Andere Länder, andere Sitten
Kurz gesagt
Jedes Land und jede Kultur hat eigene Gewohnheiten, die man nicht an den eigenen messen sollte.
- Auf Englisch
- So many countries, so many customs
- When in Rome, do as the Romans do
- Auch gesagt
- So manch Land, so manch Sitten
Was bedeutet „Andere Länder, andere Sitten“?
„Andere Länder, andere Sitten“ sagt man, wenn Bräuche, Umgangsformen oder Regeln woanders anders sind als zu Hause. In Japan zieht man die Schuhe aus, in Spanien isst man spät zu Abend, in Finnland geht man mit Kollegen in die Sauna. Der Satz fällt meist halb amüsiert, halb erklärend, oft im Urlaub, bei einem Austauschjahr oder wenn Gäste aus dem Ausland zu Besuch sind. Er passt ins Alltagsgespräch ebenso wie in einen Reisebericht.
Gemeint ist zunächst Gelassenheit: Fremde Gewohnheiten sind nicht falsch, nur anders. Manchmal steckt darin auch die Aufforderung, sich anzupassen, ähnlich wie im englischen „When in Rome, do as the Romans do“. Ironisch gewendet passt der Satz heute auch auf Firmen, Vereine oder Familien, die ihre eigenen Regeln haben („In der Buchhaltung gibt’s Kuchen nur freitags. Andere Länder, andere Sitten“). Gelegentlich klingt er auch herablassend, wenn jemand fremde Bräuche damit belächelt statt sie zu erklären.
Woher kommt „Andere Länder, andere Sitten“?
Der Gedanke ist alt und in vielen Sprachen verbreitet. Im Französischen heißt es „Autres pays, autres mœurs“, im Englischen „So many countries, so many customs“.
Ältere deutsche Sammlungen kennen die Form „So manch Land, so manch Sitten“. Wander verzeichnet sie im „Deutschen Sprichwörter-Lexikon“ unter dem Stichwort „Land“ mit Belegen unter anderem bei Friedrich Petri, dessen Sammlung Anfang des 17. Jahrhunderts erschien. Dort steht auch „Aller Lande Sitten sind nicht gleich“, dem Wander eine altenglische Entsprechung zur Seite stellt. Die heutige knappe Form „Andere Länder, andere Sitten“ führt Wander nur in einer derb erweiterten ostpreußischen Fassung nach Frischbier. Das DWDS nennt sie als feste sprichwörtliche Wendung unter „Land“ und „Sitte“. Wer die Kurzform zuerst geprägt hat, ist nicht bekannt.
Beispiele aus dem Alltag
Im Hostel in Tokio stellt Lena ihre Schuhe brav ins Regal am Eingang. „Andere Länder, andere Sitten“, schreibt sie in die Familiengruppe und schickt ein Foto von den Hausschlappen.
Der Austauschschüler aus Valencia wundert sich, dass bei Familie Krüger schon um sechs zu Abend gegessen wird. Herr Krüger lacht: „Andere Länder, andere Sitten. Bei euch wäre das noch Nachmittag.“
In der neuen Firma duzt sich sogar die Geschäftsführung mit den Azubis. „Andere Länder, andere Sitten“, murmelt Jens, der vorher zwanzig Jahre bei einer Bank war.
Häufige Fragen
Wie sagt man „Andere Länder, andere Sitten“ auf Englisch?
Eine wörtliche Entsprechung ist das ältere „So many countries, so many customs“. Am geläufigsten ist „When in Rome, do as the Romans do“, das zusätzlich rät, sich den Gepflogenheiten vor Ort anzupassen.
Ist „Andere Länder, andere Sitten“ abwertend gemeint?
In der Regel nicht. Der Satz drückt aus, dass fremde Bräuche einfach anders sind. Abwertend wird er erst, wenn jemand ihn mit spöttischem Unterton über Menschen sagt, deren Gewohnheiten er nicht ernst nimmt.
Was ist das französische Original von „Andere Länder, andere Sitten“?
Im Französischen lautet das Sprichwort „Autres pays, autres mœurs“. Es ist eine Parallele, kein nachgewiesenes Vorbild: Das Deutsche kannte schon früher die Form „So manch Land, so manch Sitte“.
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