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Krokodilstränen weinen

Kurz gesagt

Trauer, Reue oder Mitleid nur vortäuschen, ohne es wirklich zu empfinden.

Auf Englisch
To shed crocodile tears
Auch gesagt
Krokodilstränen vergießen

Was bedeutet „Krokodilstränen weinen“?

Wer Krokodilstränen weint, zeigt Trauer, Reue oder Mitgefühl, die nur gespielt sind. Das DWDS beschreibt Krokodilstränen als Tränen, die nicht aus Leid oder Schmerz vergossen werden, sondern um diese vorzutäuschen. Typisch ist der Konzernchef, der die Entlassungen „zutiefst bedauert“, die er selbst beschlossen hat, das Kind, das nach einem Streich erst dann laut schluchzt, wenn die Eltern hinsehen, oder der Politiker, der den Rücktritt eines Rivalen öffentlich beklagt.

Die Wendung ist abwertend und unterstellt Berechnung. In Kommentaren und Gesprächen dient sie dazu, geheuchelte Betroffenheit zu entlarven, etwa mit „Spar dir deine Krokodilstränen“. Bei Kindern ist sie oft milder gemeint, fast liebevoll, wenn klar ist, dass das Weinen eine Strafe abwenden soll. Gleichbedeutend ist „Krokodilstränen vergießen“. Das Wort steht fast immer im Plural, eine einzelne Krokodilsträne verdrückt man höchstens im Scherz.

Woher kommt „Krokodilstränen weinen“?

Das Bild geht auf eine alte Tierfabel zurück. Nach dem Etymologischen Wörterbuch von Wolfgang Pfeifer, das im DWDS steht, lässt sich die Fabel, das Krokodil beweine die Menschen, die es frisst, bis etwa ins Jahr 400 zurückverfolgen. Später deutete man sie um: Das Krokodil weine, um seine Opfer anzulocken. Erasmus von Rotterdam führt „Crocodili lachrymae“ um 1500 als Sprichwort, im 16. Jahrhundert folgt das Deutsche mit „Crocodilen Trähern“. Auch im mittelalterlichen Reisebuch des Jean de Mandeville heißt es von den Krokodilen, sie töteten Menschen und fräßen sie weinend.

Ganz aus der Luft gegriffen ist die Vorstellung nicht. Der Zoologe Kent Vliet und der Neurologe Malcolm Shaner berichteten 2007 in der Zeitschrift „BioScience“, dass fünf von sieben beobachteten Kaimanen und Alligatoren beim Fressen tatsächlich Tränenflüssigkeit absonderten. Mit Gefühlen hat das allerdings nichts zu tun.

Beispiele aus dem Alltag

  • Der Vorstand spricht von einem „schmerzhaften Schritt“ und streicht 300 Stellen. Im Pausenraum schnaubt Anja: „Der weint doch Krokodilstränen. Seine Boni bekommt er trotzdem.“

  • Als die Vase zu Bruch geht, schluchzt Mia herzzerreißend, aber nur, solange Papa im Zimmer ist. „Du weinst Krokodilstränen“, sagt er und muss schmunzeln.

  • Nach dem Rücktritt seines Rivalen gibt sich der Fraktionschef in der Pressekonferenz betroffen. In der Kommentarspalte steht: „Der weint Krokodilstränen, gestern hat er noch gegen ihn gestichelt.“

Häufige Fragen

Weinen Krokodile wirklich?

Krokodile und ihre Verwandten haben Tränendrüsen. Bei Kaimanen und Alligatoren wurde 2007 beobachtet, dass beim Fressen Tränenflüssigkeit austritt. Mit Trauer oder Reue hat das nichts zu tun.

Heißt es „Krokodilstränen“ oder „Krokodiltränen“?

Beides ist korrekt. Das DWDS führt beide Formen, an erster Stelle die mit Fugen-s, also „Krokodilstränen“.

Wie sagt man „Krokodilstränen weinen“ auf Englisch?

„To shed crocodile tears“. Das Englische kennt dasselbe Bild und dieselbe Bedeutung.

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