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Es faustdick hinter den Ohren haben

Kurz gesagt

Gerissener und durchtriebener sein, als man aussieht; hinter einer harmlosen Fassade Schlauheit und Hintergedanken haben.

Auf Englisch
to be a sly dog
to be a sly fox
Auch gesagt
Es hinter den Ohren haben
Es knüppeldick hinter den Ohren haben

Was bedeutet „Es faustdick hinter den Ohren haben“?

Wer es faustdick hinter den Ohren hat, ist schlauer und gewiefter, als er wirkt. Typisch ist der Gegensatz zwischen Erscheinung und Wirklichkeit: das brave Kind mit den großen Augen, das den Babysitter geschickt austrickst, oder die stille Kollegin, die in der Verhandlung plötzlich alle Trümpfe zieht. Die Wendung ist umgangssprachlich und klingt oft anerkennend, manchmal sogar liebevoll. Wer sie gebraucht, ist meist eher beeindruckt als empört.

Sie kann aber auch warnen: „Pass auf, der hat es faustdick hinter den Ohren“ heißt, dass man jemandem nicht ohne Weiteres trauen sollte. Wiktionary führt außerdem eine Verwendung für Dinge an: Ein Film, ein Wein oder ein Motorrad „hat es faustdick hinter den Ohren“, wenn er mehr Wirkung oder Kraft hat, als man zunächst glaubt. Das „es“ bleibt dabei immer unbestimmt. Gesagt wird nie, was genau hinter den Ohren sitzt, und gerade diese Andeutung macht den Reiz der Wendung aus.

Woher kommt „Es faustdick hinter den Ohren haben“?

Der Duden-Band „Redewendungen“ führt die Wendung auf einen alten Volksglauben zurück: Schalk und Verschlagenheit säßen als kleine Dämonen hinter den Ohren und verrieten sich dort durch dicke Wülste. Verwandt ist die Vorstellung, jemandem sitze „der Schalk im Nacken“. „Faustdick“ steigert das Bild: Bei diesem Menschen ist die Schwellung so groß wie eine Faust.

Im 19. Jahrhundert ist die Wendung gut belegt. Grimms Deutsches Wörterbuch nennt im Artikel „faustdick“ das Beispiel „er hat es faustdick hinter den ohren“. Wander verzeichnet die kürzere Form „Er hat es hinter den Ohren“ und erklärt sie mit einem Menschen, „der still und einfältig aussieht, zu seiner Zeit aber sich ganz anders zeigt“. Thomas Mann lässt in den „Buddenbrooks“ (1901) sagen: „Mancher hatte es faustdick hinter den Ohren.“

Beispiele aus dem Alltag

  • Beim Kindergeburtstag hat die kleine Emma unbemerkt alle Gummibärchen aus den Tüten der anderen eingesammelt. „Die hat es faustdick hinter den Ohren“, sagt ihr Vater, halb stolz, halb entsetzt.

  • Beim Schachturnier wirkt der zwölfjährige Gegner schüchtern und verliert schnell zwei Bauern. Zehn Züge später ist Herr Brandt matt. „Der Kleine hat es faustdick hinter den Ohren“, gibt er zu.

  • „Unterschätz die neue Auszubildende nicht“, warnt Murat seinen Kollegen. „Die wirkt brav, hat es aber faustdick hinter den Ohren.“

Häufige Fragen

Ist „es faustdick hinter den Ohren haben“ ein Kompliment?

Häufig, denn die Wendung bewundert Schlauheit und Schlagfertigkeit. Sie kann aber auch warnen, dass jemand berechnend ist und man ihm nicht trauen sollte.

Was sitzt hinter den Ohren?

Nach altem Volksglauben saßen dort Schalk und Verschlagenheit als kleine Dämonen. Man meinte, sie an dicken Wülsten hinter den Ohren erkennen zu können.

Kann man „es faustdick hinter den Ohren haben“ auch über Sachen sagen?

Das ist durchaus üblich. Ein Wein, ein Auto oder ein Film „hat es faustdick hinter den Ohren“, wenn er mehr kann oder stärker wirkt, als man zunächst erwartet.

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