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Seine Hände in Unschuld waschen

Kurz gesagt

Jede Verantwortung für eine unangenehme Sache von sich weisen und erklären, man habe damit nichts zu tun.

Auf Englisch
to wash one’s hands of something
Auch gesagt
Die Hände in Unschuld waschen

Was bedeutet „Seine Hände in Unschuld waschen“?

„Seine Hände in Unschuld waschen“ heißt: jede Schuld und Verantwortung von sich weisen und sich aus einer unangenehmen Sache heraushalten. Typisch ist die Wendung in Politik und Wirtschaft: Das Ministerium verweist auf die Behörde, die Telefongesellschaft auf den Netzbetreiber, der Sportverband auf die Regeln. Meist wird sie kritisch über andere gesagt. Wer seine Hände in Unschuld wäscht, hat nach Ansicht des Sprechers sehr wohl Anteil am Schaden und will das nur nicht wahrhaben. Das DWDS unterscheidet zwei Lesarten: das bloße Sich-Heraushalten und das ausdrückliche Abstreiten jeder Beteiligung.

In der ersten Person klingt der Satz oft scherzhaft, etwa wenn sich in der Familie niemand zu der zerbrochenen Vase bekennen will. Ernst gemeint wirkt die Beteuerung dagegen schnell verdächtig, weil viele dabei an Pilatus denken, der sich für unschuldig erklärte und Jesus trotzdem kreuzigen ließ. Wer wirklich unbeteiligt ist, sagt deshalb besser schlicht, dass er nichts damit zu tun hat. Die Wendung unterstellt fast immer, dass die Unschuld nur behauptet ist.

Woher kommt „Seine Hände in Unschuld waschen“?

Der Wortlaut stammt aus den Psalmen. In Psalm 26,6 betet der Fromme: „Ich wasche meine Hände in Unschuld und umschreite, HERR, deinen Altar“ (Lutherbibel 2017), ähnlich in Psalm 73,13. Dort ist es eine Beteuerung echter Schuldlosigkeit, verbunden mit dem Bild der Reinigung vor dem Gottesdienst. Das Gesetz kannte das Händewaschen auch als Rechtsbrauch: Wird ein Erschlagener gefunden, sollen die Ältesten der nächsten Stadt ihre Hände waschen und sagen: „Unsere Hände haben dies Blut nicht vergossen“ (5. Mose 21,6–7).

Die heutige Färbung verdankt die Wendung dem Prozess Jesu. Nach Matthäus 27,24 nahm Pilatus Wasser, „wusch sich die Hände vor dem Volk und sprach: Ich bin unschuldig am Blut dieses Menschen; seht ihr zu!“ Gleich darauf ließ er Jesus geißeln und überantwortete ihn zur Kreuzigung. Seitdem steht das Händewaschen für eine Unschuldserklärung, die die eigene Mitverantwortung verdeckt. Wander verzeichnet die Fügung „Pilatus wäscht seine Hände in Unschuld“, die beide Bibelstellen in einem Satz verbindet.

Beispiele aus dem Alltag

  • Das bestellte Sofa ist seit sechs Wochen verschwunden. Der Händler schiebt es auf die Spedition, die Spedition auf das Lager. „Jeder wäscht seine Hände in Unschuld, und ich habe immer noch kein Sofa“, schimpft Herr Becker.

  • Der Stadtrat hat dem Neubau selbst zugestimmt. Dass die Fraktion jetzt ihre Hände in Unschuld waschen will, findet Leonie in der Bürgerfragestunde dreist.

  • „Wer hat die letzte Kaffeekapsel genommen?“, fragt Aylin. Jonas hebt beide Hände: „Da kann ich meine Hände in Unschuld waschen, ich trinke nur Tee.“

Häufige Fragen

Wo steht „Seine Hände in Unschuld waschen“ in der Bibel?

Den Wortlaut von „Seine Hände in Unschuld waschen“ hat Psalm 26,6: „Ich wasche meine Hände in Unschuld“, ähnlich Psalm 73,13. Die Szene, an die man heute denkt, steht in Matthäus 27,24: Pilatus wäscht sich vor dem Volk die Hände.

Was hat Pilatus mit „Seine Hände in Unschuld waschen“ zu tun?

Pilatus wusch sich nach Matthäus 27,24 vor dem Volk die Hände und erklärte sich für unschuldig am Tod Jesu, den er dann doch zur Kreuzigung überantwortete. Deshalb klingt „seine Hände in Unschuld waschen“ heute nach einer Ausrede, nicht nach echter Unschuld.

Wie sagt man „Seine Hände in Unschuld waschen“ auf Englisch?

Im Englischen sagt man „to wash one’s hands of something“. Wie im Deutschen bedeutet das, die Verantwortung für eine Sache abzulehnen und sich nicht weiter darum zu kümmern.

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