Wie der Herr, so’s Gescherr
Kurz gesagt
Untergebene, Kinder oder Mitarbeiter gleichen in ihren Schwächen dem, der sie anleitet; schlechte Vorbilder färben nach unten ab.
- Auf Englisch
- Like master, like man
- Auch gesagt
- Wie der Herre, so das G’scherre
- Wie der Herr, so der Knecht
Was bedeutet „Wie der Herr, so’s Gescherr“?
„Wie der Herr, so’s Gescherr“ heißt: Wer unter jemandem steht, wird ihm ähnlich, und zwar vor allem in seinen schlechten Seiten. Der Duden spricht von negativen Eigenschaften eines Vorgesetzten oder der Eltern, die sich bei Untergebenen und Kindern wiederfinden. Man sagt es über ein Team, das so unpünktlich ist wie seine Chefin, über Fans, die sich so pöbelnd benehmen wie ihr Vereinspräsident, über Kinder, die die Grobheiten des Vaters nachmachen, oder über einen Hund, der genauso laut kläfft, wie sein Halter brüllt.
Der Ton ist spöttisch und abschätzig, als Lob taugt der Satz kaum. Er schiebt die Verantwortung nach oben: Wer sich über die Leute wundert, soll auf den schauen, der sie führt. Für die Beziehung zwischen Eltern und Kindern sagt man häufiger „Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm“, im Betrieb eher „Der Fisch stinkt vom Kopf her“. „Gescherr“ ist eine mundartliche Form von „Geschirr“. Mit Tellern und Tassen hat das Sprichwort aber nichts zu tun, gemeint ist alles, was zu einem Herrn gehört.
Woher kommt „Wie der Herr, so’s Gescherr“?
Der Gedanke ist antik. Im „Gastmahl des Trimalchio“ aus dem Roman „Satyricon“ des Petronius (1. Jahrhundert) schimpft ein Freigelassener über einen Jungen, der ebenso respektlos lacht wie zuvor dessen Begleiter: „Plane qualis dominus, talis et servus“, ganz wie der Herr, so auch der Sklave (Kapitel 58). Der Duden hält diese Stelle für den wahrscheinlichen Ursprung. Belegt ist ein direkter Weg ins Deutsche nicht, denn die Formel „qualis …, talis …“ war im Lateinischen verbreitet. Wander führt etwa „Qualis herus, talis servus“ an.
Ältere deutsche Fassungen verzeichnet Wander aus Sammlungen des 16. und 17. Jahrhunderts: „Wie der Herr, also das gesint“, also das Gesinde, und „Wie der herr ist, so ist auch der knecht“. Die gereimte Form „Wie der Herre, so das G’scherre“ belegt er aus Nürtingen in Württemberg und aus Sachsen.
Das Grimmsche Wörterbuch stellt „wie der herr, so ’s gescherr“ zu „Geschirr“ im Sinn von Gespann und Wagen. Georg Henisch verzeichnet 1616: „wie der fuhrmann ist, so folgt das geschirr hinnach“. Die verallgemeinerte mitteldeutsche Form erklärt Grimm als „wie der herr, so die gesamte wirtschaft“. Im Mittelhochdeutschen bedeutete „geschirre“ auch Gerät, Werkzeug und Einrichtung.
Beispiele aus dem Alltag
Der Chef kommt jeden Morgen zwanzig Minuten zu spät, inzwischen tut das ganze Team es ihm nach. Die Kollegin aus der Buchhaltung lästert: „Wie der Herr, so’s Gescherr.“
Nach dem Abpfiff prügeln sich die Fans auf dem Parkplatz, während der Vereinspräsident im Fernsehen den Schiedsrichter beschimpft. Ein Leser schreibt in die Kommentare: „Wie der Herr, so’s Gescherr.“
Der kleine Finn ruft dem Paketboten dasselbe Schimpfwort hinterher, das sein Vater jeden Morgen benutzt. Frau Lindner von nebenan murmelt: „Wie der Herr, so’s Gescherr.“
Häufige Fragen
Was bedeutet „Gescherr“?
„Gescherr“ ist eine mitteldeutsche Mundartform von „Geschirr“. Das Grimmsche Wörterbuch stellt „Wie der Herr, so’s Gescherr“ zu Geschirr im Sinn von Gespann und Wagen und erklärt es als „wie der herr, so die gesamte wirtschaft“. Mit Tellern und Tassen hat das Sprichwort nichts zu tun.
Woher kommt „Wie der Herr, so’s Gescherr“?
Der Gedanke findet sich schon bei Petronius: „Plane qualis dominus, talis et servus“, wie der Herr, so auch der Sklave. Der Duden hält diese Stelle für den wahrscheinlichen Ursprung, sicher belegt ist das nicht. Die gereimte deutsche Form verzeichnen Wander und das Grimmsche Wörterbuch aus Mundarten.
Wie sagt man „Wie der Herr, so’s Gescherr“ auf Englisch?
Die übliche Entsprechung ist „Like master, like man“. Wander stellt sie neben die deutsche Fassung „Wie Herr, so Knecht“.
Kurzer Test
Ganzes QuizWie geht das Sprichwort weiter?
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