzen, das er muss nach seiner Pfeiffe tantzen.“

Zur Verbreitung mag eine alte Fabel beigetragen haben. Herodot erzählt (Historien 1,141), wie der Perserkönig Kyros den Ioniern von einem Flötenspieler berichtet, der den Fischen vergeblich aufspielte, damit sie an Land kämen. Als er sie mit dem Netz gefangen hatte und sie zappelten, sagte er, nun bräuchten sie nicht mehr zu tanzen, da sie vorher nicht hatten tanzen wollen. Im Neuen Testament klingt das Motiv ebenfalls an: „Wir haben euch aufgespielt und ihr habt nicht getanzt“ (Matthäus 11,17).

Quellen

Stand:

Beispiele aus dem Alltag

  • Seit der Investor eingestiegen ist, wird jede Entscheidung in der Firma dreimal umgeworfen. „Wir tanzen nur noch nach seiner Pfeife“, klagt Sabine beim Feierabendbier.

  • Der fünfjährige Theo bekommt an der Supermarktkasse jedes Mal seinen Willen. Seine Oma schüttelt den Kopf: „Ihr tanzt nach seiner Pfeife, nicht umgekehrt.“

  • Der Hauptsponsor will plötzlich bei der Mannschaftsaufstellung mitreden. Kapitänin Lea stellt klar: „Nach dessen Pfeife tanzen wir nicht.“

Häufige Fragen

Ist mit der Pfeife eine Tabakpfeife gemeint?

Nein. Gemeint ist die Pfeife als Musikinstrument, eine einfache Flöte. Wer tanzt, folgt der Musik des Spielmanns, und dieses Bild steckt in der Redewendung.

Wie sagt man „nach jemandes Pfeife tanzen“ auf Englisch?

„To dance to someone’s tune“. Auch im Englischen stammt das Bild aus der Tanzmusik.

Was ist das Gegenteil von „nach jemandes Pfeife tanzen“?

Wer selbst bestimmt, gibt den Ton an oder lässt andere nach seiner Pfeife tanzen. Wer sich verweigert, sagt: „Ich tanze nicht nach deiner Pfeife.“

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