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Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht

Kurz gesagt

Wer am Gewohnten hängt, lehnt unbekanntes Essen oder Neues überhaupt ab, ohne es probiert zu haben.

Auch gesagt
Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht
Was der Bauer nicht kennt, isst er nicht

Was bedeutet „Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht“?

„Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht“ sagt man über Menschen, die Unbekanntes ablehnen, ohne es zu probieren. Meist geht es ums Essen: das Kind, das beim Anblick von Linsencurry die Gabel weglegt, der Kollege, der in der Kantine immer nur Schnitzel nimmt, die Tante, die vom Sushi nur die Gurke isst. Im weiteren Sinn passt der Satz auf jede Abwehr gegen Neues, von der neuen Software im Büro bis zum ungewohnten Musikstil.

Der Ton ist spöttisch, oft gutmütig, manchmal herablassend. Das derbe „frisst“ statt „isst“ und der Bauer als Figur machen den Satz zu einer Neckerei, die man in der Familie ohne Weiteres benutzt, gegenüber Fremden aber eher nicht. Viele sagen ihn auch selbstironisch über die eigene Mäkeligkeit. Mit echten Landwirten hat die heutige Verwendung wenig zu tun: Der Bauer steht für jemanden, der am Vertrauten festhält. Wer den Satz ernst meint, unterstellt dem anderen Engstirnigkeit, und so wird er auch verstanden.

Woher kommt „Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht“?

Das Sprichwort ist in vielen Mundarten belegt. Wander verzeichnet 1867 im ersten Band seines Sprichwörter-Lexikons die niederdeutsche Form „Wat de Bûr nich kennt, dat et (fret) he nich“ aus Göttingen und nennt gleichlautende Belege aus Oldenburg, Waldeck, Münster, Moers und der Steiermark. Hochdeutsch führt er es nach Karl Simrocks Sammlung und nach Grimms Wörterbuch an.

Wander erklärt, der Satz drücke „das tief eingewurzelte Mistrauen des Bauern gegen alles Neue“ aus, und zitiert die Beobachtung, die Küche der Landleute sei über die Zeit unverändert geblieben. Andere Einträge bei ihm zeigen dasselbe Motiv, etwa „Was versteht ein Bauer von Safran?“. Wann und wo das Sprichwort entstanden ist, lässt sich nicht genau sagen. Die Streuung der Mundartbelege zeigt aber, dass es im 19. Jahrhundert von Norddeutschland bis in die Steiermark bekannt war.

Quellen

  • Wander: Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Stichwort ‚Bauer (der)‘

Stand:

Beispiele aus dem Alltag

  • Emil schiebt die Pak-Choi-Stücke an den Tellerrand. Seine Mutter seufzt: „Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht. Probier doch wenigstens einen Bissen.“

  • Im Urlaub in Lissabon bestellt Uwe jeden Abend Pommes. Seine Frau lacht über die Speisekarte hinweg: „Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht, oder?“

  • Die Abteilung soll auf ein neues Ticketsystem umsteigen, doch alle schicken weiter E-Mails. „Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht“, sagt die IT-Leiterin und plant eine Schulung.

Häufige Fragen

Ist „Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht“ beleidigend?

Der Satz ist spöttisch, unter Freunden und in der Familie aber meist gutmütig gemeint. Gegenüber Fremden kann er herablassend wirken, weil er Engstirnigkeit unterstellt.

Heißt es „frisst“ oder „isst“?

Die bekannte Form lautet „frisst“, das derbe Verb gehört zum Witz des Spruchs. Mundartlich ist auch „isst“ belegt: Wander nennt für Göttingen beide Fassungen nebeneinander.

Was ist das Gegenteil von „Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht“?

Als Gegenstück passt „Probieren geht über Studieren“: erst kosten, dann urteilen. Eltern antworten auf mäkelige Kinder oft mit „Gegessen wird, was auf den Tisch kommt“.

Gibt es das Sprichwort auch auf Englisch?

Ein festes englisches Gegenstück gibt es nicht. Wer Unbekanntes auf dem Teller grundsätzlich verweigert, heißt dort ein „picky eater“.

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