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Bayerische Sprichwörter und Sprüche: Mundart mit Übersetzung und Bedeutung

Von „Ja mei“ bis „A gmahde Wiesn“: echte bayerische Sprüche und Redewendungen in Mundart, mit Hochdeutsch-Übersetzung und Bedeutung, sortiert nach Situation.

6 Minuten Lesezeit

Bayerische Sprichwörter und Sprüche sind kurz, trocken und oft hintersinniger, als sie klingen. „Ned gschimpft is globt gnua“ heißt „Nicht geschimpft ist gelobt genug“, „A Hund is a scho“ ist ein Kompliment, und „Do legst di nieder!“ hat mit Hinlegen nichts zu tun. Unten findest du die bekanntesten bayerischen Sprüche und Redewendungen in Mundart, jeweils mit Übersetzung ins Hochdeutsche und Bedeutung, sortiert nach Situation: Gelassenheit, Lob und Kritik, Ärger, Wirtshaus, dazu einige echte Sprichwörter.

Zwei Hinweise vorab. Erstens schreibt man den Dialekt „Bairisch“ mit i. Gesprochen wird er in Altbayern, also Ober- und Niederbayern und der Oberpfalz, außerdem in Österreich und Südtirol. In Franken und Bayerisch-Schwaben spricht man andere Dialekte. Zweitens gibt es keine verbindliche Rechtschreibung für Mundart. „Passt scho“ steht auch als „Basst scho“ auf T-Shirts, „woaß“ auch als „woass“. Wir verwenden jeweils eine verbreitete Schreibung.

Gelassenheit: die bayerische Grundhaltung

  • Ja mei (Ja mein): der bayerische Allzweck-Seufzer. Je nach Tonfall heißt er „Da kann man nichts machen“, „Was soll’s“ oder „Ach je“. Wer ihn hört, sollte keine weitere Diskussion erwarten.
  • Passt scho oder Basst scho (Passt schon): Alles in Ordnung. Wichtig für Zugezogene: Das ist kein lauwarmes Urteil, sondern oft schon das höchste Lob, das zu haben ist. Beim Einschenken heißt es auch einfach „genug“.
  • Nur ned hudln (Nur nicht hetzen): Immer mit der Ruhe. „Hudeln“ heißt hastig und schlampig arbeiten. Das hochdeutsche Gegenstück ist Eile mit Weile.
  • Schaun mer mal, dann sehn mer scho (Schauen wir mal, dann sehen wir schon): Abwarten, es wird sich zeigen. Berühmt gemacht hat den Satz Franz Beckenbauer, der ihn so oft sagte, dass er zu seinem Markenzeichen wurde. Ähnlich gelassen klingt hochdeutsch Kommt Zeit, kommt Rat.
  • Nix Gwiss woaß ma ned (Nichts Gewisses weiß man nicht): Genaues weiß man nicht. Die doppelte Verneinung ist Absicht. Der Satz gilt als Wahlspruch des Finessensepperl, eines Münchner Originals um 1800, der Liebesbriefe überbrachte und dafür vor allem eines brauchte: Verschwiegenheit.
  • Dahoam is dahoam (Daheim ist daheim): Nirgends ist es so schön wie zu Hause. „Dahoam“ meint dabei mehr als die Wohnung, eher den Ort, wo man hingehört. Seit 2007 heißt so auch eine Serie im Bayerischen Fernsehen.

Zur Gelassenheit gehört auch ein Satz, der Karl Valentin zugeschrieben wird: „Ich freu mich, wenn es regnet. Denn wenn ich mich nicht freu, regnet es auch.“

Lob, Kritik und Anerkennung

Mit Lob gehen Bayern sparsam um. Dafür gibt es eigene Formeln.

  • Ned gschimpft is globt gnua (Nicht geschimpft ist gelobt genug): Wenn keiner meckert, war es gut. Das ist das Motto vieler Chefs und Väter in Bayern und Österreich und erklärt, warum ein „Passt scho“ so viel wert ist.
  • A Hund is a scho (Ein Hund ist er schon): widerwillige Bewunderung für jemanden, der gerissen ist und mit Schlitzohrigkeit bekommt, was er will. Gemeint ist das als Anerkennung, nicht als Beleidigung.
  • Wer ko, der ko (Wer kann, der kann): selbstbewusster Kommentar zur eigenen Leistung, gern mit einem Grinsen. Der Legende nach überholte der Münchner Lohnkutscher Franz Xaver Krenkl im Englischen Garten die Kutsche von König Ludwig I. und rief ihm genau das zu.
  • Des is a gmahde Wiesn (Das ist eine gemähte Wiese): eine sichere Sache, ein Selbstläufer. Bei einer frisch gemähten Wiese ist die Arbeit schon getan.
  • A bisserl was geht immer (Ein bisschen etwas geht immer): Der Satz stammt aus der Fernsehserie „Monaco Franze“ von Helmut Dietl (1983). Dort ist er das Lebensmotto des Münchner Charmeurs, gespielt von Helmut Fischer, und meint vor allem das Flirten. Heute sagt man ihn überall, wo noch Spielraum ist, etwa beim zweiten Stück Kuchen.

Ärger, Abfuhr und Staunen

  • Schleich di! (Schleich dich!): Verschwinde, hau ab. Deutlich, nicht höflich. In der Mehrzahl heißt es „Schleichts eich!“.
  • A so a Schmarrn! (So ein Unsinn!): Schmarrn ist eigentlich eine Mehlspeise, man kennt den Kaiserschmarrn. Im übertragenen Sinn heißt es Quatsch. Eine Steigerung: „Des geht di an Schmarrn o“, das geht dich überhaupt nichts an.
  • Glei foid da Watschnbaam um! (Gleich fällt der Ohrfeigenbaum um!): Drohung, dass gleich eine Ohrfeige fällig ist. Heute meist scherzhaft gemeint. Duden führt den Watschenbaum als bayrisch und österreichisch, dazu die Wendung „am Watschenbaum rütteln“, also eine Ohrfeige oder heftige Kritik herausfordern.
  • Do legst di nieder! (Da legst du dich hin!): Ausdruck größten Erstaunens, im Guten wie im Schlechten. Die lange Form lautet „Do legst di nieder und stehst nimmer auf“.
  • Obacht! (Achtung!): Pass auf. „Obacht geben“ heißt aufpassen. Duden führt das Wort als süddeutsch.
  • Zwiderwurzn und Grantler: Zwei Typen, die jeder in Bayern kennt. Die Zwiderwurzn ist ein mürrischer, widerborstiger Mensch, der Grantler einer, der dauernd vor sich hin schimpft, also grantelt. Beides wird oft fast liebevoll gesagt.
  • Zefix! oder Kruzifix!: Flüche mit religiösem Hintergrund. „Zefix“ ist die abgeschliffene Form von „Kruzifix“.

Ein kleines Wort gehört überall dazu: fei. Es verstärkt oder warnt: „Des is fei koid“ heißt so viel wie „Das ist aber wirklich kalt“. Hochdeutsch hat dafür kein exaktes Gegenstück.

Im Wirtshaus und bei der Brotzeit

  • Hock di her, dann samma mehra (Setz dich her, dann sind wir mehr), auch „Hau di hera, samma meara“: Einladung an den Tisch, auch an Fremde. Der Spruch steht für die bayerische Wirtshauskultur, in der man sich zu anderen dazusetzt.
  • Oans, zwoa, g’suffa! (Eins, zwei, gesoffen!): der Ruf zum Anstoßen. Er stammt aus dem Refrain von „In München steht ein Hofbräuhaus“ (1935). Kurios: Die Musik schrieb Wiga Gabriel, ein Berliner, und uraufgeführt wurde das Lied 1936 auf dem Dürkheimer Wurstmarkt in der Pfalz.
  • Hopfa und Moiz, Gott erhoit’s (Hopfen und Malz, Gott erhalt’s): alter Brauerspruch, den man auch außerhalb Bayerns kennt, hier aber besonders gern zitiert.
  • Des is ma wurscht (Das ist mir Wurst): Das ist mir egal. Die Wurst als Inbegriff der Gleichgültigkeit kennt man inzwischen überall, in Bayern liegt sie aber auch besonders oft auf dem Teller, allen voran die Weißwurst.

Wer nach dem ersten Bier aufstehen will, bekommt oft zu hören, dass man auf einem Bein nicht stehen kann. Diesen Spruch für die zweite Runde kennt man allerdings im ganzen deutschen Sprachraum, ebenso wie die Ausrede Einmal ist keinmal.

Bayerische Sprichwörter über Hof, Liebe und Selbstbild

  • Wia da Herr, so’s Gscherr (Wie der Herr, so das Geschirr): Wie der Bauer, so sein Hof und seine Leute. „Gscherr“ ist das Geschirr, im Bild das Zuggeschirr, und steht für alles und alle, die vom Herrn abhängen. Wer einen verlotterten Betrieb sieht, weiß, wer dafür verantwortlich ist. Den Gedanken kannte schon die Antike, im Hochdeutschen ist der Spruch als „Wie der Herr, so’s Gescherr“ verbreitet. Ein Verwandter ist Der Fisch stinkt vom Kopf her.
  • Liab vageht, Hektar bsteht (Liebe vergeht, Hektar besteht): ein bäuerlicher Spruch zur Partnerwahl. Grundbesitz hält länger als Verliebtheit. Er ist in Bayern genauso bekannt wie in anderen ländlichen Regionen.
  • Mia san mia (Wir sind wir): Ausdruck von Selbstbewusstsein und dem Gefühl, keinem etwas erklären zu müssen. Der Spruch stammt vermutlich aus Österreich und ist heute vor allem als Motto des FC Bayern München bekannt.

Liberalitas Bavariae: leben und leben lassen

Wer über bayerische Mentalität spricht, landet früher oder später bei „Liberalitas Bavariae“. Der lateinische Ausdruck geht auf eine Inschrift über dem Portal der Stiftskirche in Polling bei Weilheim zurück. Dort steht allerdings „Liberalitas Bavarica“, und gemeint war im 18. Jahrhundert die Freigebigkeit der bayerischen Herrscher, die das Kloster beschenkt hatten. Erst im 20. Jahrhundert wurde daraus ein Schlagwort für bayerische Toleranz und Gemütlichkeit, die Form „Bavariae“ verbreitete vor allem der Schriftsteller Georg Lohmeier mit seinem gleichnamigen Buch von 1971.

Gemeint ist heute etwas, das man auch hochdeutsch sagen kann: Leben und leben lassen. Jeder soll leben, wie er mag, solange er die anderen in Ruhe lässt. Und wer es zu bunt treibt, bekommt ein „Schleich di!“ zu hören.

Grüßen und Verabschieden

  • Grüß Gott: Gruß zu jeder Tageszeit, eigentlich „Grüß dich Gott“, also „Gott segne dich“.
  • Servus: zur Begrüßung und zum Abschied unter Leuten, die sich duzen.
  • Pfiat di (Behüt dich Gott): nur zum Abschied. Bei mehreren Leuten „Pfiat eich“, beim Siezen „Pfiat Eahna“.

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