Über den Jordan gehen
Kurz gesagt
Salopp für sterben; übertragen auch: kaputtgehen, verloren gehen oder pleitegehen.
- Ursprung
- Aus der Bibel
- Auf Englisch
- to cross over Jordan
- to kick the bucket
- Auch gesagt
- Übern Jordan gehen
- Jemanden über den Jordan schicken
Was bedeutet „Über den Jordan gehen“?
Wer über den Jordan geht, stirbt. Die Wendung ist salopp und umschreibt den Tod mit einem gewissen Galgenhumor, ähnlich wie „den Löffel abgeben“ oder „ins Gras beißen“. Man benutzt sie eher über Fremde, über Filmfiguren oder in Gedankenspielen („Wenn ich mal über den Jordan gehe …“) als bei einem frischen Trauerfall in der Familie, wo sie respektlos wirken würde. Eng verwandt ist „jemanden über den Jordan schicken“, also töten.
Mindestens so häufig ist heute die übertragene Bedeutung. Auch Dinge gehen über den Jordan: die alte Waschmaschine, eine Festplatte, ein Firmenprojekt, ein Laden in der Innenstadt oder Geld an der Börse. Gemeint ist dann, dass etwas kaputtgeht, eingestellt wird oder verloren ist. Das DWDS führt beide Bedeutungen und markiert die Wendung als salopp. Daneben gibt es die gleichbedeutende regionale Wendung „über die Wupper gehen“. In Nachrufen und Beileidskarten steht dagegen „von uns gegangen“ oder „verstorben“.
Woher kommt „Über den Jordan gehen“?
Die Wendung greift ein biblisches Bild auf. Der Jordan war für das Volk Israel die letzte Grenze vor dem verheißenen Land. Mose darf sie nicht mehr überschreiten; in der Lutherbibel heißt es in 5. Mose 3,27: „denn du wirst nicht über den Jordan gehen“. Erst unter Josua zieht das Volk durch den Fluss ins Gelobte Land (Josua 3). In der christlichen Erbauungsliteratur, besonders im Pietismus, wurde das verheißene Land zum Bild für den Himmel und der Jordan zum Grenzfluss zwischen Leben und Tod, vergleichbar dem Styx der griechischen Sage.
Aus dieser frommen Vorstellung wurde später eine saloppe Umschreibung. Bekannt ist der Satz aus Ulrich Plenzdorfs „Die neuen Leiden des jungen W.“ (1973), in dem der tote Edgar Wibeau sagt: „Daß ich dabei über den Jordan ging, ist echter Mist.“ Möglicherweise hat auch das englische „to cross over Jordan“ mitgewirkt, das ebenfalls sterben bedeutet. Wann die saloppe Form aufkam, lässt sich nicht genau bestimmen.
Quellen
- Lutherbibel 2017: 5. Mose 3,27
- DWDS: über den Jordan gehen
- Wiktionary: über den Jordan gehen
- Ulrich Plenzdorf: Die neuen Leiden des jungen W. (1973)
Stand:
Beispiele aus dem Alltag
Im Sonntagskrimi erwischt es schon nach zehn Minuten den Hausmeister. „Der ist ja schnell über den Jordan gegangen“, sagt Uwe und greift zu den Chips.
Nach zwölf Jahren gibt der Rasenmäher von Familie Wolff endgültig auf. „Der ist über den Jordan gegangen“, sagt Vater Klaus und fährt zum Baumarkt.
Die Bäckerei an der Ecke hat zugemacht, der Plattenladen auch. „Noch ein Jahr, dann geht hier das letzte Café über den Jordan“, fürchtet Frau Reimann.
Häufige Fragen
Steht „über den Jordan gehen“ in der Bibel?
Die Worte stehen dort, aber in anderem Sinn. In 5. Mose 3,27 sagt Gott zu Mose: „denn du wirst nicht über den Jordan gehen“. Gemeint ist das Überschreiten des Flusses ins verheißene Land. Die Bedeutung ‚sterben‘ entstand erst durch die spätere christliche Deutung.
Was ist mit dem Jordan gemeint?
Der Jordan ist der Fluss, den das Volk Israel nach der Bibel überquerte, um ins verheißene Land zu gelangen. In der christlichen Tradition wurde er zum Bild für die Grenze zwischen Leben und Tod.
Ist „über den Jordan gehen“ respektlos?
„Über den Jordan gehen“ ist salopp und klingt bei einem echten Trauerfall respektlos. Über Gegenstände, Firmen oder Filmfiguren gesagt, ist die Wendung dagegen harmlos.
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