Was dem einen sin Uhl, ist dem andern sin Nachtigall
Kurz gesagt
Was dem einen missfällt oder schadet, gefällt oder nützt dem anderen: Geschmäcker und Interessen sind verschieden.
- Auf Englisch
- One man’s meat is another man’s poison
- One man’s trash is another man’s treasure
- Auch gesagt
- Wat den eenen sin Ul, is den annern sin Nachtigall
- Wat den einen sin Uhl is, is den annern sin Nachtigal
Was bedeutet „Was dem einen sin Uhl, ist dem andern sin Nachtigall“?
„Was dem einen sin Uhl, ist dem andern sin Nachtigall“ heißt: Was der eine als lästig oder hässlich empfindet, ist für den anderen gerade das Schönste. Hochdeutsch lautet der Satz „Was für den einen seine Eule ist, ist für den anderen seine Nachtigall“. „Uhl“ ist das niederdeutsche Wort für Eule, „sin“ heißt sein. Man sagt ihn, wenn Vorlieben weit auseinandergehen: beim Streit über laute Musik, über Großstadt oder Dorf, über Regenwetter, das die einen verfluchen und die anderen für den Garten herbeisehnen.
DWDS nennt daneben eine verwandte Lesart: Was für den einen gut ist, muss es für den anderen nicht sein. Dann geht es um Vorteil und Nachteil, etwa wenn ein Sturm den Urlaubern den Strandtag verdirbt und den Surfern Wellen bringt. Der Ton ist gutmütig und ein wenig belehrend, oft mit einem Augenzwinkern, weil die halb plattdeutsche Form launig klingt. Er beendet eher einen Streit, als dass er ihn entscheidet. Die Schreibung schwankt, da es fürs Plattdeutsche keine feste Rechtschreibung gibt.
Woher kommt „Was dem einen sin Uhl, ist dem andern sin Nachtigall“?
Das Sprichwort kommt aus dem Niederdeutschen. Den bekanntesten literarischen Beleg liefert Fritz Reuters Roman „Ut mine Stromtid“ (erster Teil 1862). Im vierten Kapitel leitet der Erzähler mit dem Satz „Wat den einen sin Uhl is, is den annern sin Nachtigal“ von Bräsigs Ärger zum neuen Hausfrieden bei Jochen Nüßler über: Was den einen verdrießt, bringt dem anderen Ruhe. Ob Reuter den Spruch schon vorfand oder prägte, lässt sich nicht sicher sagen. Wanders „Deutsches Sprichwörter-Lexikon“ führt ihn 1867 unter „Eule“ gleich zweimal, einmal nach einer Sammlung von Günther, einmal mit der Herkunftsangabe Mecklenburg, Reuters Heimat.
Das Bildpaar ist alt. Eule und Nachtigall stehen in vielen Sprichwörtern als Gegensätze, Wander verzeichnet etwa „Die Eule singt nicht wie die Nachtigall“ und „Eulen und Nachtigallen schlagen nicht aus Einem Tone“. Gemeint ist der Abstand zwischen dem rauen Ruf der Eule und dem Gesang der Nachtigall. DWDS führt heute die halb hochdeutsche Fassung mit „Was dem einen“ als Stichwort.
Beispiele aus dem Alltag
Jonas freut sich über den Dauerregen, endlich muss er den Rasen nicht sprengen. Seine Nachbarin wollte eigentlich grillen. „Tja, was dem einen sin Uhl, ist dem andern sin Nachtigall“, sagt sie und klappt den Schirm auf.
Aylin findet das Großraumbüro furchtbar, ihr Kollege Malte blüht darin auf. „Was dem einen sin Uhl, ist dem andern sin Nachtigall“, meint die Teamleiterin und richtet eine ruhige Ecke ein.
Opa Hinnerk schüttelt den Kopf über den Techno, den sein Enkel hört. „Na ja“, brummt er, „wat den eenen sin Ul, is den annern sin Nachtigall.“
Häufige Fragen
Was heißt „Uhl“?
„Uhl“ ist das niederdeutsche Wort für die Eule. „Was dem einen sin Uhl, ist dem andern sin Nachtigall“ bedeutet also: Was für den einen eine Eule ist, ist für den anderen eine Nachtigall.
Von wem stammt „Was dem einen sin Uhl, ist dem andern sin Nachtigall“?
Ein Urheber ist nicht bekannt. Der bekannteste literarische Beleg steht in Fritz Reuters Roman „Ut mine Stromtid“ von 1862. Wander verzeichnet ihn wenig später als Sprichwort aus Mecklenburg.
Wie sagt man „Was dem einen sin Uhl, ist dem andern sin Nachtigall“ auf Englisch?
Am nächsten kommt „One man’s meat is another man’s poison“. Geht es um Dinge, die der eine wegwirft und der andere schätzt, passt auch „One man’s trash is another man’s treasure“.
Kurzer Test
Ganzes QuizWie geht das Sprichwort weiter?
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