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Ein voller Bauch studiert nicht gern

Kurz gesagt

Nach einem üppigen Essen ist man träge und kann schlecht lernen oder konzentriert nachdenken.

Auf Englisch
A full belly makes a dull brain
Auch gesagt
Voller Bauch studiert übel

Was bedeutet „Ein voller Bauch studiert nicht gern“?

„Ein voller Bauch studiert nicht gern“ heißt: Wer sich gerade satt gegessen hat, ist träge und taugt schlecht zum Lernen oder Nachdenken. Jeder kennt das Mittagstief nach Schnitzel mit Pommes, das Gähnen in der Vorlesung nach der Mensa, die zähe Lerngruppe nach dem Pizzaabend. Man sagt den Satz entschuldigend, wenn man selbst nicht mehr bei der Sache ist, oder neckend zu anderen, die nach dem Essen über ihren Büchern einnicken. Manche machen eine Regel daraus und essen vor Prüfungen nur leicht.

„Studieren“ meint hier kein Hochschulstudium. Das Wort geht auf lateinisch „studere“ zurück, sich eifrig um etwas bemühen, und bezeichnete in älterer Sprache besonders das Lernen der Lateinschüler. Das Sprichwort passt deshalb auf jede geistige Arbeit, vom Vokabellernen bis zur Steuererklärung. Ganz ohne Essen geht es allerdings auch nicht, und die alten Sammlungen wissen das: Wander verzeichnet ebenso „Der Bauch, so mit hunger ist beschwert, zu studieren nicht fast begehrt“, wobei „fast“ hier „sehr“ bedeutet. Der Ton ist humorvoll, belehrend wird der Satz erst im Mund von Lehrkräften.

Woher kommt „Ein voller Bauch studiert nicht gern“?

Das Sprichwort ist seit dem 16. Jahrhundert belegt. Wander (Stichwort ‚Bauch‘, Nr. 79) nennt als frühe Quellen Sebastian Franck (1541) und Georg Henisch (1616), später Christoph Lehmann und Karl Simrock. Es hat eine lateinische Entsprechung in Reimform, „Plenus venter non studet libenter“, ein voller Bauch studiert nicht gern, dazu den Vers „A studiis venter nimium distentus abhorret“: Ein zu sehr gefüllter Bauch scheut die Studien. Wander führt beide an, nennt dafür aber keine alten Belege. Wie alt der lateinische Reim ist und ob er dem deutschen vorausging, ist nicht geklärt.

Wander verzeichnet viele Verwandte, etwa „Voller Bauch studirt übel“ und „Je voller Bauch, je leerer Kopf“. Ähnliche Sprichwörter gibt es im Niederländischen („Een volle buik studeert niet gaarne“) und im Englischen. Bei Shakespeare heißt es in „Verlorene Liebesmüh“: „Fat paunches have lean pates“, dicke Bäuche haben magere Köpfe.

Quellen

Stand:

Beispiele aus dem Alltag

  • Nach dem Mittagessen in der Mensa dösen in der Statistikvorlesung die halben Reihen. Die Dozentin klappt den Laptop zu: „Ein voller Bauch studiert nicht gern. Wir machen zehn Minuten Pause.“

  • Am Abend vor der Matheklausur bestellt Murats Lerngruppe drei Familienpizzen. Um neun liegen alle auf dem Sofa, und Murat stöhnt: „Ein voller Bauch studiert nicht gern.“

  • „Erst die Vokabeln, dann der Kaiserschmarrn“, sagt Frau Petersen zu ihrer Tochter. „Ein voller Bauch studiert nicht gern.“

Häufige Fragen

Woher kommt „Ein voller Bauch studiert nicht gern“?

„Ein voller Bauch studiert nicht gern“ ist seit dem 16. Jahrhundert belegt, Wander nennt Sebastian Franck (1541) als frühe Quelle. Daneben gibt es die lateinische Reimform „Plenus venter non studet libenter“, deren Alter aber nicht geklärt ist.

Was bedeutet „studieren“ in „Ein voller Bauch studiert nicht gern“?

„Studieren“ heißt hier allgemein lernen oder geistig arbeiten. Das Wort kommt von lateinisch „studere“, sich eifrig bemühen, und meinte in älterer Sprache vor allem das Lernen der Lateinschüler, lange bevor man dabei an Universitäten dachte.

Wie heißt „Ein voller Bauch studiert nicht gern“ auf Lateinisch?

Die bekannteste lateinische Fassung von „Ein voller Bauch studiert nicht gern“ lautet „Plenus venter non studet libenter“. Wander verzeichnet außerdem den Vers „A studiis venter nimium distentus abhorret“: Ein zu voller Bauch scheut das Lernen.

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