Seine Schäfchen ins Trockene bringen
Kurz gesagt
Sich rechtzeitig seinen Gewinn oder Vorteil sichern, oft auf Kosten anderer.
- Auf Englisch
- To feather one’s nest
- Auch gesagt
- Sein Schäfchen ins Trockene bringen
- Seine Schäfchen im Trockenen haben
- Gegenteil
- Von der Hand in den Mund leben
Was bedeutet „Seine Schäfchen ins Trockene bringen“?
„Seine Schäfchen ins Trockene bringen“ heißt: sich seinen Gewinn, sein Geld oder seinen Vorteil sichern, meist rechtzeitig, bevor es schwierig wird. Der Duden fügt hinzu, dass das oft auf Kosten anderer geschieht, und nennt die Wendung umgangssprachlich und leicht abwertend. Typisch ist der Geschäftsführer, der sich kurz vor der Insolvenz noch einen Bonus auszahlen lässt, oder der Politiker, der vor dem Ende seiner Amtszeit einen gut bezahlten Posten in der Wirtschaft annimmt.
Ganz so negativ muss es nicht gemeint sein. Wer jahrzehntelang spart und eine Wohnung abbezahlt, hat seine Schäfchen auch im Trockenen und darf darauf stolz sein. Diesen Zustand beschreibt „seine Schäfchen im Trockenen haben“: Man ist abgesichert, was auch kommt. Der Ton entscheidet, ob Bewunderung oder Neid mitschwingt. Mit den „Schäfchen“, die ein Lehrer oder Pfarrer um sich sammelt, hat die Wendung nichts zu tun. Die Schäfchen stehen hier für Besitz, und das Trockene für einen Ort, an dem ihm nichts mehr passieren kann.
Woher kommt „Seine Schäfchen ins Trockene bringen“?
Die Wendung ist alt: Das Grimmsche Wörterbuch zitiert aus einer Schrift von 1596 „hast dein schaff in das trucken bracht“ und nennt die Redensart im Niederdeutschen weit verbreitet, etwa als „he het sine schäpken in’t dröge“. Wander verzeichnet „Er hat sein Schäfchen aufs Trockene gebracht“ noch in der Bedeutung, sich und das Seine bei drohender Gefahr in Sicherheit gebracht zu haben. Von Bereicherung auf Kosten anderer ist da nicht die Rede.
Woher das Bild stammt, ist nicht geklärt. Nach der einen Erklärung, die Duden und Wander vertreten, sind echte Schafe gemeint: Sie vertragen Nässe schlecht, auf feuchten, tief gelegenen Weiden drohen Krankheiten und Parasiten. Wer seine Herde aufs Trockene treibt, sichert sein Vermögen. Nach der anderen steckt im niederdeutschen „Schepken“ ein Schiffchen, das man an Land zieht. Diese Deutung findet sich schon bei dem Lexikografen Johann Carl Dähnert im 18. Jahrhundert. Das Grimmsche Wörterbuch hält sie für einleuchtend, wendet aber ein, dass die überlieferten Formen überall auf Schafe weisen, und schließt: Worauf die Redensart beruht, sei „nicht bestimmt zu sagen“.
Beispiele aus dem Alltag
Kurz bevor die Pleite öffentlich wird, lässt sich der Geschäftsführer noch seinen Bonus überweisen. „Der hat seine Schäfchen ins Trockene gebracht“, schimpft Murat aus der Buchhaltung.
Herr Nowak zahlt seit dreißig Jahren in eine private Rentenversicherung ein. „Der bringt seine Schäfchen ins Trockene“, sagt seine Tochter, halb spöttisch, halb bewundernd.
Zwei Wochen vor der Wahl wechselt der Staatssekretär in den Aufsichtsrat eines Energiekonzerns. Im Gruppenchat schreibt Leonie: „Da bringt wohl jemand seine Schäfchen ins Trockene.“
Häufige Fragen
Woher kommt „seine Schäfchen ins Trockene bringen“?
Das ist nicht sicher geklärt. Duden und Wander denken an Schafe, die man vor nassen, krankmachenden Weiden ins Trockene bringt. Belegt ist die Redensart schon im 16. Jahrhundert und im Niederdeutschen weit verbreitet.
Hat „seine Schäfchen ins Trockene bringen“ etwas mit Schiffen zu tun?
Das wird oft behauptet: Im niederdeutschen „Schepken“ stecke ein Schiffchen, das man an Land zieht. Das Grimmsche Wörterbuch hält dagegen, dass die alten Belege überall auf Schafe weisen. Die Schiffsdeutung ist also möglich, aber nicht bewiesen.
Wie sagt man „seine Schäfchen ins Trockene bringen“ auf Englisch?
Am nächsten kommt „to feather one’s nest“, wörtlich das eigene Nest auspolstern. Auch die englische Wendung meint, dass sich jemand bereichert, oft auf Kosten anderer.
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