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Was der August nicht kocht, lässt der September ungebraten

Kurz gesagt

Obst und Trauben, die im August nicht genug Wärme bekommen haben, reifen im kühleren September nicht mehr richtig nach.

Monat
August
Auch gesagt
Was Juli und August nicht kochen, das lässt der September ungebraten
Was der August nicht vermocht, kein September mehr kocht

Was bedeutet „Was der August nicht kocht, lässt der September ungebraten“?

„Was der August nicht kocht, lässt der September ungebraten“ heißt: Was im August nicht reif geworden ist, holt der September nicht mehr auf. „Kochen“ und „braten“ stehen für die Sonnenwärme, die Obst, Trauben und Getreide reifen lässt, „ungebraten“ für unreif. Die Regel blickt also zurück auf den Sommer und sagt kein Wetter voraus. Zitiert wird sie, wenn Ende August noch grüne Tomaten am Strauch hängen oder die Trauben sauer schmecken. Wander gibt ihr den Merksatz „Nimm die Zeit wahr! Hin ist hin!“ mit, und so lässt sie sich auch übertragen gebrauchen: Wer die günstige Zeit verpasst, kann später nicht alles nachholen.

Im Kern stimmt das. Der August ist nach dem Juli der zweitwärmste Monat, im Mittel 17,5 Grad, und im Lauf des Monats wird der lichte Tag in Berlin um fast zwei Stunden kürzer. Im September fehlen Wärme und Licht, die Nächte werden kalt. Ganz verloren ist ein kühler August trotzdem nicht. Andere Regeln setzen gerade auf den September, etwa „Was der September nicht kocht und brät, dann an der Traube nicht geräth“, und für den Wein zählt auch die Sonne im Herbst.

Woher kommt „Was der August nicht kocht, lässt der September ungebraten“?

Wander verzeichnet die Regel in seinem „Deutschen Sprichwörter-Lexikon“ (1867–1880) unter dem Stichwort „August“. Als Quellen nennt er Karl Simrocks Sammlung „Die deutschen Sprichwörter“ von 1846 und, deutlich älter, den „Teutsch-juristischen Sprichwörterschatz“ von Georg Tobias Pistorius, erschienen 1716 bis 1725. Damit ist sie seit dem frühen 18. Jahrhundert belegt. Eine polnische Parallele lautet übersetzt: Was der August nicht gar kocht, röstet der September nicht.

Daneben steht die Fassung mit zwei Monaten: „Was Juli und August nicht kochen, das lässt der September ungebraten“. Wander belegt sie unter anderem mit Joachim Christian Blums Deutschem Sprichwörterbuch vom Ende des 18. Jahrhunderts und erklärt, von den beiden wärmsten Monaten hänge besonders ab, ob Obst und Wein geraten. Heute verbreitet ist außerdem die Form „Was der August nicht vermocht, kein September mehr kocht“. Wer die Regel zuerst aufgeschrieben hat, ist nicht bekannt.

Beispiele aus dem Alltag

  • Ende August hängen in Hans-Jürgens Kleingarten noch lauter grüne Tomaten. Nachbarin Ilse schüttelt den Kopf: „Was der August nicht kocht, lässt der September ungebraten. Mach lieber Chutney draus.“

  • Auf dem Weingut in der Pfalz probiert Kellermeisterin Lea die ersten Beeren. „Noch sauer“, sagt sie, „und was der August nicht kocht, lässt der September ungebraten. Wir brauchen jetzt jeden Sonnentag.“

  • Zwei Wochen vor der Abschlussprüfung will Ben den Stoff eines ganzen Halbjahres nachholen. Seine Mutter seufzt: „Was der August nicht kocht, lässt der September ungebraten.“

Häufige Fragen

Was bedeutet „ungebraten“ in der Bauernregel?

„Ungebraten“ heißt in „Was der August nicht kocht, lässt der September ungebraten“ so viel wie unreif. Kochen und Braten sind Bilder für die Sonnenwärme, die Früchte reifen lässt.

Stimmt die Bauernregel „Was der August nicht kocht, lässt der September ungebraten“?

Im Kern ja. Der August ist der zweitwärmste Monat, im September werden die Tage kürzer und die Nächte kühler, Versäumtes holt die Natur dann nur noch teilweise nach. Für Trauben kann ein sonniger Herbst aber noch einiges ausgleichen.

Wie alt ist die Regel „Was der August nicht kocht, lässt der September ungebraten“?

Sie ist seit dem frühen 18. Jahrhundert belegt. Wander nennt als Quelle unter anderem den „Teutsch-juristischen Sprichwörterschatz“ von Georg Tobias Pistorius (1716–1725) und Simrocks Sprichwortsammlung von 1846.

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