Not kennt kein Gebot
Kurz gesagt
In einer echten Notlage setzen sich Menschen über Regeln, Gesetze und Verbote hinweg, die sonst gelten.
- Auf Englisch
- Necessity knows no law
- Auch gesagt
- Not hat kein Gebot
- Not hat kein Gesetz
Was bedeutet „Not kennt kein Gebot“?
Not kennt kein Gebot: Wer in höchster Bedrängnis ist, hält sich nicht mehr an Vorschriften, Gesetze oder Anstandsregeln. Man sagt das Sprichwort, um ein Verhalten zu erklären oder zu entschuldigen, das sonst nicht in Ordnung wäre. Der Wanderer bricht im Unwetter in eine verschlossene Hütte ein, die Familie heizt im kalten Winter mit Holz aus dem Stadtwald. Der Ton ist ernst und etwas altertümlich. Im Alltag wird der Satz auch scherzhaft gebraucht, etwa wenn jemand nachts den letzten Joghurt der Mitbewohnerin isst.
Das Sprichwort ist zweischneidig. Es beschreibt eine menschliche Tatsache, wird aber leicht zur Ausrede: Wer sich auf Not beruft, sollte wirklich in Not sein. Das Recht kennt mit Notwehr und Notstand eigene Regeln für solche Fälle, gibt aber keinen Freibrief. Historisch ist der Satz belastet, seit Reichskanzler Bethmann Hollweg ihn 1914 benutzte, um den Bruch des Völkerrechts zu rechtfertigen.
Woher kommt „Not kennt kein Gebot“?
Das Sprichwort hat ein lateinisches Gegenstück: „Necessitas non habet legem“, die Not hat kein Gesetz. Im Deutschen ist es seit dem 16. Jahrhundert belegt. Grimms Deutsches Wörterbuch zitiert „not hat kein gebot“ aus der Sprichwörtersammlung von Sebastian Franck (1541) und „noht hat kein gesetz“ aus Christoph Lehmanns Sammlung von 1630. Es verweist außerdem auf Hildebrands Sammlung deutscher Rechtssprichwörter, die den Satz so erklärt: Zur Abwehr einer besonderen Not werde nicht selten etwas gestattet, was sonst strafbar erscheine.
Traurige Berühmtheit erlangte das Sprichwort am 4. August 1914. Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg rechtfertigte im Reichstag den Einmarsch deutscher Truppen in das neutrale Luxemburg und Belgien damit, man befinde sich in der Notwehr, und „Not kennt kein Gebot“. In derselben Rede räumte er ein, dass Deutschland damit Belgien Unrecht tue.
Beispiele aus dem Alltag
Im Zeltlager ist der Proviant nach dem Unwetter durchgeweicht. „Not kennt kein Gebot“, sagt Betreuer Lukas und öffnet die Kekse, die eigentlich für den Abschlussabend gedacht waren.
Weil der letzte Zug ausfällt und kein Taxi kommt, übernachtet Selin auf dem Sofa im Büro ihres Chefs. Morgens schreibt sie ihm: „Not kennt kein Gebot. Der Kaffee geht auf mich.“
Ohne Leiter klettert Hausmeister Wenzel auf einen Drehstuhl, um bei Sturm das Dachfenster zu schließen. „Not kennt kein Gebot“, sagt er, als ihn die Sicherheitsbeauftragte erwischt.
Häufige Fragen
Wer hat „Not kennt kein Gebot“ gesagt?
Ein Urheber ist nicht bekannt, das Sprichwort ist seit dem 16. Jahrhundert belegt und hat ein lateinisches Vorbild. Berüchtigt wurde es durch Reichskanzler Bethmann Hollweg, der damit am 4. August 1914 den Einmarsch in Belgien rechtfertigte.
Was bedeutet „Gebot“ in diesem Sprichwort?
„Gebot“ heißt hier Vorschrift oder Gesetz, wie in den Zehn Geboten. Gemeint ist, dass in der Not Regeln nicht mehr gelten, die man sonst befolgen würde.
Wie heißt „Not kennt kein Gebot“ auf Latein und Englisch?
Auf Latein lautet der Satz „Necessitas non habet legem“, die Not hat kein Gesetz. Im Englischen sagt man „Necessity knows no law“.
Kurzer Test
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