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Den Mantel nach dem Wind hängen

Kurz gesagt

Sich aus Eigennutz immer der herrschenden Meinung oder den jeweiligen Machtverhältnissen anpassen.

Auf Englisch
to trim one’s sails to the wind
to be a turncoat
Auch gesagt
Den Mantel nach dem Wind drehen
Den Mantel nach dem Wind kehren

Was bedeutet „Den Mantel nach dem Wind hängen“?

„Den Mantel nach dem Wind hängen“ heißt: sich aus Eigennutz immer der gerade herrschenden Meinung oder den jeweiligen Machtverhältnissen anpassen. Gemeint ist der Opportunist ohne feste Überzeugung, der seine Haltung danach richtet, woher der Wind weht: der Ratsherr, der nach der Wahl plötzlich für das Projekt stimmt, das er vorher bekämpft hat, die Kollegin, die beim neuen Chef dessen Ideen schon immer gut fand. Die Wendung ist abwertend und wird meist über andere gesagt, selten über sich selbst. Neben „hängen“ sind „drehen“ und „kehren“ gebräuchlich.

Der Vorwurf zielt auf die Gesinnung, nicht auf jede Meinungsänderung. Wer aus guten Gründen umdenkt, hängt nicht den Mantel nach dem Wind; wer seine Ansichten wechselt, weil sie gerade Vorteile bringen, schon. Sinnverwandt ist das Wort „Wendehals“, das im Herbst 1989 zum Schlagwort für Menschen wurde, die sich rasch den neuen Verhältnissen anpassten. Bemerkenswert ist, dass die Wendung ursprünglich gar kein Tadel war, sondern ein Rat zur Klugheit.

Woher kommt „Den Mantel nach dem Wind hängen“?

Das Bild stammt aus einer Zeit, in der Mäntel weite, ärmellose Umhänge waren. Wer bei Sturm und Regen unterwegs war, drehte den Umhang zu der Seite, aus der das Wetter kam; so erklären es Duden und Röhrich. Ursprünglich war das ein Rat ohne jeden Tadel: Man soll sich in die Umstände schicken. So steht es schon im Mittelhochdeutschen, in einem Spruch Spervogels („Man sol den mantel kêren, als daz weter gât“) und in Gottfrieds von Straßburg „Tristan“ um 1210: „Man sol den mantel kêren, / als ie die winde sint gewant.“

Um 1500 bekam die Wendung den Beiklang der Charakterlosigkeit. Röhrich nennt den niederdeutschen „Reinke de Vos“ von 1498, in dem ein Mann am päpstlichen Hof „Wendhoyke“ heißt, einer, der den Umhang wendet, und Luther: „Bauchdiener hängen den Mantel, nachdem der Wind wehet“. Grimms Wörterbuch belegt den tadelnden Sinn unter anderem bei Sebastian Brant und Hans Sachs. In den Kinder- und Hausmärchen singt der Scherenschleifer in „Hans im Glück“: „ich schleife die Scheere und drehe geschwind, / und hänge mein Mäntelchen nach dem Wind.“

Beispiele aus dem Alltag

  • Im Stadtrat stimmt Herr Brandt plötzlich für das Projekt, das er im Wahlkampf bekämpft hat. „Der hängt den Mantel nach dem Wind“, schimpft Frau Albers auf der Zuschauertribüne.

  • Seit der neue Abteilungsleiter da ist, findet Kevin agile Methoden großartig. Aylin verdreht die Augen: „Typisch, er dreht den Mantel nach dem Wind.“

  • „Ich sage lieber offen meine Meinung, als den Mantel nach dem Wind zu hängen“, sagt Leonie, bevor sie in der Schulkonferenz gegen den Vorschlag der Direktorin stimmt.

Häufige Fragen

Woher kommt „den Mantel nach dem Wind hängen“?

„Den Mantel nach dem Wind hängen“ stammt aus einer Zeit, in der Mäntel weite Umhänge waren, die man bei Sturm und Regen zur Wetterseite drehte. Schon im Mittelhochdeutschen war „den Mantel kehren, wie das Wetter geht“ ein Rat zur Klugheit; erst um 1500 wurde daraus der Vorwurf der Charakterlosigkeit.

Heißt es „den Mantel nach dem Wind hängen“ oder „drehen“?

Beides ist richtig. Der Duden verzeichnet „den Mantel nach dem Wind hängen“, „drehen“ und „kehren“; ältere Texte haben oft „kehren“, bei Hans Sachs heißt es schon „henk den mantel nach dem wind“.

Was ist ein Wendehals?

Ein Wendehals ist jemand, der seine politische Haltung den jeweiligen Machtverhältnissen anpasst, also den Mantel nach dem Wind hängt. Das Wort, eigentlich ein Vogelname, wurde im Herbst 1989 zum Schlagwort: Christa Wolf sprach am 4. November auf dem Berliner Alexanderplatz von den „Wendigen, im Volksmund ‚Wendehälse‘ genannt“.

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