Ins Gras beißen
Kurz gesagt
Sterben, besonders gewaltsam oder im Kampf; übertragen auch scheitern oder verlieren.
- Auf Englisch
- to bite the dust
- to kick the bucket
- Auch gesagt
- Jemanden ins Gras beißen lassen
Was bedeutet „Ins Gras beißen“?
Wer ins Gras beißt, stirbt. Ursprünglich dachte man an Soldaten, die auf dem Schlachtfeld fallen, und bis heute klingt das Gewaltsame mit: In Kriegsberichten, Western und Krimis beißen die Bösewichte reihenweise ins Gras. Die Wendung ist salopp, das DWDS stuft sie als derb ein. Bei einem Trauerfall in der Familie wäre sie taktlos.
Häufig wird sie übertragen gebraucht, für alles, was scheitert oder verschwindet. Im Sport beißen Mannschaften ins Gras, die ausscheiden oder absteigen, in der Wirtschaft Firmen, die pleitegehen, im Alltag Geräte, die den Geist aufgeben. Dann ist der Ton scherzhaft und die Härte des Bildes gemildert. Ähnlich salopp sind „den Löffel abgeben“ und „über den Jordan gehen“, die aber nicht ans Schlachtfeld denken lassen.
Woher kommt „Ins Gras beißen“?
Das Bild des sterbenden Kriegers, der im Todeskampf in die Erde beißt, kennt schon die Antike. In Homers „Ilias“ (2,418) stürzen Krieger in den Staub und beißen in die Erde, ähnlich schildert es Vergil in der „Aeneis“ (11,418 und 11,668 f.). Französisch „mordre la poussière“ und englisch „to bite the dust“ führen dieses Bild weiter. Ob die deutsche Form unmittelbar davon abstammt, ist nicht belegt; im Deutschen beißt man ins Gras, nicht in den Staub.
Belegt ist die Wendung seit dem 17. Jahrhundert. Johannes Bilger schreibt 1630 in seinem „Veredicus Germanus“ von einem gefallenen Offizier, er habe „ins Graß gebissen“, und Justus Georg Schottel nennt sie 1663 eine „jedem bekante gebräuchliche Redart“. Johann Christoph Adelung hielt 1774 auch eine Herleitung von einem alten „baißen“ für „vom Pferd absteigen“ für möglich.
Quellen
- DWDS: ins Gras beißen
- Wikipedia: Ins Gras beißen
- Homer: Ilias, 2. Gesang
- Justus Georg Schottel: Ausführliche Arbeit von der teutschen Haubt Sprache (1663)
Stand:
Beispiele aus dem Alltag
Im Western, den Paul am Sonntagabend schaut, beißen schon in der ersten halben Stunde fünf Banditen ins Gras.
„Mein alter Laptop hat endlich ins Gras gebissen“, schreibt Merve. „Zwölf Jahre hat er durchgehalten.“
Am letzten Spieltag beißt der Tabellenvorletzte ins Gras und steigt in die Kreisliga ab.
Häufige Fragen
Ist „ins Gras beißen“ respektlos?
„Ins Gras beißen“ ist salopp und wird im DWDS als derb markiert. Über einen Verstorbenen, um den jemand trauert, sollte man es nicht sagen, über Filmfiguren, Geräte oder Firmen ist es üblich.
Was bedeutet „ins Gras beißen“ im Sport?
Im Sport heißt „ins Gras beißen“, eine Niederlage einzustecken, auszuscheiden oder abzusteigen. Das Bild vom Sterben ist dann nur noch scherzhaft gemeint.
Wie sagt man „ins Gras beißen“ auf Englisch?
Die genaue Entsprechung ist „to bite the dust“, also in den Staub beißen. Für sterben sagt man salopp auch „to kick the bucket“.
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