Sodom und Gomorrha
Kurz gesagt
Ein Ort oder Zustand völliger Sittenlosigkeit und Verkommenheit, im Alltag oft scherzhaft für wildes Treiben und heilloses Durcheinander.
- Ursprung
- Aus der Bibel
- Auf Englisch
- Sodom and Gomorrah
- Auch gesagt
- Sodom und Gomorra
- Gegenteil
- Ordnung muss sein
Was bedeutet „Sodom und Gomorrha“?
„Sodom und Gomorrha“ steht für einen Ort oder Zustand der Lasterhaftigkeit und Verworfenheit, so umschreibt es der Duden. Im heutigen Gebrauch ist die Wendung meist ironisch. Man sagt es über die Partymeile am Samstagabend, über die WG-Küche nach der Geburtstagsfeier oder über ein Jugendzimmer, in dem seit Wochen niemand aufgeräumt hat. Typisch ist der Vergleich: „Da herrschen Zustände wie in Sodom und Gomorrha.“ Der Duden kennzeichnet „Sodom“ als bildungssprachlich, das DWDS die übertragene Bedeutung als gehoben und oft ironisch.
Daneben dient „Sodom und Gomorrha!“ als Ausruf gespielter Empörung, etwa wenn die Großmutter das erste Tattoo der Enkelin sieht. Ernst gemeint klingt die Wendung nach Weltuntergang und moralischer Verdammung. Wer sie im Alltag gebraucht, übertreibt deshalb in der Regel bewusst und macht sich über die eigene Empörung ein wenig lustig. Ähnlich gebraucht wird „Sündenbabel“, das auf eine andere biblische Stadt anspielt, auf Babylon.
Woher kommt „Sodom und Gomorrha“?
Die Wendung geht auf 1. Mose 18 und 19 zurück. Gott spricht: „Es ist ein großes Geschrei über Sodom und Gomorra, denn ihre Sünden sind sehr schwer“ (1. Mose 18,20, Lutherbibel 2017). Abraham handelt ihm ab, die Städte zu verschonen, wenn sich auch nur zehn Gerechte finden (18,32). Als zwei Engel bei Lot in Sodom einkehren, umringen die Männer der Stadt das Haus und verlangen die Gäste heraus (19,4–5). Lot flieht mit seiner Familie, und „da ließ der HERR Schwefel und Feuer regnen vom Himmel herab auf Sodom und Gomorra“ (19,24). Lots Frau sieht zurück und erstarrt zur Salzsäule.
Schon in der Bibel sind die beiden Städte sprichwörtlich, als Bild für Gottes Gericht (Jesaja 1,9; Matthäus 10,15; Judas 7). Hesekiel 16,49 nennt ihre Schuld: „Stolz und alles in Fülle und sorglose Ruhe“, aber „dem Armen und Elenden halfen sie nicht“. Wander verzeichnet „Es ist ein wahres Sodom und Gomorra“ für einen lasterhaften Ort. Die Schreibung mit „h“ entspricht der lateinischen Bibel, die „Gomorrha“ schreibt.
Beispiele aus dem Alltag
Nach der Abifeier sieht die Küche aus wie Sodom und Gomorrha. Jonas steht mit dem Müllsack in der Tür und weiß nicht, wo er anfangen soll.
Oma Ilse sieht auf dem Handy die Fotos vom Festival und schlägt die Hände zusammen: „Sodom und Gomorrha! Und da hast du gezeltet?“
Im Leserbrief beklagt ein Anwohner die Zustände in der Altstadt am Wochenende: „Laute Musik bis vier Uhr früh, Scherben auf dem Gehweg, das ist Sodom und Gomorrha.“
Häufige Fragen
Was ist in Sodom und Gomorrha passiert?
Nach 1. Mose 18 und 19 vernichtete Gott die beiden Städte wegen ihrer schweren Sünden mit Schwefel und Feuer vom Himmel. Nur Lot und seine Töchter wurden gerettet, Lots Frau erstarrte zur Salzsäule, weil sie zurücksah.
Schreibt man „Sodom und Gomorrha“ oder „Sodom und Gomorra“?
Beides ist richtig. Die Lutherbibel schreibt „Gomorra“, der Duden führt „Sodom und Gomorrha“ mit „h“, das DWDS beide Formen. Die Form mit „h“ folgt der lateinischen Bibel.
Was war die Sünde von Sodom?
In 1. Mose 19 bedrängen die Männer von Sodom Lots Gäste und wollen sie herausholen. Der Prophet Hesekiel nennt als Schuld Sodoms Stolz, Überfluss und dass die Stadt den Armen nicht half (Hesekiel 16,49).
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