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Über Geschmack lässt sich nicht streiten

Kurz gesagt

Was jemandem gefällt, ist Ansichtssache: Bei Fragen des Geschmacks gibt es kein Richtig oder Falsch, also lohnt kein Streit darüber.

Auf Englisch
There’s no accounting for taste
Each to their own
Auch gesagt
Über den Geschmack lässt sich nicht streiten

Was bedeutet „Über Geschmack lässt sich nicht streiten“?

„Über Geschmack lässt sich nicht streiten“ heißt: Ob einem etwas gefällt, ist eine persönliche Frage, die sich mit Argumenten nicht entscheiden lässt. Das DWDS umschreibt es so, dass sich nicht objektiv bestimmen lässt, was guter oder schlechter Geschmack ist. Man sagt es bei Kleidung, Musik, Essen, Einrichtung oder Urlaubszielen, oft um eine Diskussion freundlich zu beenden, bevor sie hitzig wird. Der Ton ist umgangssprachlich und versöhnlich.

Häufig steckt allerdings ein leiser Spott darin. Wer zu Socken in Sandalen nur „Über Geschmack lässt sich nicht streiten“ sagt, lässt durchblicken, dass er es selbst scheußlich findet, aber höflich bleiben will. Ebenso oft wird der Satz ironisch gebrochen, wenn danach doch ausgiebig gestritten wird. Die scherzhafte Schwester lautet „Die Geschmäcker sind verschieden“. Für Fragen, die sich prüfen lassen, taugt der Satz nicht: Ob ein Text Fehler enthält oder ein Gericht verdorben ist, ist keine Geschmackssache.

Woher kommt „Über Geschmack lässt sich nicht streiten“?

Wander verzeichnet im „Deutschen Sprichwörter-Lexikon“ (1867–1880) „Ueber den Geschmack lässt sich nicht streiten“ und stellt das lateinische „De gustu non est disputandum“ sowie französische und italienische Entsprechungen daneben. Knapp achtzig Jahre früher hieß es noch „disputieren“: Immanuel Kant nennt in der „Kritik der Urteilskraft“ (1790, § 56) den Satz „über den Geschmack läßt sich nicht disputieren“ einen Gemeinort, also eine geläufige Redensart. Er unterscheidet das Disputieren, bei dem man mit Beweisen entscheiden will, vom bloßen Streiten und hält fest, über Geschmack lasse sich „streiten (obgleich nicht disputieren)“.

Das lateinische „De gustibus non est disputandum“ wird gern der Antike oder der mittelalterlichen Scholastik zugeschrieben. Ein Beleg aus diesen Epochen ist aber nicht bekannt. Die ältesten bisher gefundenen Stellen stammen aus der frühen Neuzeit, darunter ein juristischer Text von 1628 und eine Anmerkung von Leibniz (1718). Wo und wann der Spruch zuerst aufkam, ist nicht geklärt.

Beispiele aus dem Alltag

  • Aylin hat sich die Haare grasgrün gefärbt, ihre Oma ist entsetzt. Aylins Bruder grinst nur: „Über Geschmack lässt sich nicht streiten, Oma.“

  • In der WG-Gruppe tobt seit dreißig Nachrichten eine Debatte über Ananas auf Pizza. Jonas schreibt: „Über Geschmack lässt sich nicht streiten. Ich bestell trotzdem Hawaii.“

  • Herr Nowak findet die neue Fassade des Rathauses scheußlich, seine Kollegin ist begeistert. „Über Geschmack lässt sich nicht streiten“, sagt er schließlich, „über die Kosten schon.“

Häufige Fragen

Woher kommt „Über Geschmack lässt sich nicht streiten“?

Die Redensart ist die deutsche Form des lateinischen „De gustibus non est disputandum“. Kant führt sie 1790 noch mit „disputieren“ an, Wander verzeichnet im 19. Jahrhundert die heutige Form mit „streiten“.

Ist „De gustibus non est disputandum“ ein Zitat aus der Antike?

Nein. Der lateinische Spruch ist bei keinem antiken Autor belegt, auch wenn er oft für römisch gehalten wird. Die ältesten bekannten Belege stammen aus dem 17. und 18. Jahrhundert.

Was meinte Kant mit „Über den Geschmack lässt sich streiten“?

Kant unterscheidet in der „Kritik der Urteilskraft“ zwischen Disputieren und Streiten. Über Geschmack lasse sich nicht mit Beweisen disputieren, wohl aber streiten, weil man beim Streiten trotzdem hofft, sich zu einigen.

Wie sagt man „Über Geschmack lässt sich nicht streiten“ auf Englisch?

Die übliche Entsprechung ist „There’s no accounting for taste“. Lockerer sagt man „Each to their own“, also: Jeder, wie er mag.

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