Zum Inhalt springen

Gang und gäbe

Kurz gesagt

Allgemein üblich und gebräuchlich, sodass sich niemand mehr darüber wundert.

Auf Englisch
common practice
the order of the day
Auch gesagt
Gäng und gäbe

Was bedeutet „Gang und gäbe“?

„Gang und gäbe“ heißt: allgemein üblich, gebräuchlich, normal. Was gang und gäbe ist, macht man so, ohne lange darüber nachzudenken: Kartenzahlung beim Bäcker, Homeoffice am Freitag, das Du unter Kollegen. Die Wendung steht fast immer mit „sein“ oder „werden“: „In großen Städten ist Carsharing längst gang und gäbe.“ Sie ist stilistisch neutral und passt in den Alltag ebenso wie in die Zeitung.

Oft schwingt ein Vergleich mit: Was heute gang und gäbe ist, war früher unvorstellbar, oder umgekehrt. Kritisch klingt die Wendung, wenn eine schlechte Praxis zur Gewohnheit geworden ist, etwa unbezahlte Überstunden. Häufige Fehler sind die Schreibungen „gang und gebe“ und „Gang und Gäbe“. Beide Wörter werden mitten im Satz kleingeschrieben, und das zweite schreibt man mit „ä“, weil es zu „geben“ gehört wie „Gabe“. Regional sagt man auch „gäng und gäbe“.

Woher kommt „Gang und gäbe“?

„Gang und gäbe“ ist eine stabreimende Zwillingsformel aus zwei alten Adjektiven, die es sonst nicht mehr gibt. „Gang“, mittelhochdeutsch „genge“, gehört zu „gehen“ und bezeichnete, was umläuft und verbreitet ist. „Gäbe“, mittelhochdeutsch „gæbe“, gehört zu „geben“ und bedeutete „annehmbar, willkommen, gut“, eigentlich: was sich leicht geben lässt. Zusammen hieß das: im Umlauf und als Zahlungsmittel angenommen.

Ursprünglich war die Formel ein Ausdruck des Münzwesens; Duden und Pfeifer beziehen sie auf Münzen und später auf Handelswaren. Röhrich zitiert schon den „Sachsenspiegel“ des Eike von Repgow aus dem frühen 13. Jahrhundert mit „geng und gêve“ und eine süddeutsche Urkunde von 1289 über einen Konstanzer Pfennig, „der denne genge und gaebe ist“. Luther übersetzte 1534 die Stelle, an der Abraham die Grabstätte für Sara bezahlt, mit Silber, „das im kauff geng und gebe war“; die Lutherbibel 2017 schreibt in 1. Mose 23,16 „das im Kauf gang und gäbe war“. Erst später wurde die Formel auf alles übertragen, was Sitte und Brauch ist.

Beispiele aus dem Alltag

  • „Früher hat man beim Bäcker bar bezahlt, heute ist Kartenzahlung gang und gäbe“, sagt Herr Nowak, als er sein Handy ans Lesegerät hält.

  • Aylin wundert sich im ersten Praktikum, dass sich alle duzen. Ihr Kollege lacht: „Das ist in Start-ups gang und gäbe.“

  • Im Interview kritisiert die Gewerkschafterin, dass unbezahlte Überstunden in der Pflege immer noch gang und gäbe seien.

Häufige Fragen

Was bedeuten „gang“ und „gäbe“?

Beide Wörter sind alte Adjektive, die nur noch in „gang und gäbe“ vorkommen. „Gang“ gehört zu „gehen“ und meinte „im Umlauf, verbreitet“, „gäbe“ gehört zu „geben“ und meinte „annehmbar, gültig“.

Schreibt man „gang und gäbe“ oder „gang und gebe“?

Richtig ist „gang und gäbe“, im Satz kleingeschrieben und mit „ä“. Die Schreibung „gang und gebe“ ist falsch, weil „gäbe“ auf mittelhochdeutsch „gæbe“ zurückgeht; auch „Gang und Gäbe“ mit großen Anfangsbuchstaben gilt als falsch.

Woher kommt „gang und gäbe“?

„Gang und gäbe“ stammt aus dem Münzwesen: So hießen Münzen, die im Umlauf waren und als Zahlungsmittel angenommen wurden. Belegt ist die Formel schon im „Sachsenspiegel“ aus dem frühen 13. Jahrhundert; später übertrug man sie auf Waren und schließlich auf alles Übliche.

Kurzer Test

Ganzes Quiz

Wie geht das Sprichwort weiter?

Der Hehler ist …

Ähnliche Sprichwörter

Alle zu Charakter und Moral
↑↓auswählen↵öffnen