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Not lehrt beten

Kurz gesagt

In großer Bedrängnis suchen auch Menschen Halt bei Gott oder bitten um Hilfe, die das sonst nie tun würden.

Auf Englisch
There are no atheists in foxholes

Was bedeutet „Not lehrt beten“?

„Not lehrt beten“ heißt: Wer in Gefahr oder großer Bedrängnis steckt, wendet sich an Gott, auch wenn er sonst wenig mit Religion zu tun hat. Das Sprichwort fällt bei starken Turbulenzen im Flugzeug, im Wartezimmer vor einer schweren Diagnose oder beim Elfmeterschießen, wenn plötzlich alle auf der Tribüne die Hände falten. Es beschreibt eine Erfahrung, die viele kennen: In der Krise wird man demütig.

Der Ton schwankt. Oft ist der Satz leicht spöttisch gemeint, als Kommentar zu Leuten, die nur dann fromm werden, wenn ihnen das Wasser bis zum Hals steht, und es danach schnell wieder vergessen. Er kann aber auch ernst und verständnisvoll klingen, etwa wenn jemand von einer schweren Zeit erzählt. Im weiteren Sinn passt er auf jede Lage, in der man aus Not um Hilfe bittet, die man vorher verschmäht hat, etwa wenn der stolze Sohn nach einem halben Jahr Funkstille kurz vor der Mietzahlung bei den Eltern anruft. Mit „Not macht erfinderisch“ teilt er das Thema, die Pointe ist eine andere: Dort macht die Not klug, hier macht sie klein.

Woher kommt „Not lehrt beten“?

Das Sprichwort ist seit dem frühen 17. Jahrhundert belegt. Wander verzeichnet 1873 unter „Noth“ die Form „Noth lehrt beten“ mit einer langen Liste von Quellen, an der Spitze die Sammlungen von Friedrich Petri (1605) und Georg Henisch (1616). In Grimmelshausens „Simplicissimus“ (1668/69) heißt es: „damals lernte mich die noth erst recht beten“, „lernen“ steht hier für „lehren“. Goethe setzt den Spruch in den „Venezianischen Epigrammen“, gedichtet 1790 und gedruckt 1796, als bekannt voraus und dreht ihn ironisch: „Noth lernt beten, sagt man; wer beten will lernen, der gehe / Nach Italien: Noth findet der Fremde gewiß.“

Der Gedanke ist viel älter. Schon der römische Dichter Lukrez stellt in „De rerum natura“ (3,53 f.) fest, in bitterer Lage wendeten sich die Menschen umso eifriger der Religion zu, meint das aber als Kritik am Aberglauben. Ein Bibelzitat ist das Sprichwort nicht, es berührt sich aber mit Psalm 50,15: „und rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten“. Widerspruch gab es auch: Karl Immermann hielt fest, es gebe Nöte, die nicht beten lehren.

Beispiele aus dem Alltag

  • Über den Alpen sackt das Flugzeug zweimal heftig ab. Jonas, der seit der Konfirmation in keiner Kirche war, murmelt etwas mit geschlossenen Augen. Seine Freundin flüstert: „Not lehrt beten, was?“

  • Beim Elfmeterschießen falten auf der Tribüne plötzlich auch die härtesten Fans die Hände. Der Stadionsprecher kommentiert trocken: „Not lehrt beten.“

  • Nach Monaten ohne Anruf meldet sich Murat kurz vor Monatsende bei seinen Eltern. Sein Vater sagt zu seiner Frau: „Not lehrt beten. Mal sehen, wie viel er braucht.“

Häufige Fragen

Ist „Not lehrt beten“ ein Bibelzitat?

Nein, „Not lehrt beten“ steht nicht in der Bibel. Verwandt ist Psalm 50,15, in der Lutherbibel: „und rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten“. Das Sprichwort beschreibt aber eher nüchtern, wie Menschen sich in Krisen verhalten.

Was meinte Goethe mit „Noth lernt beten“?

In seinen „Venezianischen Epigrammen“ zitiert Goethe „Not lehrt beten“ als bekanntes Sprichwort und spottet: Wer beten lernen wolle, solle nach Italien reisen, dort finde der Fremde Not genug. „Lernen“ hatte damals auch die Bedeutung „lehren“.

Wie sagt man „Not lehrt beten“ auf Englisch?

Am nächsten kommt „There are no atheists in foxholes“: Im Schützenloch gibt es keine Atheisten. Das englische Bild stammt aus dem Krieg, die Aussage ist dieselbe wie bei „Not lehrt beten“.

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