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Es irrt der Mensch, solang er strebt

Kurz gesagt

Wer sich ein Ziel setzt und sich bemüht, macht zwangsläufig Fehler; Irrtümer gehören zum Streben dazu.

Auch gesagt
Es irrt der Mensch, solang er lebt

Was bedeutet „Es irrt der Mensch, solang er strebt“?

„Es irrt der Mensch, solang er strebt“ heißt: Wer sich ein Ziel setzt und sich anstrengt, wird dabei Fehler machen, und das gehört dazu. Man sagt es tröstend, wenn ein Versuch danebengegangen ist: nach einer verpatzten Prüfung, einem gescheiterten Projekt, einer falschen Entscheidung im Beruf. Der Satz nimmt dem Irrtum den Makel, weil er ihn als Kehrseite des Ehrgeizes deutet. Wer nichts versucht, so die Logik, kann auch nicht danebenliegen.

Oft hört man die Fassung „Es irrt der Mensch, solang er lebt“. Damit verschiebt sich der Sinn: Aus dem Irrtum als Preis des Strebens wird die allgemeine Feststellung, dass Menschen eben Fehler machen, meist resigniert oder entschuldigend gesagt. Begünstigt hat die Abwandlung wohl, dass im Vers davor von Fausts Leben auf der Erde die Rede ist. „Irren“ hat bei Goethe zudem zwei Seiten: sich täuschen und umherirren, also den Weg erst suchen müssen. Der Ton ist gehoben und eher wohlwollend, nie hämisch.

Woher kommt „Es irrt der Mensch, solang er strebt“?

Der Vers steht im „Prolog im Himmel“ von Goethes „Faust. Der Tragödie erster Teil“ (1808), Vers 317. Gesprochen wird er nicht von Faust, sondern vom Herrn. Mephistopheles bietet eine Wette an: Er werde Faust „meine Straße sacht“ führen und ihn so Gott abspenstig machen. Der Herr erlaubt es: „Solang’ er auf der Erde lebt, / Solange sei dir’s nicht verboten. / Es irrt der Mensch, solang’ er strebt.“

Gemeint ist Nachsicht, keine Verurteilung. Wenig später sagt der Herr voraus, Mephisto werde beschämt eingestehen müssen: „Ein guter Mensch in seinem dunklen Drange / Ist sich des rechten Weges wohl bewußt.“ Irrtum und Streben gehören für Goethe zusammen; am Ende von „Faust II“ singen die Engel: „Wer immer strebend sich bemüht, / Den können wir erlösen.“ Büchmann verzeichnet den Vers vom Irren in seinen „Geflügelten Worten“ unter den Faust-Zitaten.

Beispiele aus dem Alltag

  • Paul hat sein erstes Start-up in den Sand gesetzt und plant schon das nächste. Seine Mentorin schreibt ihm: „Es irrt der Mensch, solang er strebt. Hauptsache, du lernst daraus.“

  • Beim Elternabend erklärt Frau Albers, warum Fehler im Matheheft nicht rot angestrichen werden. „Es irrt der Mensch, solang er strebt“, sagt sie, „und hier sollen alle streben.“

  • Das Navi hat Herrn Nowak zum dritten Mal in eine Sackgasse geschickt. „Es irrt der Mensch, solang er lebt“, brummt er, „das Navi offenbar auch.“

Häufige Fragen

Wer sagt „Es irrt der Mensch, solang er strebt“?

Der Herr, also Gott, im „Prolog im Himmel“ von Goethes „Faust I“. Er sagt es zu Mephistopheles, dem er erlaubt, Faust auf die Probe zu stellen, solange dieser lebt.

Heißt es „solang er strebt“ oder „solang er lebt“?

Bei Goethe heißt es „Es irrt der Mensch, solang’ er strebt“. Die Form mit „lebt“ ist eine verbreitete Abwandlung, die sich vermutlich an den Vers davor anlehnt („Solang’ er auf der Erde lebt“) und aus dem Gedanken eine allgemeine Feststellung über menschliche Fehler macht.

Was meint Goethe mit „irren“?

Gemeint ist, sich zu täuschen und vom Weg abzukommen. Für Goethe ist dieses Irren der Preis des Strebens, und der Herr bleibt überzeugt, dass ein guter Mensch sich „des rechten Weges wohl bewußt“ ist.

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