Jemandem Honig ums Maul schmieren
Kurz gesagt
Jemandem mit Hintergedanken schmeicheln, um ihn für sich einzunehmen oder etwas von ihm zu bekommen.
- Auf Englisch
- To butter someone up
- To sweet-talk someone
- Auch gesagt
- Jemandem Honig um den Mund schmieren
- Jemandem Honig um den Bart schmieren
Was bedeutet „Jemandem Honig ums Maul schmieren“?
Wer jemandem Honig ums Maul schmiert, überhäuft ihn mit Komplimenten und süßen Worten, und zwar meist mit einem Hintergedanken. Der Azubi, der die Chefin kurz vor der Urlaubsplanung für ihre Frisur lobt, der Sohn, der vor der Frage nach dem Auto plötzlich Mamas Kochkünste preist: Beide schmieren Honig ums Maul. Die Wendung ist umgangssprachlich und durch das derbe „Maul“ deutlich abwertend. Etwas feiner klingen die Varianten mit „um den Mund“ oder „um den Bart“.
Der Vorwurf zielt auf die Absicht, nicht auf das Lob selbst. Ein ehrliches Kompliment ist kein Honig ums Maul. Die Wendung unterstellt, dass die Freundlichkeit berechnet ist und mit der Meinung des Sprechers wenig zu tun hat. Deshalb wehrt man solche Schmeicheleien oft gleich mit ihr ab: „Du brauchst mir keinen Honig ums Maul zu schmieren, sag einfach, was du willst.“ Wer sie über sich selbst sagt („Ich schmier dir jetzt mal ein bisschen Honig ums Maul“), meint es augenzwinkernd und legt die Absicht offen.
Woher kommt „Jemandem Honig ums Maul schmieren“?
Das Bild erklärt sich fast von selbst: Honig ist süß, und süße Worte sollen das Gegenüber gnädig stimmen. Grimms Wörterbuch führt die Form „das maul mit honig beschmieren“ aus dem Sprachwerk des Grammatikers Justus Georg Schottelius im 17. Jahrhundert an. Aus den Lebenserinnerungen des schlesischen Adligen Hans von Schweinichen zitiert es: „schmierte ihm derowegen honig ins maul, und gab ihm galle zu trinken; denn es war nichts dahinter“. Schon dort steht der Honig für eine Freundlichkeit, hinter der nichts steckt.
Für die genaue Herkunft kursieren mehrere Geschichten. Man habe Tanzbären zur Belohnung Honig ums Maul gestrichen, heißt es, oder in China dem Küchengott die Lippen mit Honig bestrichen, damit er im Himmel nur Gutes über die Familie berichte. Als Ursprung der deutschen Wendung ist keine dieser Erklärungen belegt.
Beispiele aus dem Alltag
Kurz vor der Gehaltsrunde lobt Tim auffällig oft die „großartige Führung“ seines Abteilungsleiters. Seine Kollegin verdreht die Augen: „Der schmiert ihm doch nur Honig ums Maul.“
„Mama, du kochst echt besser als jedes Restaurant“, sagt Leon und lächelt breit. Seine Mutter lacht: „Du brauchst mir keinen Honig ums Maul zu schmieren. Wofür brauchst du das Auto?“
Der Vertreter lobt die Einrichtung, den Garten und sogar den Hund. Als er die Vertragsmappe auspackt, sagt Herr Weber trocken: „Genug Honig ums Maul geschmiert. Was kostet der Spaß?“
Häufige Fragen
Heißt es „Honig ums Maul“ oder „Honig um den Bart“?
Beides ist richtig. Duden nennt „um den Mund“, „ums Maul“ und „um den Bart“. „Ums Maul“ klingt am derbsten, „um den Bart“ etwas harmloser.
Ist „jemandem Honig ums Maul schmieren“ beleidigend?
Die Wendung unterstellt Berechnung und Unehrlichkeit und ist deshalb ein Vorwurf. Wegen des Wortes „Maul“ klingt sie außerdem derb. Unter Freunden wird sie aber oft scherzhaft gebraucht.
Wie sagt man das auf Englisch?
Passend sind „to butter someone up“ und „to sweet-talk someone“. Beide meinen schmeicheln mit Hintergedanken.
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