Alte Bäume verpflanzt man nicht
Kurz gesagt
Einem alten Menschen soll man keinen Umzug und keine völlig neue Umgebung mehr zumuten, weil er dort schwer heimisch wird.
- Auch gesagt
- Einen alten Baum verpflanzt man nicht
- Einen alten Baum soll man nicht verpflanzen
- Alte Bäume sind schwer zu verpflanzen
Was bedeutet „Alte Bäume verpflanzt man nicht“?
„Alte Bäume verpflanzt man nicht“ heißt: Einem alten Menschen mutet man keinen Umzug und keine völlig neue Umgebung mehr zu. Das Bild kommt aus dem Garten: Ein junger Baum wächst nach dem Umsetzen leicht wieder an, ein alter mit weit verzweigten Wurzeln tut sich schwer. Man sagt es, wenn Kinder ihre betagten Eltern zu sich in eine andere Stadt holen wollen, wenn ein Heimplatz im Gespräch ist oder wenn sich jemand weigert, das Haus zu verlassen, in dem er sein Leben verbracht hat. Das DWDS umschreibt es so: Alten Leuten mutet man keine neue Umgebung zu.
Der Ton ist meist verständnisvoll, manchmal resigniert. Oft sagen es die Älteren selbst, als freundliche, aber klare Absage. Übertragen passt der Satz auch auf langjährige Mitarbeiter, die nicht mehr in eine neue Abteilung wechseln wollen, und auf eingefahrene Gewohnheiten. Der Duden nennt als übertragenes Beispiel zu „verpflanzen“ den Satz „alte Menschen lassen sich ungern verpflanzen“. Wer das Sprichwort benutzt, um jemandem jede Veränderung abzusprechen, macht es sich allerdings leicht.
Woher kommt „Alte Bäume verpflanzt man nicht“?
Das Sprichwort ist seit dem 19. Jahrhundert in Sammlungen belegt. Wander verzeichnet unter dem Stichwort „Baum“ die Fassung „Alte Bäume sind schwer zu verpflanzen (lassen sich nicht umsetzen)“ nach Körte und Steiger sowie „Ein alter Baum ist schwer zu verpflanzen“ nach Simrock. Er erklärt: „Personen in vorgerückten Jahren leben sich in neue Verhältnisse schwer ein.“ Dazu stellt er die lateinische Fassung „Antiquam arborem transplantare difficile est“ und fügt hinzu, „die Alten“ hätten gemeint, kein Baum dürfe umgesetzt werden, der unter zwei und über drei Jahre alt sei.
Die älteren Fassungen stellen fest, dass es schwer ist. Die heutige Form macht daraus eine Regel: Man soll es lassen. Das DWDS führt sie in der Einzahl als „Einen alten Baum verpflanzt man nicht“ und „Einen alten Baum soll man nicht verpflanzen“. Die Mehrzahl knüpft an Wanders „Alte Bäume sind schwer zu verpflanzen“ an.
Quellen
- DWDS: verpflanzen
- Duden: verpflanzen
- Wander: Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Stichwort ‚Baum‘
Stand:
Beispiele aus dem Alltag
Die Kinder wollen Opa Heinz nach Hamburg holen, damit er näher bei ihnen wohnt. Er schüttelt den Kopf: „Alte Bäume verpflanzt man nicht. Ich bleibe in meinem Dorf.“
Im Familienchat diskutieren Aylin und ihr Bruder, ob die Mutter in eine kleinere Wohnung ziehen soll. Die Tante schreibt dazwischen: „Alte Bäume verpflanzt man nicht. Fragt sie lieber, was sie selbst will.“
Herr Nowak soll mit 63 noch in die neue Zentrale nach Frankfurt wechseln. „Alte Bäume verpflanzt man nicht“, sagt er der Personalchefin und beantragt Altersteilzeit.
Häufige Fragen
Woher kommt „Alte Bäume verpflanzt man nicht“?
Das Bild stammt aus dem Gartenbau: Alte Bäume wachsen nach dem Umsetzen schwer wieder an. Wander verzeichnet im 19. Jahrhundert „Alte Bäume sind schwer zu verpflanzen“ und deutet es auf ältere Menschen, die sich in neue Verhältnisse schwer einleben.
Heißt es „Alte Bäume verpflanzt man nicht“ oder „Einen alten Baum verpflanzt man nicht“?
Beide Formen kommen vor. Das DWDS führt die Einzahl „Einen alten Baum verpflanzt man nicht“, die Mehrzahl „Alte Bäume verpflanzt man nicht“ knüpft an die ältere Fassung „Alte Bäume sind schwer zu verpflanzen“ an, die Wander verzeichnet.
Kurzer Test
Ganzes QuizWie geht das Sprichwort weiter?
Wie die Alten sungen, …